Zeitung mit Zukunft – neue Newsseite

Der hier dankenswerterweise häufig kommentierende Hugo E. Martin hat bei Crispynews das Projekt “Zeitung mit Zukunft” ins Leben grufen. Es ist eine News Site, in der Nutzer Artikel einreichen und die Nutzer abstimmen, welche Beiträge in die vorderen Schlagzeilen kommen sollen.

es geht um News, Ideen und Lösungsansätze für erfolgreiches Zeitungsbusiness: in Print, Digital Offline, Online und Mobil

Es soll ein Testballon sein, ob es hier zu Lande überhaupt genügend Mitmacher für diesen speziellen Bereich gibt.

Das Konzept: Wer einen interessanten Artikel zu den Themenbereichen
Zeitung Print + ePaper
News Online Portale
News Mobil Dienste
Cross-Media Modell
Newsdesk + Redaktion
Nutzer – Content + Partizipation
Social Digital Tools (Blogs Wikis Bookmarks etc.)
Syndication
Markt- und Werbepartner
Anzeigen Sponsoring
Classified
Community
Vertrieb
Mehrwert-Dienste
WAN
IFRA
BDVZ
Lokalpresse

findet, möge ihn eintragen und kurz beschreiben. Bereits eingetragene Artikel können hochbewertet und kommentiert werden.

Das ganze gibt es auch in englischer Form

Readers Edition über Bürgerjournalismus

In der Readers Edition – dem Bürgerblog der Netzeitung – hat ein Autor namens Mediaocean zum Thema “User Generated Content” und Bürgerjournalismus geschrieben. Das ist zum einen deshlab interessant, weil sie die RE ja als sochen bezeichnet, zum andern aber, weil es diese wichtige Diskussion weiterführt, nämlich wie sehr der Bürger als Journalist tätig wird.

Es stellt sich nämlich immer noch die spannende Frage, wo der User im Geschäftsmodell Medien ansetzt. Wie ich hier schon geschrieben habe, wir die Rolle des Users aufs Kommentieren beschränkt bleiben, weil das erst dem Sinn gerecht wird, bestehende Artikel weiterzuführen und zu ergänzen, gerne auch zu diskutieren.

Zitat aus dem RE-Artikel:

Eines der Hauptprobleme von Leser-Content dürfte aus Sicht der Profis darin liegen, dass es sich dabei in den meisten Fällen um Meinungen und Kommentierungen handelt, meist nur aus einer Perspektive geschrieben…Dass die interaktive Öffnung des klassischen Journalismus in Richtung einer besseren Leserbeteiligung gerade für die regionalen Zeitungshäuser aber auch bei den Onlineangeboten anderer Medienhäuser eine entscheidende Rolle spielen wird (eigentlich schon längst sollte) ist meiner Meinung nach kaum von der Hand zu weisen.

Genau das ist es: Harte Facts liefern eben die Reporter und Agenturen schneller und besser als der gemeine User. (Im übrigen entbehrt obiges Zitat nicht einer gewissen Ironie…)

Und weiter:

Dass sich diese netzwerkartige Meinungspublizistik nicht in die etablierten Muster des Journalismus pressen lässt, liegt nahe, aber in der meinungsbetonten Diskussionkultur der Blogosphäre liegt genau das Potential, das für den professionellen Journalismus von Interesse sein müsste: Die Vielfalt der Meinungen gewährleistet eine höhere Optionalität bei der Wahl und Einordnung der eigenen Perspektive und Meinungsbildung, was dann eben auch eine Bereichungerung für die journalistische Berichterstattung darstellen sollte.

Eine der Erfolgsrezepte von (politischen) Medien ist, dass sie eine Meinungslinie verfolgen, dass der Leser weiß, in welchem Umfeld er sich bewegt. Die Vielfalt der Blogs könnte da eher kontraproduktiv sein – im übrigen kann ich da weniger eine Meinungsvielfalt sondern eher Einheit sehen – meist referenzieren sich A-Blogger selbst oder verlinken sich statt die Hauptquelle. Man möge einmal schauen, wie der Stern-Artikel zu den Kosten des Angie-Podcasts in der Blogsphere verlinkt wurde (“hab ich bei Johnny gelesen”..”Update: Das original war beim Stern” sagt doch schon alles).

