Somewhere in Vientiane

Somewhere in Vientiane by thomaswanhoff
Somewhere in Vientiane, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

Solche Bilder kann man überall in Vientiane machen. Man muss nur von der Hauptstrasse nach rechts oder links schauen und schon hört es mit dem Hauptstadtfeeling (wenn es das überhaupt gibt) auf. Und mit den asphaltierten Strassen. Dieser Weg hier führt zu ein paar kleinen Hütten, in denen eher arme Laoten leben. Mitten im so genannten Diplomatenviertel, schräg gegenüber der Deutschen Botschaft und gleich neben einem Tempel.
Natürlich hat es etwas romantisches., aber wer diese Menschen fragt, ob sie vielleicht eine bessere Straße, eine Anschluss an die Abwasserversorgung und vielleicht ein gemauertes Haus haben wollen, wird eine sehr eindeutige Antwort bekommen. Nämlich ein klares Ja.,

Pho Küche

  by thomaswanhoff
, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

Das hier ist der “Herd” meiner Nachbarin Ung, die dort jeden Tag Knochen auskocht und Pho Suppe macht. Ich habe sie gefragt warum sei kein Gas benutzt. Die Antwort: “Zu teuer, zu gefährlich und schmeckt nicht”. Zu teuer ist Gas in der Tag, denn die Suppe muss schon ein paar Stunden koecheln, und das Holz gibt es umsonst – entweder irgendwo angeschwemmt oder irgendwo geschlagen oder gesammelt.

Klischees über Laos und wie man es richtig macht

Man kann es so machen wie der NDR (aber sollte es nicht), sich nämlich einem Land nähern, in dem man alle Klischees erfüllt und sucht, die man so kennt. Man nehme zwei nicht ganz so smarte Reisende (Backpacker), die dumme Fragen stellen wie “Delfine im Binnenland, wie geht das denn”?, sprachliche Highlights wie “unheimlich freundliche Leute” und eben Klischees wie “ein Paradies für Backpacker”.

Der Fluss ist “Badezimmer, Waschküche und Spielplatz” klingt ja ganz lauschig, ist es aber nicht: Es gibt eben kein fließendes Wasser, keine modernen Waschmaschinen und bestimmt keine deutschen DIN-geprüften Spielplätze.
Mal abgesehen davon dass es einen Anruf bedarf um die Flussdelfine zu finden, das muss man nicht “auf Abenteuer” gehen.

Die NDR Reportage ist erst geschrieben und dann gefilmt. Kein Wort davon dass in Vang Vieng 27 Menschen im vergangenen Jahr gestorben sind, weil eben Backpacker wie die beiden im Film den Thrill suchen. Auf einem Mopen ohne Helm zu fahren, ist nicht authentisch, sondern schlicht ein Zeichen von ausgesprochenem Leichtsinn und Dummheit (mal abgesehen davon dass die beiden sich eigentlich bewusst sein sollten, dass sie als Europäer eine Vorbildfunktion haben).

Ist ja schön dass es hier Zimmer für drei Dollar gibt, aber genau dass ist eben ein Problem, warum Vang Vieng eben nicht so entwickelt ist wie Luang Prabang: Weil Backpacker zwar Geld fürs Flugticket haben, im Land aber extrem knauserig sein.

Es ist 2012, und man kann natürlich einfach mal bei Google schauen wo es Flussdelfine gibt. Aber sicherlich ist es eine bessere Idee auf einem laotischen Markt danach zu fragen. Da kann man dann zeigen dass die Laoten Frösche essen (würde man das in Frankreich auch so machen)?

Einen Laoten “der liebe Opi” zu nennen mag ja viel Flausch haben, klingt aber wenig respektvoll.

Ach und Stifte und Hefte brauchen die Schüler nicht, sondern gescheite Lehrer und einen ordentlichen Lehrplan. Aber es sieht halt nett aus mal eben ein paar Stifte zu verschenken.

Übrigens ist es nicht nur lebensgefährlich auf einem Fahrrad zu fahren, sondern auch in einem Minibus. Aber das vergessen Backpacker gerne. Und keiner sagt Ihnen wie viele tödliche Unfälle es gibt. Und auf dem Backpackertrail “zufällig Leute zu treffen” ist auch eine Kunst.

