PM der Medientage

Thomas Wanhoff, Journalist und Podcaster der ersten Stunde, freut sich über die zunehmende Aufmerksamkeit der Unternehmen. „Jetzt hat die Technik den Weg geebnet und ist für die Masse verfügbar – endlich kann über die Inhalte geredet werden“, formulierte er in der Diskussionsrunde der Deutschen Welle im Rahmen der MEDIENTAGEN MÜNCHEN.

Und natürlich stand der „Content“ im Mittelpunkt, wenn es um den Markt des „digital lifestyle“ geht, nämlich um Podcasting, Internetdownloads und mobile Dienste. Moderator Guido Baumhauer, Chefredakteur der DW-World.de, umriss damit das Thema der Runde und konstatierte den neuen Trend der Mediennutzung: Zeitsouveränität. Der Hörer bzw. Nutzer wolle selbst bestimmen, wann
er welche Inhalte höre oder sehe, unabhängig vom Ausstrahlungszeitpunkt. Mit dem Hörer oder Zuschauer als Programmdirektor müssten in Zukunft auch die professionellen Stationen rechnen.

Ein (immer noch) fester Bestandteil der Tages-TV-Nutzung ist die Tageschau um 20 Uhr – auch hier gibt es für den mobilen Nutzer das Download-Angebot aufs Handy oder den mp3-Player. Zwar kein klassischer Podcast, da der Inhalt nur auf einem neuen Verbreitungsweg zum User kommt,
steht tageschau.de trotzdem auf Platz 1 bei dem Podcast-Ranking von I-Tunes. „Damit haben wir es geschafft, auch junge Menschen für ein klassisches Fernsehformat zu begeistern“, betonte Jörg Sadrozinski, Redaktionsleiter von tagesschau.de aus Hamburg.

Das Handy werde als neues Leitmedium der Zukunft im Zentrum aller Innovationen stehen, meinte Ralf Klanke, Senior Manager von Vodafone. Es werde unverzichtbar werden, um mobil Inhalte abrufen zu können – egal ob Text, Radio oder Fernsehen. Natürlich sei das Nutzungsszenario ein anderes als beim Fernsehen zu Hause. Auch hier müsse wegen der nur kurzen Verweildauer der Inhalt entsprechend ausgewählt werden: News, Sportergebnisse und andere Informationen kämen deswegen bei Vodafone auch gratis aufs Handy. Da Videocastings und andere TV Angebote kostenpflichtig zum Download bereit stehen, werde sich der Trend zur Flatrate bei UMTS-Handys durchsetzen.

Seit im November 2004 die Podcastwelle auch nach Deutschland geschwappt ist, scheinen sich auch die Erwartungen der Radiohörer an ihr Medium verändert zu haben. Der Wunsch nach mehr Wortinhalten ist stärker geworden, so Kathrin Rütig von Audible, der Internetplattform für Hörbücher. Nicht nur Hörbücher boomten, sondern auch Magazine oder Special-Interest- Sendungen aus den Radioarchiven wären beim Download gefragt. Die bei Audible erhältlichen Podcasts sind dabei ideale Teaser für neue Produkte, z.B. Autorenlesungen.

Dass professionelle Sender gezielt von den Podcastern lernen könnten, sei inzwischen bewiesen, betonte Thomas Wanhoff. Die Zahl der Podcasts steige, da die niedrige Produktionsschwelle quasi jedermann einen leichten Einstieg ermögliche. Der Trend gehe eindeutig zum Wort, das Interesse
an Informationen steige auch beim Radiohörer wieder. Hier würden sich neue Chancen für die Stationen ergeben, so Wanhoff, denn durch die Zusatzangebote im Internet könnten die Stationen die Nachfrage ihrer Hörer nach Hintergrundwissen oder Zusatzinformationen befriedigen.

Und die Zukunft? Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig: Podcasting bzw. Videocasting bereicherten die Medienlandschaft, denn die Angebote würden zunehmend professioneller und die Nutzung selbstverständlicher. Die neue, aktive Mediennutzung der Konsumenten über Podcasting, Radio-On-Demand und mobile Dienste zwinge die klassischen Medien zur Weiterentwicklung – und eröffne ihnen damit die zusätzliche Erlösquelle des Mehrwerts.

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