Der Schluss, zu dem mediaocean kommt, gefällt mir, auch wenn es natürlich die Readers Edition selbst rechtfertigt:

Bürgerjournalismus, verstanden als Verbindung von professionellem Journalismus und vernetzter Meinungspublizistik, kann deswegen auch nur moderiert funktionieren.Das Ideal, dass Millionen von Menschen plötzlich nach journalistischen Qualitäts- und Relevanzkriterien schreiben, und so ein ideal-demokratischer öffentlicher Raum entsteht, ist unerreichbar.

Das hat dann aber nichts mehr mit User-Generated-Content zu tun, sondern ist eine moderne Form der Leserbriefe.

BDZV und das Internet

Man muss gar nicht alle möglichen Statistiken auswerten um zu sehen, wie sehr die Zeitungen in Deutschland das Internet ernst nehmen. Denn von einigen löblichen und innovativen Alleingängen abgesehen scheint Multimedia noch nicht wirklich angekommen zu sein. Da der Fisch bekanntlich vom Kopf stickt, lohnt ein Blick auf die Webseite des BDZV, des Bundesverbandes Deutscher Zeitngsverleger.

Die haben eine Menge interessanter Dinge zu erzählen, die man aber nur erfährt, wenn man auch brav auf die Webiseite kommt. RSS-Feed? Fehlanzeige. Aber man kann ein PDF aus einem Artikel machen. Schon die interne such nach RSS gibt überraschende Ergebnisse. “Kursseiten” etwa, oder “Volontärsseminar “.

Schaut man sich den Bereich “Wirtschaftliche Lage” an, so wird er einmal im Jahr aktualisiert. Und im Bereich “Multimedia” gab es das letzte Mal am 22. Juli 2005 etwas Neues zu berichten. Das mag ein Programierfehler sein, denn eine kleine Box rechts spuckt ser wohl aktuelle Meldungen aus, nur laufen die nicht in den artikelbereich ein.

Merke, lieber Zeitungsverleger: RSS ist eben nicht nur für Freaks, sondern auch fürs interne Monitoring gut. Wenn alle News- oder Contentbereiche einen Feed haben, lässt sich schneller überblicken, welche mal wieder neuen Content bräuchten. Das ist eben einfacher als die verschachtelte Navigation am linken Seitenrand.

Nochmal Readers Edition

Der von mir hochverehrte Robert Basic hat sich zum Thema “Readers Edition” und dem Tazbeitrag dazu geäußert. Dieses Stöckchen kann ich natürlich nicht liegen lassen.
Robert schreibt:

Letztlich ist es völlig egal, ob die TAZ der Meinung ist, dass Readers Edition schlechte Qualität abliefert. Das Volk entscheidet über Wohl und Wehe einer Zeitung, ob die Zeitung nun in Schönheit sterben oder in Geld schwimmen will, interessiert den Kunden nicht.

Das Volk will aber Qualität. Es will nicht, dass irgendwer Gerüchte schreibt, sondern will dem Medium vertrauen können. Das bedeutet aber, dass er für diese Qualität bezahlen muss – und will.

Die Blogger, die nun für die Netzeitung schreiben, kann man wohl eher zum Lager der Pro-Blogger Ambitionierten dazuzählen. Und ich nehme mal an, dass einige der RE-Schreiber nicht einmal Blogger sind. Diese Differenzierung geht mir etwas im Text unter, indem alle Blogger pauschaul in einen Topf geschmissen werden oder ich habe es falsch verstanden.

Warum nur nennt man die Nachwuchsredakteure der RE Blogger? Ich denke mal, hier wirds in der Begrifflichkeit doch unscharf. RE ist meinetwegen User Generated Content, aber kein Blog. Auch wenn es eine ähnliche Inhalte und Funktionen hat. Aber Blogs machen vor allem das Persönliche aus, nicht allein die Technik.

