Wieder Demonstrationen in Thailand

Ich habe mal bewusst diese Überschrift gewählt weil ich ja möchte, dass der Artikel Interesse weckt. Es wird wieder demonstriert in Thailand, vor allem in Bangkok. Demos sind an sich nichts Besonderes hier, irgendwer hat immer was auszusetzen. Doch die kommenden Tage werden wohl etwas anders werden: es geht um das Amnestie-Gesetz. Damit sollen eine große Zahl möglicher Straftäter straffrei werden, die in den Tumulten seit 2004 beteiligt waren. Das betrifft die so genannten Red-Shirts die Kaufhäuser angezündet haben und der jetzigen Regierung nahe stehen, aber auch die Yellow-Shirts, die der Oppositon angehören und sowohl den Flughafen besetzt haben als auch die Redshirt-Proteste brutal niedergeschlagen haben. Man könnte meinen, alle kommen dabei gut weg, wenn nicht ein Teil des Gesetzes sich mit dem früheren Premierminister Thaksin beschäftigen würde. Der ist wegen Korruption und dubiose Landgeschäfte verurteilt worden und sitzt im selbstgewählten Exil in Dubai. Kritiker sagen, das Gesetz habe vor allem das Ziel, Thaksin die Rückkehr nach Thailand zu ermögliche und ihm das Geld zurückzugeben, dass die Gerichte beschlagnahmt haben. Hilfreich ist dass die jetzige Premierministerin Yingluck die Schwester Thaksins ist.

Wie sind die kommenden Proteste einzuordnen? In Thailand ist was die Politik angeht nur eines sicher: Man weiß nie was noch kommt. Sicher ist dass das Land tief gespalten ist. Die regierende Pad Theu Partei setzt vor allem auf die Bauern der ländlichen Regionen und stimmt sie mit großzügigen Geschenken milde – unter anderem Festpreise für Reis und Steuererleichterungen für Autos und Landkauf. Die Opposition hat ihre Wähler vor allem in der Mittelschicht der Städte.

Was man wissen muss, ist dass Thailands Politik der verlängerte Arm der Wirtschaft ist. Die meisten Politiker gehören den wenigen einflussreichen Familien an, denen die meisten und größten Firmen in Thailand gehören. Das ist übrigens auch das Rezept, warum Thailand trotz aller Widrigkeiten wie Coups, Tsunami und Proteste schnell wieder hochkam: Die Politik hatte ein Interesse die Geschäfte wieder in Gang zu bringen.

Noch ist die Basis auf der die Regierung steht, breit genug. Die Proteste der Opposition dürften die Reihen der Redshirts wieder schließen und Einigkeit herstellen, um gemeinsam den Gegner zu bekämpfen. Die Opposition hingegen hat es noch nicht geschafft, genügend Leute auf die Straße zu bringen. Zwar lehnen die meisten Thais ein Thaksin-Amnestie-Gesetz ab, das reicht aber noch nicht, um dafür auch zu demonstrieren.

Sorge machen könnte die übliche Strategie der Opposition, Druck auf die Regierung zu machen in dem man die Infrastruktur in Bangkok lahmlegt. Das ist schon mal gelungen mit der Blockade des Flughafens. Jetzt will man die Straßen der Innenstadt besetzen. Mal sehen, wie weit die Demonstranten gehen und ob die Geschäftsleute das lange mitmachen. Denn wenn das Geld ausgeht, um die Protester mit Lebensmitteln zu versorgen, dann sind die auch schnell wieder zu Hause.

Wie die Süddeutsche eine No-News Geschichte schreibt: Hitler-KFC in Thailand

Recherche in anderen Ländern ist schwierig für den deutschen Redakteur der Süddeutschen, deshalb ist er so froh das Internet zu haben. Und das brachte vor ein paar Tagen oder Wochen ein Hitler-Restaurant in Bangkok hervor. Zu schön um wahr zu sein, möchte man meinen. Ist es auch. Also, nicht wahr. Aber es ist nunmal im Internet, und Blogger schreiben darüber.

Und so liest man bei der Süddeutschen:

“Heil Hühnchen”: Ein thailändischer Gastronom klaut angeblich für sein Restaurant das Logo von Kentucky Fried Chicken und ersetzt KFC-Gründer Colonel Sanders ausgerechnet durch Adolf Hitler. KFC kündigt daraufhin rechtliche Schritte an. Aber ist das alles wirklich so geschehen?

Normalerweise würde ein Chefredakteur jetzt den Volo antreten lassen und ihm erklären, dass man in einer Zeitung den Leuten sagt was geschehen ist, und nicht was nicht oder vielleicht geschehen ist oder gar den Leser fragt ob es geschehen ist. Aber der Chef war wohl nicht da.

Also schreibt man auf, wie eine Geschichte keine wurde, nur weil – andere Journalisten – nachgefragt haben.

