Angst vor Google – Verschwörung bei ZEIT ONLINE – Gedanken zu einer Debatte

Und wieder hat wer zugeschlagen, diesmal Susanne Gaschke von der Zeit. Google muss demokratisiert werden, fordert sie.
Schauen wir uns mal ihren Artikel bei Zeit Online an:

Nun kommt das internetfähige Google-Handy Nexus One auf den Markt. Wie mit nahezu jedem modernen Handy kann man auch mit diesem Fotos machen – nur hat das Nexus ein Programm, das diese Fotos per Internet gleich zu identifizieren vermag.

Das geht auch schon mit anderen Android Handys. Apples iphoto zum Beispiel erkennt Gesichter, und die Software der Polizeibehörden ebenfalls. Mitnichten ist das ein Googleproblem. Mal abgesehen davon, dass es eine Rechtslage gibt, die es schlicht verbietet (zumindest in Deutschland), unerlaubt Bilder zu veröffentlichen. Statt aber Recht durchzusetzen (der Böse ist immer noch der der das Foto veröffentlicht) wird einfach mal der Überbringer der schlechten Nachricht verantwortlich gemacht.

Und was alles die Autorin auf uns zukommen sieht:

Es geht um Monopolansprüche auf die Ressourcen der Wissensgesellschaft. Es geht um Überwachung – durch Privatunternehmen und Mitbürger. Es geht um personalisierte Werbung, die den Kunden umzingelt.

Naja, Wikipedia hat diesen Monopolanspruch auch irgendwie, wenn es um Wissen geht. Und der Begriff der Überwachung ist mal wieder so eine Unterstellung, wie sie Journalisten eigentlich unterlassen sollten. Tatsächlich ist es der Staat der überwacht, und zwar nicht zu knapp. Und personalisierte Werbung, die den Kunden umzingelt??? Mich stört ehrlich der Werbemüll im Briefkasten mehr. Mal abgesehen davon das Werbung dezenter als bei Google kaum geht. Aber aus irgendeinem Grund ist Werbung ja jetzt auch böse. (Gerade von Printjournalisten ist das geradezu lächerlich, als ob die Zeit keine Werbung hätte. Und natürlich ist die auch personalisiert, wenn auch gröber).

Leider muss man bei Journalisten wie Frau Gaschke immer ein paar Absätze lesen, bis man sieht, dass manches vom Anfang relativiert wird. So räumt sie ein, dass man mit der Bilderkennung auch Bauwerke erkennen kann und so Informationen zum Beispiel zum Kölner Dom bekommt. Und das Google die Gesichtserkennung noch gar nicht freigeschaltet hat, eben WEIL es Bedenken gibt.

Weiteres Beispiel Street View, eine der verlogensten Debatten die ich je gehört habe. Mal abgesehen davon dass ich kein Recht am Bild einer Gemeinde oder gar eines Hauses erkennen kann: Solche Ideen gab es schon Jahre zuvor (ich selbst habe vor Jahren schon unter Cityimages.de alle Straßen meines Heimatortes fotografiert, mit GPS-Daten versehen und in eine Datenbank eingegeben, um diese Daten dann für Touristen mit Infos zu Sehenswürdigkeiten zu verknüpfen). Google halt lediglich den Vorteil, die Ressourcen zu haben und das Geld, um Autos mit Kameras durch die Welt zu schicken.

Bevor Google jemanden fotografieren lässt, muss die Firma den Betroffenen um Erlaubnis bitten.

Und so was von Journalisten: Liebe Frau Gaschke, einfach mal zurück ins Seminar für Journalisten gehen und ein bisserl Rechtslage lernen: Erstens muss man nicht um Erlaubnis fragen, ob man jemanden fotografieren darf (zumindest rechtlich nicht, gleichwohl gehört es zum guten Ton), sondern ob man es veröffentlichen darf, zum anderen aber, und das werden Ihnen die Kollegen Fotografen sicher auch sagen können, geht es um bildbestimmend. Sonst würden Sie niemals eine Fußgängerzone fotografieren dürfen. Schauen Sie mal in die Zeit und geben Sie mit bei jedem Foto bitte die schriftliche Bestätigung, dass diese Menschen mit einer Veröffentlichung einverstanden waren. Die hier zum Beispiel. Oder die hier am Strand.Oder die hier
Google macht – im Gegensatz zur Zeit – alle Gesichter unkenntlich. Die ZEIT nicht. Im übrigen finde ich die manuelle Facebook-Version des Bildertaggens viel unerträglicher.