Ich würde glatt darauf wetten, dass Readers Edition schneller zum Erfolg wird, weil sie ein Modell verfolgt, dass viel näher am Zeitgeist der Netzbevölkerung liegt und die Faktoren, was Qualität ausmacht, ganz andere sind, als TAZ sie für sich definiert.

Zum einen nimmt die Netzbevölkerung (ich würde es eher einen Stamm nennen) vor allem zahlenmäßig falsch wahr (es gibt viel weinger als manche denken), zum anderen sollte man bedenken, dass kein Blog in diesem Land auch nur annährend so viele Leute erreicht wie schon eine regionale Tageszeitung (die auch noch pro Auslieferung mehr Informationen ausliefert. So schnell und übersichtlich wie eine Zeitungsseite ist kein Blog.) Ich will keineswegs sagen, dass Blogs nichts taugen und die Zeitung ohnehin siegen wird – aber man sollte bei aller Euphorie doch mal mit Menschen reden, die nicht den ganzen Tag im Internet surfen. Das erdet ein wenig.

TAZ ist da kein Player bis dato, sollte denen auch zu denken geben. RE wird aber ein Player sein. Vom Konzept her können die zwar Einiges falsch machen, aber die Chancen, es richtig zu machen, sind höher. Es passt einfach zur heutigen Zeit mE.

Die Taz ist ein Player, ein Meinungsplayer. Das wiederum hängt mit den Inhalten zusammen.

Ich persönlich lese kaum noch irgendwelche Online-Newsportale bekannter Printanbieter. Denn irgendwie kopieren sie alle die Texte voneinander, schmeissen es in ihre eigenen Qualitäsbratpfannen, wärmen es etwas auf und schon sind die Inhalte auf dem Tisch.

Das rührt natürlich an einem Problem, nämlich dem der Agenturhörigkeit. In der Tat passiert in der Zeitung nur, was in der Agentur geschieht. Alles andere findet selten statt. Daran könnten die Zeitungen tatsächlich zugrunde gehen. Wären wir schon wieder bei der Qualität. ABER: Die Blogs (und vor allem die Pro- oder A-Blogger) sind da nicht anders. Sie treiben auch allzugerne die immergleiche Sau durchs Dorf. Technorati listet doch eigentlich nichts anderes auf. Das nennt sich dann “via” und ist cool.

Im Augenblick gibt es wegen der Aufmerksamkeit der klassischen Medien – und nur deswegen – eine gewisse Euphorie, die ich aber für gefährlich halte. In Sachen Podcasting sieht man schon, dass es sich in Richtung Breite entwickelt, aber nicht wirklich weiter. Blogs unterstelle ich das auch schon. Es gibt nicht wirklich viele Blogs, die auch mal nachrichtliche Berichterstattung machen wie eben klassische Medien. Es gibt noch kein bundesweites Korrespondentennetz, wie es dpa hat. RE will vielleicht sogar so etwas aufbauen – nur sind das dann auch wieder Lieferanten für ein “klassisches” Medium. Soll heißen: Zeitung heißt nicht Papier, sondern Informationsvermittlung. Das können die auch wirklich gut, und das müssen Blogger inhaltlich und in der Menge und vor allem auch unternehmerisch beweisen. Vielleicht braucht es einige, die den Mut haben, einen Blogverlag aufzumachen, der sich weniger mit Kultur als harten Nachrichten beschäftigt, der wirklich Journalismus und Web 2.0 zusammenführt. Darin sehe ich die eigentliche Chance für Blogs, Podcasts und Co: Eigene Medienunternehmen zu gründen und den Etablierten die Stirn zu bieten. Burda und den Norwegern hinterherzurennen und alles schön zu reden sehe ich als falschen Weg.

Focus live – Lizenzkonflikte?

