iPhone Killer: Handys, Journalisten und die Marktwirtschaft

Wenn ich in Google nach iPhone Killer suche, bekomme ich 28,600,000 Treffer angezeigt. Der Ausdruck wird also gerne verwendet. Man erwartet sehnlichst ein neues Telefon, dass das iPhone endlich verschwinden lässt. Nurn geht es hier nicht um iPhone oder nicht, sondern um Marktwirtschaft. Apple hat in den USA einen sehr hohen Marktanteil bei den Smartphone, das ist richtig. Aber ein Monopol? Nein. Marktbeherrschende Stellung? Nein. Warum also muss es sterben?

Ich habe die Befürchtung dass viele Menschen (und Journalisten) die Marktwirtschaft nicht mehr verstehen und schon gar nicht erklären können. Ein Markt lebt vom Wettbewerb, und dort werden neue Teilnehmer als Konkurrenten oder Mitbewerber bezeichent, aber nicht als Opfer oder Killer. Denn ohne die anderen gibt es keinen Wettbewerb.

Die ersteTrefferseite bei der Google Suche gibt mit fast ausschliesslich Hinweise auf Medien, TV-Sender, Zeitungen. Es sind also sehr wohl Journalisten die den Begriff iPhone-Killer verwenden (wenn nicht geprägt haben.) Google ich Seiten aus Deutschland, sind es 408.000. Ganz vorne die Wiwo, heute.de, Chip und PCWelt. Was besonders albern ist, ist die Tatsache dass das iPhoen in Detschland einen wesentlich geringeren Marktanteil hat als in den USA, es also gar keinen Grund gibt, es verschwinden zu lassen.

Was mögen die Gründe dafür sein?
Ich denke es ist zum einen die Sensationsgier. Eine Geschichte muss heute eine Sensation sein, selbst wenn es um etwas Banales wie ein Telefon geht. “Killer” ist stärker als “Konkurrent”, das macht sich besser in der Headline (siehe oben). Das Problem dabei ist, dass Journalisten auch eine Aufgabe haben, nämlich ein wenig die Welt zu erklären. Mit der Killer-Sprache wird aber suggeriert, dass Märkte so funktionieren, dass einer den anderen killt. Mag vielleicht auch daran liegen, dass kaum einer mehr auf einen Wochenmarkt geht (ich meinen einen richtigen, nicht so eine Pseudo-Öko-Veranstaltung wo man Brot kauft weil es irgendwie authentisch ist). Ein Wochenmarktbetreiber wird natürlich darauf achten, nicht nur einen Anbieter zu haben, sondern mehrere. Und eine große Auswahl. Dafür wird er Regeln aufsetzen über Standgröße und Lebensmittelsicherheit. Den Rest regelt der Markt.
Keiner würde auf die Idee kommen, die Wassermelone als den Apfelkiller zu bezeichnen. Vielleicht kaufen Leute weniger Äpfel seit es Wassermelonen gibt. Aber das ist nur normal, und solange die Apfelbauern gute Äpfel produzieren und gut vermarkten, werden sie einen gewissen Anteil am Markt haben.

Zum anderen scheint der Informationsoverflow auch Journalisten zu verwirren. Wenn Nokia pro Jahr 50 neue Produkte auf den Markt wirft, wird es schwer, über alle zu berichten und die einzuordnen. Man sehnt sich geradezu nach einen One-Phone-Fits-All Modell. Das iPhone scheint bei Journalisten so etwas zu sein. Und getreu dem Satz “Der König ist tot, es lebe der König”, versucht man mittels Medium sooft es geht einen neuen Thronfolger zu präsentieren. Das hat was vom alten Ägypten, aber nichts von einer Marktwirtschaft in einer Demokratie.
Der Trend zu immer stärkeren Ausdrücken, zu Superlativen (Jahrtausendflut) führt irgendwan dazu, dass uns a) die Superlative ausgehen und b)wir nichts mehr einordnen und relativieren können. Genau das aber ist eine Aufgage von Journalisten. Die Chronistenpflicht erfüllten Hofberichterstatter – im alten Ägypten.

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