Laos braucht keine Backpacker mehr. Laos braucht Touristen die das Land kennenlernen wollen und nicht Klischess hinterherrennen und denken, das ist ein Disneyland. Die viel Geld hier lassen, um zu zeigen dass es besser ist Tourismus für gut bezahlenden Touristen zu entwickeln, und damit langfristig Einkommen zu sichern, anstatt das Feld den Billig-Backpackern freizugeben, die ihre Bierflaschen in in den Fluss werfen, “free LaoLao” trinken und den Drogenhandel unterstützen.

Anne und Bunki, bitte bitte kommt nicht mehr hierher: Geht mal in die Schule und lernt mal was über die Welt. Und wie man herausbekommt, wo die Flussdelfine sind. Und wie man statt einer Heideidei-Dumpfbacken-Reportage sich der Frage annimmt, warum es nur noch 85 Delfine gibt, welchen Einfluss die Dämme haben, und vielleicht auch mit den WWF Leuten vor Ort sprechen. Dann würde man direkt nach Pakse fliegen und sich des Themas annehmen. Aber es ist natürlich schöner, eine gute Ausrede zu haben mal eben auf GEZ-Zahler-Kosten durchs Land zu reisen.

Wie man es besser macht, hatte gerade das Auslandsjournal gezeigt: DAS ist Journalismus.

Fleisch

Protein anyone? by thomaswanhoff
Protein anyone?, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

so sieht das aus wenn man hier am Markt getrocknetes Fleisch kauft. Es ist in drei Stunden locker weichgekaut, und die Krümel drauf sind Sesamsamen. Nicht sichtbar dagegen die Chilisamen, die das Ganze zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Hinten rechts übrigens die Luang Prabang Wurst, die einer deutschen Bratwurst locker Konkurrenz machen kann. Ganz locker.

Sven, komm mal wieder runter

Sven Regener hat recht, man soll nicht stehlen, weder Cola im Supermarkt noch im (virtuellen Plattenladen). Warum er aber nun behauptet, keiner wolle mehr für Musik bezahlen, ist mir schleierhaft. Mein iTunes-Account sagt was anderes. er hat als alter Rocker leider nicht das Internet begriffen. Weil eben die Plattenlabels nicht mehr so viel Geld haben für Promotion, braucht es eben soziale Netze, die das manchmal sogar besser machen. Wahrscheinlich kauft keiner mehr seine Platten, habe ich das Gefühl. Ich bin auch Urheber, und ich möchte gerne Änderungen im Urheberrecht, weil ich es für überholt halte. Das heisst nicht dass jedes Buch oder Werk Open Access werden soll. Es geht um Laufzeiten, aber auch um Fair Use. Und es geht darum, die Gema abzuschaffen und etwas anderes, besseres auf die Beine zu stellen.

Ein paar Worte über Buddhismus

Ich sehe jeden Tag hier Backpacker in Laos, die in den Tempeln umher rennen und die Mönche so toll finden, und Laos überhaupt, weil das ja noch so ursprünglich buddhistisch ist. Sieht auch so aus auf den ersten Blick, ist es aber nicht.

Zunächst einmal sind die Mönche und Tempel fast das einzige, was vom reinen Buddhismus übrig ist. Der Pfad der Tugenden wird schon lange nicht mehr beschritten (Fleisch essen zum Beispiel ist ein Zeichen für Wohlstand, gleich zwei Verfehlungen).

Der Buddhismus in Thailand und Laos (auch in Kambodscha) hat aber vor allem Wandlungen und Adaptionen erfahren. Es gibt überall lokale Riten. In Laos und Thailand spielt der Animismus eine große, wenn nicht sogar größere Rolle als die Lehren Buddhas. Geister machen den Leuten hier so viel Angst, dass Miningcompanies einen Ghostbuster einstellen müssen, wenn unter Tage gearbeitet wird.

Vor allem aber haben Tempel und die Religion die Funktion des Animismus übernommen, zu beschütze und Glück (und Wohlstand) zu bringen. Laotische Familien schicken, wenn das Geld knapp wird, gerne mal den Sohn in den Tempel, um ein paar Karmapunkte zu sammeln (oder wenn sie Mist gebaut haben, zum Beispiel jemanden mit dem Auto überfahren). Dabei geht es nicht ums Büßen und die Einsicht, sondern um Ablass.

Wer glaubt dass buddhistische Mönche den ganzen Tag meditieren, liegt auch falsch. Sie lehren und lernen, sie benutzen Computer und Mobiltelefone und bisweilen schauen sie auch einem Mädchen nach, dass am Tempel vorbeiläuft. Viele sind ohnehin nur im Kloster, weil die Familie eine Ausbildung nicht bezahlen konnte (bisweilen auch im Gefängnis zu vermeiden).