Ich habe mir heute mal Focus live angeschaut. Schade, dass sie immer noch in der MSN-Welt gefangen sind, das ist halt nicht gut fürs Image. Mir ist noch nicht ganz klar, was da beabsichtigt wird. Zum einen ist die Rede von klassischem User Generated Content, dann aber wieder heißt es “die besten veröffentlichen wir auf unserer Homepage”. Interessant ist ein Blick in die Nutzungsbedingungen

Im Bereich von Focus steht dieses:

Sämtliche Bildrechte liegen auch nach dem Hochladen beim Urheber. Sie räumen der TOMORROW FOCUS AG eingeschränkte Rechte zur Publizierung ein, die Sie in den Allgemeinen Geschäftsbestimmungen nachlesen können.
Um Ihre Fotos selbst zu schützen, können Sie digitale Wasserzeichen in das Foto einbetten. Dafür benötigen Sie eines der gängigen Fotobearbeitungsprogramme, wie z.B. Photoshop, Corel Paint, GIMP oder Paint Shop. Digitale Wasserzeichen sind in der Regel im Bild unsichtbar.

Allerdings ist die Seite ja im MSN-Frame gefangen. Und dort liest sich folgendes (kursiv von mir gestellt):

6.1 Microsoft erhebt keinen Anspruch auf das Eigentum an den Materialien, die Sie Microsoft bereitstellen (einschließlich Rückmeldungen und Vorschläge) oder auf MSN-Websites zur Einsicht durch die allgemeine Öffentlichkeit oder durch Mitglieder öffentlicher oder privater Community-Gruppen posten, uploaden, eingeben oder übermitteln (im Folgenden jeweils als “Beitrag” oder insgesamt als “Beiträge” bezeichnet). Duch Posten, Uploaden, Eingeben, Bereitstellen oder Einrichten (“Posten”) Ihrer Beiträge gewähren Sie jedoch die öffentliche Genehmigung zur Nutzung Ihres Beitrags: einschließlich der Lizenzierungsrechte zum: Kopieren, Verteilen, Übertragen, öffentlichen Ausstellen, öffentlichen Aufführen, Reproduzieren, Bearbeiten, Übersetzen und Umformatieren Ihres Beitrags; Veröffentlichen Ihres Namens in Verbindung mit Ihrem Beitrag; und das Recht zur Unterlizenzierung der genannten Rechte. Dieser Abschnitt gilt nur für rechtmäßige Inhalte und insoweit wie die Nutzung und Veröffentlichung solcher rechtmäßigen Inhalte nicht gegen geltendes Recht verstößt.

Genau das wird der interessante Teil werden bei Readers Edition und Co: Wenn es um Kohle geht. Nichts gegen die Einbindung der Leser, aber kein Unternehmen kann solche Angebote nur aus Spaß machen. Die Frage, warum ein Leser mir kostenlos Content zur Verfügung stellen soll,mit dem ich dann Geld verdiene, ist mir noch nicht hinreichend beantwortet.

Ach ja, was soll mir diese Meldung sagen: “IMG_1193.JPG: Dieses Bildformat wird leider nicht unterstützt.”?

Zusammenfassung: Tagcloud und schneller Upload gefallen mir. 100 MB Speicherplatz dürften bei Videos schnell weg sein, und dann?

Interessant wird sein, wie und ob die Bilder in den Focus Content eingebunden werden.

Ach ja: Das “Alpha” finde ich bei Angeboten wie Focus daneben. Das ist ein hochprofessionelles Unternehmen, dass solche Albernheiten lassen sollte.

Kijiji kommt (und wer geht?)

Ich finde ja, das man es bisweilen bei der Suche nach hippen Namen übertreibt, aber die Macher von Kijiji werden wohl gemeint haben, Suaheli sei toll. Kijiji ist eine Onlinekleinanzeigenseite, yet another, möchte man meinen, aber mancher Medienmensch schaut ganz aufgeregt, was da so passiert. Denn gerade mit Googlebase kommt und dem immer wieder gern benutzten Diensten Qype und Craigslist wird natürlich eifrig diskutiert, was denn für Print noch übrig bleibt.