Spätestens bei folgendem Absatz frage ich mich aber welche Kompetenz Frau Gaschke eigentlich hat:

Der Vorstandsvorsitzende Schmidt hat darauf eine einfache Antwort: »Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht gar nicht erst tun.«..Das aber ist totalitäres Denken. Eine demokratische Gesellschaft muss sich politisch dagegen wehren. Mit Gesetzen. Mit Demonstrationen oder Flashmobs vor Googles geheimen Serverzentren.

Natürlich ist das was Schmidt sagt Unsinn. Man kann alles tun, aber man sollte es vielleicht nicht veröffentlichen. Google selbst veröffentlicht nichts, Google listet nur was schon öffentlich IST!!

Es ist nicht Google, das überwacht. Erstens gibt man selbst das meiste von sich preis. Ich weiss, dass Susanne Gaschke eine Journalisten ist, 1967 geboren, sich für Kinder einsetzt, mit dem SPD-Politiker Hans-Peter Bartels verheiratet ist und sogar einen Wikipedia-Eintrag hat. Diese Informationen habe ich von ihrem Arbeitgeber ZEIT und eben aus der Wikipedia. Google hat sie nur gelistet.
Frau Gaschke gehört zu den Journalisten, die trotz akademischem Hintergrund das Internet nicht verstanden haben. Es ist so wie wenn man unliebsame Bücher aus der Bibliothek entfernen will und dafür die Karteikästen entfernt, die Bücher aber belässt. Frau Gaschke, glauben Sie denn das Bing und Yahoo nicht an ähnlichen Techniken arbeiten bzw. diese schon haben?

Ich finde es beeindruckend, dass jemand nach Demokratie ruft, um ein Unternehmen zu bekämpfen. Freies Unternehmertum ist einer der Grundpfeiler der Demokratie, und Firmen müssen sich an bestehende Gesetze halten. Und falls nicht, wird das von Gerichten geklärt und nicht von Politikern. Eine Lex Google allerdings wäre die eigentliche Bedrohung der Demokratie. Wie auch Journalisten, die Artikel zu Themen schreiben, zu denen sie auch ein Buch geschrieben haben, und man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass der Artikel vielleicht nur eine PR-Maßnahme ist.

Susanne Gaschke ist Redakteurin der Zeit und Autorin des Buches “Klick: Strategien gegen die digitale Verdummung”.

DAS nenne ich von Werbung umzingelt sein.

Google macht öffentlich, was es sammelt. Der Staat macht das nicht, Es gibt keine Kontrolle. Politiker nicken Gesetze ab, die Deutschland zu einem der restriktivsten Länder machen, kaum woanders gibt es solche technischen Überwachungsmöglichkeiten seitens des Staates, ohne politische Kontrolle. Wo war die Demokratie bei Zensursula? Es bedurfte der FDP, nicht der SPD, um diese Frau wieder zurückzupfeifen. Demos sind vor dem BKA angebracht, und vor der SPD-Parteizentrale, aber bitte nicht vor Googles geheimen Serverzentren (ein geradezu kindischer Ausdruck im übrigen).

Das Leben mit der Zensur in Vietnam

Ich habe drüben bei KoopTech einen Beitrag geschrieben, der es immerhin ins 6vor9 bei Bildblog und zu Netzpolitik.org geschafft hat.

Wie lebt es sich in einem Land mit Zensur? Ein Bericht aus Vietnam.

Ich lebe jetzt seit eineinhalb Jahren in Vietnam. Als ich hierher kam, wusste ich, welche Beschränkungen es für Journalisten gab. Ich wusste nicht, wie wenig man das merkt. Und genau das ist das Problem.

Es gibt Zeitungen, Fernsehsender, Blogs und Social Networks. Darin mitnichten nur Propaganda, sondern auch kritische Artikel über die Umweltverschmutzung, einen Korruptionsskandal, die schlechten Jahresergebnisse der staatseigenen Betriebe. Menschen diskutieren in Blogs die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, oder beschweren sich auf Twitter über den Verkehr. Man könnte meinen, die Medienlandschaft ist nicht anders als in Deutschland zum Beispiel.

Mehr drüben bei Christiane.

