Twitter und Promis

Weil ja gerade Promis auf Twitter so en vogue sind und die meisten auch ein Fake: Was ich nicht verstehe ist, warum die echten Promis nicht einfach selbst twittern. Das würde den Fakes sofort den Wind aus den Segeln nehmen.

Ich fürchte nur, das Web ist bei den meisten Promis einfach noch nicht angekommen. Schauspieler kennen sich mit so was gar nicht aus, TV-Leute auch nicht. Nur die Sportler bloggen schon selbst, wie wir seit Jan Ullrich wissen.

Warum sollte ein Promi bloggen und twittern?
Er hat die Kommunikation in seiner Hand, einfacher gehts nicht. Und zwar für Pressemenschen wie auch für die Fans.

Gerade Twitter kann – wenn es weiter so wächst – danke der Follower eine wunderbare Fankiste werden, geradezu geschaffen für Promis.

Und die Zeit dafür ist locker vorhanden, in der Garderobe, nach der Sendung, im Spielerbus.

Darf man ein Bild vom Flugzeugabsturz twittern – und retwittern?

Ja. Denke ich. Twitter ist ein Informationsmedium, ein schnelles dazu, wie man gestern wieder erleben durfte. Es war BreakingNewsOnline, die eine (nach ihren Angaben bestätigte) Meldung mit als erste herausgaben, es war Twitterer @patrick, der in einem Flugzeug in Schiphol saß und von dort als Augenzeuge twitterte und es waren Autofahrer auf der A9, die erste Bilder auf twitpic schickten. (Wie auch bei der Landung im Hudson River)

Jetzt geht in Deutschland (und auch anderswo) wieder einmal die Betroffenheitskiste los: Darf man das?

RT @stormgrass: Sending twitpics of plane crashes doesn’t have anything to do with the dissemination of news, it’s another form of voyeurism

Natürlich darf man das. Weil das ja auch Journalisten dürfen. Und wollten Blogger nich auch einmal eine (Gegen)-Öffentlichkeit sein? Machen wir den Überbringer der schlechten Nachricht zum Buhmann, weil wir nicht zugeben wollen, dass wir genau diese Bilder sehen wollen?

Es braucht eben keinen TV-Sender mehr, der den Pressesprecher von Schiphol versucht anzurufen, um einen Absturz von offiziöser Seite bestätigt zu bekommen, wenn jeder den Funkverkehr am Flughafen mithören kann (“We have an emergency. Don’t taxi”).

twitter_Schiphol

Was ist der Unterschied zwischen einem Kamerteam eines TV-Senders, das zum Unfallort rast und einem Passanten, der dort steht und ein Foto postet?

Es sind die so genannten journalistischen Standards. Die sagen letztlich, dass man sich respektvoll verhalten soll, vor allem keine Fotos von Toten und die Rettungsarbeiten nicht behindern.

Ich habe Bilder gesehen gestern von Twitterern, die von der Autobahn aus ein Bild gemacht haben. Ich habe auch Bilder gesehen im TV, wie man sehr nahe an Ermittler heranzoomte, die gerade Tote fotografierten.

Es scheint in Deutschland ein psychologisches Problem mit dem Thema Tod zu geben: Wann immer es um Bürgerjounalismus in Zusammenhang mit Unfällen geht, wird laut “Gaffer” geschrien (gerne auch von jenen, die beim Schreien den CNN-Live-Feed schauen). Sonst nicht. Verbreitung von Geschäftgeheimnissen (“Neues Macbook: erste Fotos”) – kein Problem. “Google spricht mit Twitter” (unbestätigt, @Ibo war die erste Quelle für das jüngste Gerücht, ich fands gut genug als solches zu retweeten) – munter diskutieren. Probleme die man gerade mit Kunden hat in der Öffentlichkeit diskutieren – macht doch Spaß die lächerich zu machen. Nur Unfälle, das ist Bäh. Ein Tabu. Vielleicht das letzte Tabu, und deshalb halten wir so daran fest.