Matthias Kretschmer glaubt Google Base noch im Wartemodus zu sehen, auch, weil es in USA eher daherdümpelt als wirklich rockt. Abe Google schon immer Angebote frühzeitig ins Netz gestellt, bis sie dann wirklich abgegangen sind (ich erinnere mich noch als ich hier in der Redaktion darauf hinwies, dass Fireball Konkurrenz bekommt…)

Hugo E. Martin, unser aller Verlagsguru, glaubt, dass auch die wachsenden Internet-Umsätze der Verlage nicht ausreichen werden.

Die prognostizierte Steigerung bei Umsätzen aus dem Internet und im Mobilbereich dürfte im Schnitt wohl nicht ausreichen, um die Veränderungen in der Mediennutzung und Medienbudget der Kunden ‚Leser / Nutzer’ und ‚werbetreibende Wirtschaft’ auszugleichen. Trotzdem bin ich zuversichtlich: Wenn Verlage und Kunden erst einmal zutrauen zu anderen Plattformen und (dann auch wieder) zueinander gefunden haben, dann werden Mediendienstleister auch ‚ihren Anteil’ am steigenen Medienbudget der Kundschaft verdienen und kassieren können.

Schlimmer als die Frage, wann Base durchstartet, dürfte sein, dass das Thema an vielen Redaktionen und Anzeigenabteilungen eher vorbei geht. In meinen Gesprächen habeich oft den Eindruck, dass eine gewisse Lethargie herrscht, getreu dem Motto “Wir werden untergehen, aber bis dahin lassen wir uns die Simmung nicht vermiesen.”

Dabei wären die Verkage hervorragend aufgestellt, weil sie den Content haben, ohne den nichts geht im Internet. Nur entwickeln sie zu komplizierte Konzepte, statt einfach Märkte zu besetzen. Wer ein Jahr lang braucht, um Kooperationen aufzubauen, dann noch ein Jahr, um das Payment festzulegen und dann noch sechs Monate für die Webseite, ist raus aus dem Geschäft. Das mag nicht für die großen Verlage gelten, für die kleineren aber auf jeden Fall. Und die lebten nicht schlecht vom Kleinanzeigengeschäft.

Im übrigen dürfte diese Entwicklung auch die Anzeigenblätter gefährden, die im Schatten der Großen sich prächtig entwickelt haben und ordentliche Profite einfuhren.

Zeitungen und Internet

Hab ichs nicht schon immer gesagt?

Meldung von heute:

Angebote für Internet und mobile Dienste werden für Zeitschriften- und Zeitungsverlage einer neuen Studie zufolge immer wichtiger. Der Anteil digitaler Dienste am Gesamtumsatz werde sich in in drei Jahren von jetzt 12 auf 25 Prozent mehr als verdoppeln, heißt es in einer Studie des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Zeitungen auf dem Weg ins Internet

Weil es mich ja gleich aus zwei Gründen bewegt, möchte ich hier auf ein Blog hinweisen, dass ich über Heiko gefunden habe: Zeitungen auf dem Weg in die Online-Welt: Kommentare und Kurzanalysen
Interessant dabei ist – neben anderen – der Beitrag über Zeitungen und Foren.

Internet-Foren sind mittlerweile ein fester Bestandteil der meisten Nachrichten-Sites. Oberstes Ziel der Foren ist in vielen Fällen ein wesentlicher Beitrag zur Leserbindung.
Wird dieses Ziel erreicht?
Schaut man auf die Aktivität solcher Foren, so muss dieses in vielen Fällen bezweifelt werden. Auf vielen der Foren hat ein wesentlicher Teil der registrierten Nutzer nie auch nur einen Beitrag verfasst (bis zu 62% in meiner Analyse). Und auch die sonstigen Nutzer sind nicht viel aktiver.