Dabei ist das Status der religion in asien nicht soviel anders als in Deutschland. Auch hier geht man, vor allem in den Städten, nur noch zu bedeutenden Festen in den Tempel (analog Ostern und Weihnachten). Auch hier betet man für sich und die Familie und dass Gott sie beschützen möge. Ein Zeichen des Wandels sind die Opfergaben. Eigentlich dienten sie einst als Essen-Spende für die Mönche. Die durften nicht selbst kochen, und waren auf die Unterstützung des Dorfes angewiesen. Also kochten die Familien für sie. Wenn ich heute in meiner Straße sehen, was in den Opferschalen liegt, dann sehe ich Instantsuppen, Geld und Süßigkeiten. In Bangkok ist das shcon ein Problem geworden, weil die Mönche durch Mangelernährung krank werden.

Die Ahnenschreine und Altäre in und vor den Häusern sind übrigens auch Übrigbleibsel der animistischen Religion.

Sehr gute Einsichten über Religion in Thailand bekommt man beim www.bangkokpodcast.com

Weihnachten in Asien

Die Asiaten haben ein sehr lockeres Verhältnis zu Weihnachten. Für sie ist es vor allem ein Grund zu feiern. In Saigon zum Beispiel bricht am 25.12. regelmäßig der Verkehr zusammen, weil die halbe Stadt unterwegs ist und Fotos macht vor Weihnachtsschaufenstern und – bäumen. IN Vientiane haben wir 5 Tage lang ein großes Konzert in der Beer Lao Music Zone, wo auch der Countdown stattfindet (so wird Silvester genannt hier). Es gibt zwar auch Lao New Year, aber wenn man zwei mal feiern kann, ist das auch gut. Während in den USA Behörden kein Merry Christmas mehr wünschen dürfen, sondern Happy Holidays verwenden müssen, wird hier zu Lande wenig Aufhebens gemacht – der religiösen Hinterrund interessiert einfachen keinen. Hauptsache man hat einen Grund das Geschäft anzukurbeln (hiesige Boutiquen haben vor allem rote Kleidung im Schaufenster). So kommen Containerladungen von Weihnachtsmützen aus China nach ganz Asien – kaum ein Laden in dem die Bediensteten noch ohne auskommen. Und ja, auch in Südostasien hat Last Christmas Einzug gehalten.

Dinosaurier

IMG_4645 by thomaswanhoff
IMG_4645, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

Dieses Bild habe ich in Thailand gemacht, in der Nähe von Khon Kaen. Es ist ein Dinosaurierpark, der zu einem Museum gehört, was gleich in der Nähe ist. Beides is gleichmaßen unterhaltend wie interessant. Beides ist gerade mal 2 Stunden von der laotischen Grenze entfernt. Und doch zeigt sich darin, dass die Entfernung was die Entwicklung beider Länder angeht, viel größer ist. Der Nordwesten Thailand, das Isaan-Gebiet, hat den gleichen kulturellen Hintergrund wie Laos, man spricht sogar die gleiche Sprache. Auch geographisch gibt es keinen Unterschied, das Klima ist das gleiche, sogar der Boden.
Also kann es nur das politische Klima sein, was die Thailänder zu Geschäftsleuten macht und die Laoten zu Empfängern von Spenden. Denn auch wenn immer wieder Wirtschaftsdienste vom Boom sprechen, werden vor allem Infrastrukturmaßnahmen in Laos nur dann durchgeführt, wenn ein Geberland das finanziert. Das Geberland bekommt dann entweder auch den Auftrag die Strasse zu bauen (womit das Geld wieder zurückfließt) oder aber bekommt Landkozessionen, Minenrechte oder ähnliches.
Tatsächlich ist es extrem schwierig in Laos Geschäfte zu machen, die Korruption und fehlende Gesetze und Durchführungsverordnungen machen eine ordentliche Planung fast unmöglich.
auch in Thailand gibt es Korruption, aber eben auch ein Klima in dem Geschäfte einfacher gemacht werden können. Und auch eine bessere Ausbildung, das nur am Rande.
Während die Thais also die Dinosaurier ausstellen und damit Geld machen und das eigene Volk bilden, versuchen die Laoten eher solche zu bleiben.