Es ist ein Unterschied, ob Menschen ein Foto machen weil sie da sind oder ihr Auto mitten auf der Fahrbahn stehen lassen, um Bilder von Toten zu schießen. Diese würden auch kaum auf Twitter verbreitet werden – im Gegenteil, ich glaube auch hier an die Selbstregulierung, ein Sturm der Entrüstung würde zu recht losbrechen. Und das könnte sogar eher zu Konsequenzen (Bild löschen) führen als bei klassischen Medien.

Es geht hier auch keineswegs darum, dass Twitter die klassischen Medien ersetzen soll. Das ist Unsinn. Es geht um die Quellen. Die Bestätigung einer Nachricht im angelsächsischen Journalismus ist gegeben, wenn man eine zweite zuverlässige Quelle hat. In Deutschland wartet man entweder darauf, was die Agenturen melden oder aber auch eine offizielle Bekanntmachung. Wie sehr sich diese (Zahl der Toten) wiedersprechen können, haben wir gestern gesehen.

Wir alle haben heute technisch den Zugang zu den Quellen, haben Webcams, Funkverkehr, Webseiten von Feuerwehren (oder gar Tweets). Wir können uns damit in vielen Bereichen eher ein Bild machen. Es gab binnen einer halben Stunde 4000 Tweets zu Schiphol, natürlich vieles retweetet, aber dennoch Berichte wie der von Patrick oder anderer Menschen am Airport. Das sind genau so gute Quellen wie Richard Quest im Studio London, der allgemeines Bla Bla über Fliegen im Allgemeinen sagt.

Irgendwie mag man in Deutschland noch keine Grautöne. Entweder oder. Blogger gegen Journalisten. Podcasts gegen Radio. Twitter gegen Google. Das ist großer Schmarrn. Die Welt ist komplex, in deshalb müssen wir verstehen, das Entwicklungen wie das Internet sie noch komplexer machen, statt eine Vereinfachung zu fordern.

Wen wir jetzt sagen, die Berichterstattung über Flugzeugabstürze ist nur klassischen Medien vorbehalten, dann muss das letztlich auch für alle Bereiche gelten, Politik, Webwelt. Und dann sind wir wieder dort, wo wir vor 5 oder gar zehn Jahren waren.

Statt zu meckern über Bürgerjournalisten und was die alles anstellen könnten (erinnert mich an das böse Internet), sollten wir um Standards bemüht sein und denen auch die Finger klopfen, die sich nicht dran halten.

Bin ich im übrigen nur an meine journalistischen Standards gebunden, wenn ich in einer ordentlichen Redaktion sitze? Oder darf ich auch auf Twitter und in meinem Blog journalistisch tätig sein? Was ist der Unterschied, ob ich wie weiland bei der Frankfurter Neuen Presse mit der GLEICHEN Quellenlage eine Breakingnews rausschicke oder das heute als Freelancer über Twitter gebe?

Katholische Kirche in Vietnam

Habe gerade einen Artikel gefunden über den verstorbenen Erzbischof von Hanoi, Paul Joseph Kardinal Pham Dinh Tung.

Interessant in dieser Passage sind die Hervorgebungen von mir:

Anlässlich des 89. Geburtstags von Paul Joseph Kardinal Pham Dinh Tung, dem emeritierten Erzbischof von Hanoi, waren im vergangenen Juni 1.000 Katholiken nach einer Heiligen Messe betend durch Hanoi gezogen. Ziel war das Gebäude, in dem vor der kommunistischen Machtübernahme die diplomatische Vertretung des Heiligen Stuhls untergebracht gewesen war. Die Katholiken forderten die Rückerstattung des Gebäudes und damit die Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse. Hinter dem unmittelbaren Anlaß verbirgt sich ein erstarktes Selbstbewußtsein der jahrzehntelang unterdrückten Kirche, die vom Staat die freie Ausübung der Religion einfordert.

Genau das ist der Grund, warum der Staat in Vietnam ein Problem mit der Kirche hat: Es geht um Land und Gebäude. Dass Katholiken an der Ausübung ihrer Religion gehindert werden stimmt nicht. Sie werden an der Ausübung von Politik gehindert. Das mag man kritisieren, sollte es aber auch benennen und sicht nicht hinter der Religion verstecken.

