Warum Service so wichtig ist (und bequem)

Früher war es eine reine Angelegenheit der Feudalgesellschaft, mit der aufkommenden Industrialisierung auch eine Prestigefrage der neuen Oberklasse: Service konnte sich nur leisten wer das Geld hatte. Gleich, ob einen Kutschenfahrer, eine Köchin oder andere Hausangestellte. Das hat sich geändert: die double-income-no-kids können sich auch mit Durchschnittseinkommen wenigstens eine Putzfrau leisten. Und selbst Familien können Serviceleistungen wie ein Taxi in Anspruch nehmen.

Wir leben in einer Servicegesellschaft, und das ist gut so: Zum einen generiert es Arbeitsplätze, zum anderen erhöht es den Lebensstandard. Denn das Staatsziel der Wohlfahrt für alle wird ja nicht nur monetär definiert, sondern eben auch im Lebensstandard und der Lebensqualität. Das kann man sehr gut hier in Asien sehen, wo der Lebenstandard sich mit dem Kauf der ersten Fernsehers schon erhöht, aber auch die -qualität. Menschen in dörflichen Regionen empfinden nämlich einen Fernseher als Teil eines besseren Lebens, und deshalb kaufen sie auch einen sobald es Strom gibt und genug Geld da ist (so wie wir das in Deutschland nach dem Krieg auch gemacht haben).

Sobald aber hier in Asien genug Geld für eine Hausangestellte vorhanden ist, wird diese eingestellt, und dann noch eine Nanny, und ein Gärtner, eine Köchin und ein Fahrer. Nicht nur reiche NGO-Mitarbeiter machen das, sondern vor allem die neue asiatische Oberklasse. Die Inanspruchnahme ist nicht nur ein äußeres Zeichen des Wohlstandes, sondern auch eine bequeme Einrichtung: Man hat Zeit für anderes.

Wir haben hier aus Sicherheitsgründen einen Nachtwächter, der sich aber als Blumenfreund entpuppte und nun während seiner Schicht sich auch im das bißchen Garten kümmert. Weil wir beide nicht gerade einen grünen Daumen haben, ist das eine sehr bequeme Lösung. Und weil wir nette Menschen sind (sagt der Nachtwächter), gibt es immer auch was extra und jeden Abend etwas Konversation auf Englisch und Laoi (während meine deutschen Nachbarn nicht mal den Namen ihres Guards wussten und er sich sein Trinkwasser für 5000 KIP selbst kaufen musste).

Wir schaffen damit einen Arbeitsplatz, und so tun es viele in der Serviceindustrie. Wer das in Anspruch nimmt, kauft war kein Produkt, aber eine Leistung, und unterstützt damit sowohl die Wirtschaft insgesamt als auch Arbeitsplätze. Und fördert somit auch den Lebensstandard anderer,

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