Recht hat Matthias Kretschmer. Allerdings besteht die Gefahr, registrierte User mit Lesenden zu verwechseln. Denn von der Zahl der Leserbriefschreiber kann man bei uns auch nicht auf die Auflage schließen.

Vielmehr sollten Foren verstärkt in die redaktionellen Beiträge eingebunden werden.

Und genau daran scheitern viele Printredaktionen. Leider werden Onliner immer noch mehr als technische Redaktion wahrgenommen denn als inhaltliche. Und ich selbst habe oft genug die Frage gehört “Was hat Print davon?” Es geht also gar nicht um den Leser. Leider vergessen Chefredakteure oft, dass sie nicht Papier verkaufen, sondern Informationen. Und Print hat nun mal einen Zeitpunkt, an dem die Informationsflut zu Ende ist – den Redaktionsschluss. Was gut ist, weil Print sich dadurch auch auf seine analysierende Aufgabe konzentrieren kann, während die Onliner – bisweilen auch leider – weiter den Nachrichtenstrom copy und pasten.

Nehmen wir an, die meisten Onlineleser kommen tagsüber währen der Arbeit auf unsere Seite: Wenn Sie aktuelle Nachrichten bei uns lesen, und dann noch morgens in der Zeitung erfahren haben, dass Sie bei uns übe den Einbürgerungstest diskutieren können – wunderbar. Nur muss das auch die Printredaktion gut finden und entsprechend unterstützen, also auch am Tag drauf erste Beiträge abdrucken.

Das Argument, die Leser seien zu alt fürs Internet lasse ich nicht gelten – das mag auf einige zutreffen, aber die bekommen ja dann am nächsten Tag auch wieder was aus dem Internet zu lesen.

Berlin

Es gibt Printleute, die langsam ein Verständnis von neuen Medien bekommen. Die Glocke, habe ich heute gelernt, ist das zum Beispiel offener und moderner als man bei dem Namen glauben mag.

Gelernt habe ich auch, dass Print noch nicht weiß, ob es mit Weblog und Co. überhaupt was reissen kann. Wahrscheinlich ist es notwendig, einen neuen Onlinekanal zu definieren, nicht als verlängerter Printarm, sondern als ganz eigenständiges Produkt. Gleiche Marke, andere Zielgruppe.

Und Radioleute haben heute auch von mir gelernt: Das Podcasting und Radio erst mal nicht übereinanderpassen, weil so ein Podcaster sich partout nichts ins Radioformat pressen lässt.

Jetzt stellt sich die Frage, ob es nicht doch funktioneren kann: mit festgelegten Sendelängen, immer gleich und jede Woche ausgeliefert. Sollen Podcasts wirklich ins Radio?

Warum Print eine Chance hat: Das tägliche Info-Event

Eigentlich, so zeigen es die Marktdaten, geht die Schere immer weiter auf. Die Printauflagen sinken und sinken und gleichzeitig holen sich immer mehr Menschen ihre Informationen kostenlos aus dem Internet. Manche Zeitung reagiert mit E-Paper und verbrennt dort noch mehr Geld. Ursachenforschung wäre mal angebacht, statt sich die Lage schönzureden.

Dann nämlich würde man zum Beispiel sehen, warum E-Paper nichts bringt: Weil es sperrig ist, weil es eine Verschlecherung gegenüber der “mobilen” Zeitung darstellt. Und weil es meist genauso teuer ist wie die gedruckte Ausgabe.

Aber die Gründe liegen noch tiefer: Zeitungen versuchen immer günstiger zu produzieren, die Agenturhörigkeit ist der Agenturhoheit gewichen. Immer weniger Journalisten schreiben immer weniger eigene Geschichten. Der gemeine Leser bekommt in jeder Zeitung das Gleiche vorgesetzt – das Lokale mal ausgenommen.

Information früher war: Die Tagesschau gibt um 20 Uhr einen Überblick übers wichtige Geschehen, den Rest erledigt die Zeitung am nächsten Tag. Informationsarbeit geschah demnach um 20 Uhr abends und irgendwo zwischen 6 und 9 Uhr morgens.