Modernes Management: Produkt oder Zahlen

Ich stoße immer wieder auf Manager, die gelernt haben (und das als richtig verteidigen), dass man eine Firma leiten kann, ohne wirklich eine Ahnung von dem haben zu müssen, was die Firma tatsächlich macht. Oder wie ein Geschäftsführer es formulierte: Man sollte sich von den Operations fernhalten.
In der Tat kann es störend sein, wenn man sich um zu viel Kleikram kümmern muss. Aber ist das Produkt nicht letztlich das, was das Geld bringt.
Ich kenne den Fall eines Managing Direktors, der glaubt, Restaurants und Hotels vom Schreibtisch führen zu können. Entsprechend drunter und drüber geht es in seinem Laden. Vor allem Marketingsaktionen führen zu nichts, weil weder ein Wissen über die Zusammensetzung der Kunden vorhanden ist, noch umfangreiche Mittbewerberanalyse. Und: Das Produkt wird gerade zu Tode gespart, etwas was im Hotel und Restaurantbereich schnell gefährlich werden kann.
Beispiele wie Daimler und Apple zeigen, wie vorteilhaft es sein kann, wenn ein Unternehmer weiss was er macht. Der deutsche Mittelstand ist nicht aufgebaut worden von Betriebswirten, sondern vor allem von Ingenieuren, die vielleicht nicht immer die besten Betriebswirte sind und da Hilfe brauchen. Aber sie können die Produkte verbessern und vor allem sind sie mit Herzblut dabei.
Die Bankenkrise zeigt, was passiert, wenn man Textbook-Manager auf neue Posten setzt. Sie haben gar keinen Anreiz, die Situation zu verbessern, weil sie schon beim Unterschreiben des Vertrages ausgesorgt haben.
Braucht es also wieder Manager, die sehr wohl einen Blick auf die Operations haben, also wie sich das Produkt entwickelt, wie es produziert wird und wie es sich wo an wen verkauft, oder reichen Excel Tabellen mit den nackten Zahlen aus?

Haus bauen, Kind kriegen, Baum pflanzen

Irgendwie war das mal die Dreifaltigkeit des modernen Menschen – des Homo Sapiens, der sich seiner Aufgabe in der Fortpflanzung und als Homo sociales bewusst ist. aber wie schaut es damit aus heute?

Kind kriegen ist noch recht verbreitet, aber die Zahl der Kinder nimmt ab – was eigentlich ein gutes Zeichen ist, wie der von mir hoch verehrte Hans Rosling bei TED dargestellt hat. Nun wird es aber wohl noch eine Weile dauern bis die Deutschen aussterben, und schliesslich kann man das ja auch durch Einwanderung regeln. Ja, Kinder sind wichtig für die Gesellschaft, aber muss das jeder? (Ich selbst habe keine und werde keine haben, das ist aber eine sehr persönliche Entscheidung)

Ein Haus bauen ist eine echte Herausforderung dieser Tage. Wirtschaftlich macht es eigentlich keinen Sinn mehr wenn man nicht genügend Eigenkapital hat. Man rackert sich ab um die Zinsen zu bezahlen und kann doch gar nicht sagen, ob man wirklich 30 Jahre lang in der Lage ist das zu tun. Hier in Asien bekomm man ein lokales Haus noch für 10.000 – 20.000 Dollar gebaut (das ist aber nichts großartiges), aber in Europa sieht es da ganz anders aus. Gesamtkosten für ein Einfamilienhaus in Höhe von EUR 233.600,– habe ich auf die schnelle gefunden – nach oben offen. Kaum einer kann sich das heute noch leisten, vor allem weil wir eben nicht wissen was in 10 Jahren sein wird: Hält die Familie, bleibt der Job, gibt es Umweltfaktoren oder anderes die einen Umzug notwendig machen?

Bleibt der Baum. Eigentlich das einfachste. Eine Baum pflanzen kann jeder, aber hat das auch schon jeder? Ich habe zumindest meinen Tannenbäume wieder eingegraben, auch wenn das nicht wirklich einen neuen Baum bedeutet. Und eine Kastanie haben wir mal vor dem Haus in dem wir lebten gepflanzt. Ich denke Bäume pflanzen ist der einfachste und dennoch ein wichtiger Part in diesem Dreierpack. Und mit Pflanzen ist gemeint das man sich die Hände schmutzig macht, nicht etwa einen Kasten Bier kaufen weil die den Regenwald schützen.