Last.fm und der Tag “german”

Ich hatte aus einer Laune heraus bei Last.fm den Tag German eingegeben und mir eine Station basteln lassen – und war mehr als angenehm überrascht. Was da rauskommt ist Musik in deutscher Sprache, die fast durchweg hörbar ist (Ok, Jan Delay is gebannt).

Man stelle sich vor, man würde dies bei einem durchschnittlichen Radiosender machen. Der würde wohlzuerst mal melden, dass nicht genügend Songs im Archiv vorhanden sind und dann auf sein Angebot im Kulturprogramm (oder HR4, als Beispiel beim Hessischen Rundfunk), verweisen.

Ich bin keineswegs der Meinung, das Radio bräuchte mehr oder weniger deutsche Musik, ich will vielmehr darauf aufmerksam machen, wie die Last.fm Algorythmen immer wieder mir genau die Musik liefern, die ich brauche. Es ist wirklich die letzte Radiostation.

Vegetarisches Essen in Saigon/Vietnam

Vegetarisches Essen
Das, was man hier auf dem Foto sehen kann, sieht aus wie Hühnchen, ist es aber nicht. Es ist rein vegetarisch. Es gibt in Vietnam und vor allem hier in Saigon einige Restaurants, die entweder sehr viele vegetarische oder gar ausschließlich vegetarische Gerichte haben.

Eines, Sen, ist nahe der Pham Ngu Lao Straße, genaue Adresse ist Nguyen Thai Hoc 171. Es gibt dort nur vegetarisches Essen, meist aus Tofu gemacht, bisweilen auch aus anderem Gemüse. Das witzige ist, dass man Rindfleisch bestellt oder eben Huhn, aber immer vegetarisches Essen bekommt. Es sieht eben nur so aus. Bisweilen schmeckt es übrigens auch wie Huhn, oder so ähnlich, was meist der Marinade zu verdanken ist.

Im Land des Schweinefleischs gibt es also auch für Vegetarier gute Alternativen.

Jede Minute Kreißsaal 40ct:

Gerade beim Benjamin gelesen:

Die Aerztin hat uns geraten erst dann ins Krankenhaus zu kommen, wenn die Wehen alle 5 Minuten kommen und das ganze laenger als 2 Stunden so geht. Das ist schon ein bisschen krass, wenn alles gegen Geld aufgewogen wird. Jede weitere Minute im Kreissaal wird dann mit 40ct verbucht, so dass man sich kaum vernuenftig auf die Geburt, als eher auf die Kosten konzentrieren muss.

Tja, so sieht das aus wenn es eben keine gesetzliche Krankenkasse gibt. Benjamin lebt in Singapore, aber hier in Vietnam ist das kaum anders. Allerdings übernimmt unsere private Kasse schon eine Menge Kosten. Aber eben nicht für alles.

Vietnams next web idol

Man mus das nicht wirklich verstehen, aber dieses Video wird gerade in Vietnam verlinkt wie blöd.

Chip hat darüber geschrieben und fragt sich ob das eine Viral Marketing Kampagne ist. Allein die Tatsache dass man so was denkt zeigt wie weit Vietnam schon ist.

Das Video war angeblich nicht absichtlich aufgenommen.

YouTube, clip of Thanh Nga was accidentally recorded by a public webcam at a laptop store, and then spread on the Internet by her fans with the name of “Fairy” (Thánh Nữ).

Verlage, heult doch wegen Google

Gerade bei Turi2 gelesen:

Eine spezielle Benutzeroberfläche für Apples iPhone und das Google-Phone G1 verschafft jetzt mobilen Surfern komfortablen Zugang zur vieldiskutierten Buchsuche von Google. Die deutschen Buchverleger sind in Alarmstellung.

Wohlgemerkt, es geht um Suche. Nicht um Downloads. Und schon geht das Geschrei los wie bei Google-News bei den Zeitungsverlagen. Wenn die keinen Suchmaschinen-Traffic mehr hätten, würde ihnen 30-40 Prozent des gesamten Traffics wegbrechen. Deswegen jammern sie laut, machen aber nix.
Frage mich, warum diejenigen die am lautesten schreien noch nicht mal damit anfangen, intern nur in Yahoo zu suchen.