Information heute ist: Im Bad hören wir die aktuellen Nachrichten im Radio, manchmal sehen wir auch schon Frühstücksfernsehen. In der Bahn lesen wir die Zeitung – oft schon die, die wir auch für unseren Job als Informationsquelle bauchn, also Special interest. Manche hören bereits Podcasts oder schauen sich einen Videofilm an. Im Büro haben wir Internetanschluss und versorgen uns tagsüber mit SpOn und anderen. Themen, die uns besonders interessieren, haben wir als Googlealert oder RSS-Feed – oder der Kollegen schickt mir einen Link. Am Abend analysieren wir gemeinsam mit Sabine Christiansen und anderen die politische Lage.

Sag mir bitte einer, wofür ich das klassische erste Buch einer Tageszeitung mit Agenturberichten vom Vortag brauche?

New Yorker-Schreiber Ken Auletta, der neulich im Interview mit Eric Schwartzman von ontherecord.com zur Zukunft befragt wurde, sagte einen wahren Satz: Noch immer haben die Printleute es nicht geschafft, ein Businessmodell für ihre Internetaktivitäten zu finden.

Die Zukunft von Print liegt in Print – aber auch im Internet.

Ein paar Thesen:
Print sollte wesentlich mehr eigenen Content liefern
Print sollte weniger Agenturen verwenden
Print braucht mehr und bessere Bilder
Print muss lokaler sein
Viele kleine Leserzielgruppen machen am Ende eine große Leserschaft
Print muss versuchen, die Informationshoheit wiederzuerlangen – und zwar gegen Geld

Hauptthese: Infos gibt es im Internet nur noch gegen Kohle: Dafür aber muss man endlich auf der gesamten Klaviatur des Internets spielen. Wer ein E-Abo hat, bekommt nicht eine PDF-Zip-Datei als E-Paper, sondern eine elektronische Zeitung. Er wählt zwischen Kurznachrichten fürs mobile Device, einer Langtextfassung, einer interaktiven Fassung mit Anbindung an Weblog und Mediendatenbank. Reporter der Tageszeitung bringen von ihren Terminen Fotogalerien mit, Audiomitschnitte undVideos. Videos können auf der Webseite angeschaut werden und gegen Geld werden sie auch zweitverwertet und als Download angeboten. Dafür ist die Verwendung von >Zeitungs-Texten auf eigenen Homepages und Blogs frei – solange Autor und Quelle angegeben werden. Der Kommentar weicht dem Blog, das der Chefredakteur und die Redaktionsleiter verfassen – und so auch ins Print wandert.

Konsumenten sind nicht dumm. Sie wollen sich mehr denn je mit Produkten und Produktwelten identifizieren. Die Zeitung war dereinst deshalb erfolgreich, weil sie a) Informationshoheit hatte und b) eine hohe Glaubwürdigkeit. a) ist so gut wie weg und b) schwindet auch, weil ja andere auch Informationen liefern, die richtig sind – und umsonst.

Also muss Print versuchen, endlich wieder den Leser zu entdecken, ihn ernst zu nehmen, Stellung zu nehmen und mit dem Leser in Diskurs zu kommen, ihn einzubinden in die Informationsverarbeitung. Wenn man so will muss die Tageszeitung eine Art “Informations-Event” werden, ein Handelsplatz für Informationen, auf dem die Informationen ausgetauscht, aufgewertet und weitergegeben werden – und zwar jeweils dem Medium entsprechend. Wahlergebnisse gibt es in Echtzeit im Internet, Kurzmeldungen per SMS und E-Mail, erste Analysen schon um Mitternacht. In der Zeitung dann die spannenden Interviews, hartnäckig nachgefragt statt “Glückwunsch zum Wahlsieg Herr Minister”. Fotos, die nicht nur die strahlenden Sieger als Chronistenpflicht zeigen, sondern Bilderserien vom Wahlabend, die dem Begriff Fotojournalismus gerecht werden.

Dann hat Print auch eine Zukunft.