Aber muss KFC tatsächlich akut um sein Image bangen? Hat sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen? Je mehr sich die Medien der Sache annehmen, desto verworrener wird sie

Als Kronzeuge erscheint Andrew Spooner, ein Blogger, wie die Süddeutsche schreibt, obwohl sie sich auf seine Tweets beruft. Spooner ist ein Journalist, wenn auch von zweifelhaftem Ruf, in Bangkok und London. Allerdings hatte er tatsächlich nicht behauptet, das Restaurant sei in Bangkok. Für den Europäer ist alles was in Thailand passiert, in Bangkok. Deshalb schreibt die Süddeutsche auch, das Restaurant sei in einer “anderen Stadt in Thailand” (es ist Ubon Ratchathani und hat mal eben 200,000 Einwohner) gewesen.

Gewesen. Denn es gibt es gar nicht mehr. Wohl schon seit 2011 nicht mehr. Aber dann wäre ja die ganze Arbeit umsonst gewesen. Also beschreibt man – wohl ungewollt – das eigenen Scheitern.

Bangkok: Leben hinter Mauern

Unser Haus in Bangkok

Wir leben hier in Bangkok hinter Mauern. Auf Englisch sagt man Compound, auf Thai Muu Ban, und ich weiß gar nicht ob es ein deutsches Wort dafür gibt. Reihenhaussiedlung trifft es am besten, nur haben die meistens keinen eigenen Sicherheitsdienst und Fitness-Center. Wir schon. Wohnanlage klingt nach Senioren.

Der wesentlich Grund in einen Compound zu ziehen waren unsere Hunde. Wenn man in Bangkok wohnt, dann kann man eigentlich vergessen, mit seinen Hunden rauszugehen. Entweder man wohnt an einer Hauptverkehrsstraße, an der die Bürgersteige von Händlern vollgestellt sind, oder man wohnt in einer Nebenstraße, in der etwa 300000000 Straßenhunde wohnen. Für die meisten Hundebesitzer bleibt da nur großer Garten oder eben Compound.

Pool area

Der Vorteil hier ist, dass wir in aller Ruhe mit den Hunden (wir haben vier) spazieren gehen können, ohne das Autos vorbei rasen oder eben Straßenhunde uns das Leben schwer machen. Nicht dass das hier falsch verstanden wird: Wir haben nichts gegen Straßenhunde, drei von unseren Hunden sind solche. Nur sind die Soi dogs hier eben extrem territorial, und wir haben wenig Lust jeden Morgen irgendwelche Streitereien zu schlichten. In Laos war die Zahl der Hunde übersichtlich, und vor allem waren sie nicht alle auf einem Haufen.

Ein anderer Grund für den Compound ist die Ruhe. Wir wohnen in Samut Prakan, was technisch die Nachbarprovinz zu Bangkok ist. Dennoch ist das Leben hier noch quirlig genug, und wenn wir unseren Muu Ban verlassen, sind wir mitten im Stadtleben. Aber hier drinnen, hinter den Mauern, ist es ruhig. Das braucht man, wenn man in Bangkok wohnt. (Deshalb haben wir Phu My Hung in Saigon zu geliebt, da war das ähnlich).

Und schließlich ist da noch die Sicherheit. Ein Muu Ban hat ein großes Tor mit Sicherheitsdienst und Schranken. Wer hier rein will und hier nicht wohnt, muss seine ID abgeben. Er wird von der Security zum Haus geleitet. Im Compound verteilt sind vier weitere Sicherheitsposten. Die passen nicht nur auf, sondern rufen mir auch ein Taxi oder Mototaxi. (Einer kommt aus dem Isaan, Nordosten Thailands. Bei ihm kann ich mit meinen Lao-Kenntnissen protzen.)

Dass wir eine sehr schöne Poolanlage haben und in Fitnesscenter, dass hier alles sauber ist, weil die Anlage Heerscharen von Gärtnern beschäftigt, sind weitere Pluspunkte.

Park in our compound

Manche Expats mögen sagen, das sei nicht authentisch (wobei ich mich frage, ob sie das auch zu den überwiegend thailändischen Nachbarn hier sagen), oder es sei nicht mitten in der Stadt. Letzteres ist Absicht: Es ist billiger, ruhiger, und wir können mit der S-Bahn in 30 Minuten in Downtown Bangkok sein. Das haben wir von Königstein nach Frankfurt auch gebraucht.

Ach so, die Lage ist übrigens auch gut: Central Bangna, Paradise Park und Mega Bangna sind Shoppingsmalls in unmittelbarer Nähe, der Flughafen ist 30 Minuten entfernt, Krankenhäuser, Supermärkte, Tierärzte und Starbucks haben wir auch um uns herum. Wer braucht da schon Thong Lor?