Aber zurück zu den Buchverlagen. Wo ist das Problem? Die Buchverlage selbst haben es nicht geschafft, sich ausserhalb von Amazon auch nur annähernd erfolgreich im Netz zu etablieren. statt Entwickler hat man Anwälte bezahlt – und zahlt jetzt den Preis. Libri.de ist nett gemeint, aber fern von allem, was User wollen.
Die Verlage selbst sind ebenso undiskutabel, wollen dem Handel nicht schaden. Man schaut mehr auf sich als auf den Nutzer.
Statt schnell zu schalten und sich zu überlegen, wie man von dem zu erwartenden Googletraffic profitieren kann, versucht man es erst mal mit Verboten.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn Buch-Verlage erst ein mal sehen, welche Werbung Google für sie macht, es ein wenig anders aussieht. Zumindest bei denen die begriffen haben, dass das Internet auch eine Chance sein kann.
Bücher werden noch lange auf Papier gelesen, aber man stelle sich vor, Google lonke zu den entsprechenden E-Büchern. Wie schnell und einfach kann man da Geschäfte machen?

Also Buchverlage, seid mal ernst und realistisch und tut nicht so, als sei eben erst die Buchdruckkunst erfunden worden und ihr hättet gerade eine Zunft gegründet. Die Zeiten sind schon etwas länger her.

Bahn will Netzpolitik mundtot machen und die Wahrheit verschweigen

So ist das also: Wenn die Deutsche (Reichs)Bahn mal Kritik einstecken muss von Bloggern, holt sie gleich die Anwaltskeule raus. Ein Konzern, den ich der politischen Korruption (also nicht im Sinne eines Straftatbestandes) zumindest für verdächtig halte (man schaue nur welche Politiker nach welchen Entscheidungen dort Einzug hielten), versucht jetzt einen der profiliertesten Kämpfer für die (Rede)Freiheit im Netz, Markus Beckedahl, eins vor den Latz zu knallen:

Die Deutsche Bahn AG hat mir soeben meine erste Abmahnung für dieses Blog geschickt. Konkret geht es um das interne Memo zur Mitarbeiter-Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn, das ich am Samstag hier publiziert habe.
Nun weiß ich nicht, wie die Chancen sind, mich vor Rechtstreitigkeiten mit dem Konzern zu schützen, bzw. ob ich Chancen habe, dagegen vorgehen zu können. Und bitte daher die mitlesenden Juristen um Rat.

Und feige wie Herr Mehdorn und seine finsteren Gesellen nun mal sind, wagen sie sich nicht mal vor Gericht, sondern versuchen eine (angebliche) Straftat (Verrat von Geschäftsgeheimnissen) über den Weg einer Abmahnung zu erledigen. Da fragt man sich ob der Anwalt in der Sache nicht gegen Standesrecht verstößt: Müßte er nicht Anzeige erstatten, wenn er Kenntnis von einer Straftat bekommt? Oder will er lieber die Kohle sicher in der Tasche haben, die es für die Abmahnung gibt (was auch ein Verstoß wäre)?

Liebe Bahn, solange ihr am Rockzipfel der Politik hängt seid ihr ein öffentliches Unternehmen und habt Rechenschaft für Eure schändlchen Taten abzulegen. Die Wahrheit zu vertuschen zu versuchen ist einfach nur ekelerregend. Einer öffentlichen Diskussion aus dem Weg zu gehen ist beschämend, aber Herr Mehdorn, solche Diskussionen haben sie doch schon immer gescheut, oder?

Und im übrigen wurde aus dem Bericht des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten zitiert, eine öffentliche Institution. Geht’s noch?

Himmelherrgott, lebe ich in Vietnam mit der Zensur oder ist Deutschland mittlerweile auch schon soweit?

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Journalisten: Wieder mal ne Geschichte die ihr recherchieren könnt. Oder wartet Ihr wieder auf die Agentur?