Warum Geschäfte in Asien manchmal sehr risikoreich sind

Es wird ja allenthalben vom asiatischen Boom gesprochen. Tatsächlich explodieren gerade in Südostasien die Zahlen, die Wachtstumsraten sind der Traum der Industrieländer. Und in der Tat steigt der Lebensstandard, mehr Leute haben bessere Lebensbedingungen. Was ist der Grund?

Zum einen billige Löhne. Ich bin der festen Überzeugung, dass letztlich die Auslagerung der westlichen Produktionen nach Asien zum Boom beigetragen haben. Dazu kommen dann noch Ausbeutung von Ressourcen und schon hat man eine Menge Geld im Land. Das fließt aber selten in die Infrastruktur, dafür häufig in die Taschen der Regierenden.
Nun ist das so eine Sache mit Fabriken, die Schuhe herstellen. Die Investitionen sind gering, und man kann die Maschinen auch schnell wieder abbauen und in ein anderes Land bringen. Genau das passiert in China, zur Freude Vietnams, Laos und Kambodscha. In China sind die Löhne so gestiegen, dass es für viele keinen Sinn mehr macht dort zu produzieren. Die Frage ist nur, wann es auch in Vietnam und Kambodscha so sein wird. Wenn Laos bereits ein mittleres Einkommen von 1000 USD pro Jahr hat, dann kann man sich vorstellen, wie schnell die Löhne steigen werden (hinzu kommt noch ein gehöriges Stück Inflation).

Auch die Minen werden nicht immer Rohstoffe haben. Irgendwann ist Schluss, und was bleibt sind grosse Löcher in der Erde.

Wo also sind die nachhaltigen Investitionen? Wie sollen die asiatischen Ländern überleben, wenn der Goldrausch vorbei ist?

Im Augenblick kommen Investoren aus Malaysia, China und Korea in diese Ländern und bauen gigantische Vorstädte und Shoppingmalls. Hierzu eine kleine Geschichte aus Laos:

In der Hauptstadt gibt es einen Waterpark mit Rutschen und Schwimmbad. Eine kleine Firma hier hatte den vor wenigen Monaten übernommen und für 120.000 Dollar renoviert (nicht viel, aber für die Firma eine Menge Geld). Vor einer Woche kamen plötzlich Bauarbeiter und zogen einen Zaun hoch, und zwar genau vor diesem Wasserpark und dem Nachbargelände. Die Parkbetreiber protestieren und forderten die Bauarbeiter auf, aufzuhören. Plötzlich kamen Polizisten mit AK47 Gewehren. Die Parkbetreiber waren erleichtert, und wiesen die Polizisten an den Bauarbeitern zu erklären dass sie nicht einfach einen Zaun vor dem Park hochziehen können.
Die Polizisten grinsten und antworteten nach Angaben von Augenzeugen sinngemäß: “Wir sind hier um sicherzustellen, dass der Zaun ohne Störung gebaut werden kann. Das Grundstück ist an einen chinesischen Investor verkauft.”

Angeblich habe der Investor Kompensation angeboten, aber der Kern ist: Man kann hier einen Vertrag haben, nur interessiert das keinen, wenn ein großer Investor kommt. Es gibt in diesen Ländern KEINE Rechtssicherheit, und man kann sein Geld abschreiben. Vor allem kleinere Unternehmen, die zum Teil schon lange in Asien sind, bekommen das gerade zu spüren.

Die Shoppingmalls übrigens werden in der Regel mit Schwarzgeld gebaut und sind grosse Geldwäscheanlagen. Das funktioniert so:
Ein Investor muss Geld waschen. Also baut er eine Shoppingmall mit schmutzigem Geld. Dann bringt er die Shops auf den Markt – er verkauft Leasingverträge. Ein 4×4 Meter Shop kostet um die 200.000 Dollar. Reiche Laoten müssen ebenfalls Geld waschen und legen das Geld auf den Tisch. Für den Investor ist das Geld nun gewaschen, und fuer die Laoten auch, weil sie nun einen Shop besitzen. Nur bringt der ja noch kein Geld. Soll er auch nicht. Er wird billig vermietet oder gar nicht. Die Laoten nämlich versuchen den Leasingvertrag weiterzuverkaufen, und zwar mit Gewinn. Das ist das eigentliche Geschäft. Der Mallbetreiber versucht nur schnelle Kasse zu machen, ihn interessiert es nicht, welche Mischung an Läden es gibt und ob die erfolgreich sind oder nicht. (In Thailand ist das übrigens anders, zumindest bei den großen Malls).

In Vientiane sind derzeit 4 Shoppingmalls angekündigt. Eine weitere (Thalat Sao Mall 2) ist fertig, aber weitgehend leer. Eine Mall nahe des That Luang wird nicht mehr weitergebaut, niemand kann etwas sagen warum (es wird vermutet man hat keine Shopkäufer gefunden). Und von der Regent Mall hört man derzeit auch nichts mehr.

In Saigon (Vietnam) haben wir das gleiche gesehen: Ob Vincom oder Paragon, beide Malls machen keinen Umsatz und haben keine Kunden, sind aber gigantische Investitionen gewesen. Nach wie vor gibt es in Saigon keine Mall wie man sie aus Bangkok, Kuala Lumpur oder Jakarta kennt. Warum nur?

Vietnam, Kambodscha und Laos sind schlicht noch nicht weit genug entwickelt für profitablen Einzelhandel, zumindest wenn es um Malls im internationalen Maßstab geht. Ordentliche Mallbetreiber scheuen derzeit das Risiko, die gesamte Investition alleine zu stemmen und es fehlt ihnen vor allem an den Marken, die ins Einkaufszentrum kommen muessen. Ohne diese funktioniert aber das Einkommen aus den regelmäßigen Mieten nicht.

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