Wenn das ZDF nach Laos kommt

UPDATE: Ich habe gerade den ersten Teil gesehen, die Vietnam-Reportage, und die ist exzellent gelungen. Und sie macht Hoffnung auf den Bericht aus Laos, den ich morgen erst sehen kann. Vielleicht soll ja der Artikel auf der Webseite nur ein Teaser sein?

UPDATE 2: So, jetzt habe ich auch den Laos-Film sehen können. Vorneweg: Der Vietnam-Beitrag war besser. Laos wird dem Klischee der Reiseführer folgend als Land der schönen Landschaften dargestellt. Was es sicher auch ist. Aber es sind eben zu viele Klischees im Beitrag, und zu wenig und zu deutlich wird nachgeschaut. Die Basi-Zeremonie ist nicht nur Tradition, sondern ein Geschäft – bis zu 300 USD muss man bezahlen, je nach Anzahl der Mönche, die man bucht. Sinouk ist übrigens kein Kaffeebaron. Dieser Titel geht and Frau Dao, die das wahre Imperium besitzt. Schade auch, dass weder darauf hingewiesen wurde, dass Dreharbeiten von der Regierung genehmigt werden müssen, noch, was man vielleicht nicht filmen durfte. Sicher ist der Beitrag kritisch, aber eben gerade nur so weit, dass man wieder kommen darf. Ein schöner Beitrag, ein netter Beitrag, aber eben auch nur das was jeder macht.

Das ZDF hat ja eigentlich einen Bildungsauftrag. Es soll den Gebührenzahlern die Welt erklären. Nun ist das so eine Sache: Das Traumschiff zum Beispiel zeigt die Welt, aber eben sehr verzerrt (Man kann nicht mit der Bambusbahn nach Phnom Penh fahren, mal abgesehen davon dass es extrem gefährlich ist). Nun also hat sich ein ZDF-Team nach Laos begeben, und ich habe zumindest bei ZDF.de schon einen Artikel gefunden.

Die Welt, die Peter Kunz vom Studio Südostasien zeichnet, ist genau die, die die laotische Regierung gerne sehen will. Kleine Startups, Opfer der US-Bombenangriffe, ansonsten heile Welt, und alles wird gut.

Es liegt nicht wie überall sonst in Asien Plastikabfall herum, wohl auch deswegen, weil der bescheidene, neue Wohlstand zur Wegwerfgesellschaft doch noch nicht reicht

Was ein Unsinn: Jedes noch so kleine Dorf hat irgendwo ein Loch, oder wenn es einen Fluss hat einen Abhang, der als Müllkippe dient. Da wird alles hineingeworfen, was weg soll: Plastiktüten, Autobatterien, Reiniger, etc. Das fließt dann irgendwann alles ins Grundwasser. Sieht man nur nicht, wenn man im Landrover durchs Dorf saust. In jedem noch so kleinen Laden wird alles was man kauft in eine Plastiktüte gesteckt.

Materielle Dinge sind für viele Laoten zweitrangig, Buddhas Erkenntnis sitzt sehr tief.

Dann soll Herr Kunz mal bitte hinhören, warum die Laoten in den Tempel gehen: Sie beten für Wohlstand. Die Mär vom Erkenntnis suchenden Buddhisten ist genauso falsch wie die Annahme, das Westler alles gute Christen sind. Warum wohl schicken Laoten vom Land Ihre Kinder weg in die Stadt? Warum verkaufen Sie ihr Land? Nicht allein weil sie arm sind, sondern weil sie Wohlstand haben wollen. Und den meisten ist sehr bewusst, was ihre Kinder in der Stadt machen. Und wenn man einmal schaut, wie sich Familien verändern, sobald etwas Geld da ist, ist es vorbei mit der Idylle. Habgier ist eines der größten Probleme, das Laos gerade hat (und natürlich fängt das in den Städten an, es ist aber eine Frage der Zeit, wenn es auch im letzten Dorf angekommen ist.)

Sinouk heißt der Kaffee, und Sinouk heißt auch sein Produzent.

Ich selbst kenne Sinouk (sowohl ihn selbst als auch seinen Kaffee, bei uns zu Hause gibt es Scandinavian Arabica Roast), ein in der Tat bemerkenswerter Mann. Leider wird weder erwähnt dass er organischen Kaffee anbaut, noch, dass die Kaffeeidylle am Bolaven dadurch getrübt ist, das 90 Prozent in Hand einer Firma sind: Dao Coffee, die vor allem minderwertigen Instantkaffee produzieren.

Zum Fortschritt gehört, dass die einst vertriebenen Kapitalisten und die regierenden Kommunisten sich dafür wieder die Hand reichen.

Klingt schön romantisch und friedlich, ist es aber nicht: Wer in Laos Geschäfte machen will, muss viel Geld unter dem Tisch ausgeben. Die Regierung hält überall die Hand auf, mit tatsächlichen und erfundenen Steuern. Die Worldbank hat gerade Laos auf einen der letzten Plätze gesetzt, was das Geschäftsklima betrifft. Hand reichen? Nein. Vielmehr wird Laos gerade an China und Vietnam verkauft. Das sind die größten Investoren in Laos.

Peter Kim wird heute Abend seinen ersten großen Auftritt vor geladenem Publikum haben. In der Kulturhalle von Vientiane treffen wir ihn zur Generalprobe.

Peter Kim ist Teil der Hiphop-Tanzgruppe Lao Bang Fai. Ich habe ihn vor über einem Jahr im French Cultural Center gesehen. Er tanzt nicht Hiphop, sondern hat ein Solo am Anfang der Show, das eher Mitleid erregend ist. Ich habe viele Auftritte von Lao Bang Fai gesehen seitdem, aber niemals wieder Peter Kim.

Der Artikel bringt nichts Neues. Sowohl die Geschichten von Beer Lao als auch von Sinouk-Kaffee sind schon oft erzählt worden. Warum macht sich ein Team des ZDF nicht einmal die Mühe, hinter die Kulissen zu schauen? Neue Geschichten zu finden? Zum Beispiel über die Projekte der GIZ, und ob sie wirklich bringen, was sie versprechen? Oder aber die Gruppe junger laotischer Filmemacher, die gerade mit der Regierung um die Zensur kämpfen mussten. Oder, oder, oder. Oder den Einfluss Chinas?

2 thoughts

  1. Danke für diesen Post. Er trifft es sehr gut auf den Punkt. Ich war auch schon mehrmals in Laos (als Tourist und “Halb-Tourist). Man muss schon wirklich genauer hinschauen und dann erkennt man sehr schnell den korrupten Ausverkauf an die Nachbarn.
    Laos wird wahrscheinlich (leider!) den Dreh nicht bekommen, sondern ausbluten, seine Identität verkaufen, die Natur restlos zerstören… Vor ein paar Jahren hatte ich da Hoffnungen, heute weniger.

  2. Das Problem sind nicht alleine die Nachbarn, sondern vor allem in Laos eine herrschende Elite, die begierig alles zu Geld macht was zu Geld zu machen ist.

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