Die Welt zu Gast in Deutschland

Der Titel fiel mir eben so ein, weil nämlich gerade eine Bekannte aus Phnom Penh zu Gast in Deutschland ist. Sie ist Senior of Media and Communication an der Royal University of Phnom Penh und weilt derzeit in Bonn zu einem Journalismusseminar. Kounila kenne ich aus Phnom Penh, vom Barcamp und weil ich ihr geholfen habe, ihre ersten Podcasts online zu stellen.
Heute meldet sie sich und schickt mir folgendes Bild:
Annik Rubens Workshop
Annik Rubens war wohl eine der Sprecherinnen bei dem Workshop und erklärte was über Podcasts. Kounila war ziemlich überrascht mein Bild zu sehen und schickte mir gleich ein Foto. Sie sagte, Annik hätte mich als Podcastmissionar bezeichnet, was ja auch stimmt: Am kommenden Wochenende habe ich eine Präsentation bei Gnome Asia Summit 2009 in Vietnam, zum Thema Podcasting with Linux. Und die Woche drauf bin ich beim SDM, dem Saigi Digital Marketing Day und diskutiere auch einem Panel über Social Media und was Agenturen und Marketer in Vietnam lernen können.

Der Spiegel und der Hai

Ich habe weiland bei der Königsteiner Woche gearbeitet, ein Blatt das sich von Kleinanzeigen nährt. Damals mussten wir uns immer rechtfertigen, wir seien keine richtige Zeitung sondern “nur” ein Anzeigenblatt. Wir hatten 20 Seiten, davon 10 Seiten Redaktion. Wir hatten Geschichten sogar eine Woche vor der Tageszeitung. Aber wir waren eben keine “richtige” Zeitung. Heute sind es Blogger, die nicht ernstgenommen werden. Das sind keine richtigen Journalisten. Richtige Journalisten arbeiten bei Spiegel und machen so was:

Spiegel Screenshot

Da wird irgendein Hai gezeigt, Hauptsache ein Bild. Und Haie befreien natürlich keine Tiere, sondern Haie beissen – in diesem Fall Jungtiere frei. Hauptsahe das Klischee vom bösen gefährlichen Hai bleibt erhalten.
Sensationell auch die Bildunterschrift – das ist schon fast dadaistische Prosa.

Jetzt kann man das natürlich wieder auf die dpa schieben, aber was verbietet eigentlich einer Redaktion eine BU zu verbessern oder ein anderen Bild zu nehmen oder gar keins?

Es hat mich 30 Sekunden gekostet das Bild zu der Geschichte zu finden: http://www.nzherald.co.nz/nz/news/article.cfm?c_id=1&objectid=10608530. Nämlich dort, wo die Geschichte herkommt. Man hat sie schlicht abgeschrieben vom Herald. Das ist ok, wenn man es sagt. Hat man aber nicht. Man sagt dass die Expertin Fiona Davis mit dem Herald sprach. Aber man sagt nicht, dass man die Geschichte von dort hat.

Was hat nur heute.de gegen Google?

Nun reihen sich also auch die ÖR in den Anti-Qualitätsjournalimus ein, wie ein Stück bei heute.de über Datenpannen bei Google zeigt.
Die Überschrift:
Die Welt liest mit bei Google Docs
(Tatsächlich können einige Leute offenbar anderer Leute Dokumente einsehen. Aber gleich die ganze Welt?)

Von überall in der Welt ist die Textverarbeitung erreichbar. Als praktische Alternative zu teuren Büroanwendungen preist Google seinen kostenlosen Dienst Text & Tabellen, international auch Google Docs genannt: “Sie benötigen lediglich einen Webbrowser. Ihre Dokumente werden online sicher gespeichert”, heißt es auf der Internetseite.

Das ist nicht ganz richtig, denn für Büroanwendungen preist Google seine Premium Edition an. Und sicher gespeichert werden sie auch. Als Backup. Das hat erst einmal nicht wirklich was mit Sharing zu tun. Aber gut, sicher kann man auch anders interpretieren. Ist Google so sicher wie ein Tresor? Ja, wenn man Tresore als sicher sehen mag.

Zwischenzeile: Jeder kann mitlesen
(Das ist nur leider durch den Text nicht gedeckt. Manche konnten manche Dokumente lesen. Das ist ein himmwelweiter Unterschied).

Dominik H. ist hörbar schockiert, als wir ihn auf dem Handy erreichen und ihm seine eigenen Zeilen vorlesen: In einem internen Brief hatte er für seinen Kulturverein die Überweisung von Projektzuschüssen beantragt. Der Brief enthält seine Bankverbindung, Telefonnummern und Adressdaten und ist eindeutig privat.

Wenn das alles eindeutig privat ist, dann stellt sich die Frage warum die Herren (oder Damen) Redakteure das Dokument überhaupt geöffnet haben. Machen die das auch wenn die Post einen Brief für den Nachbarn einwirft?
Das soll Google nicht entlasten, stellt aber die Frage ob das Briefgeheimnis hier nicht verletzt wurde.

Möglich, dass dieser Fehler in Zusammenhang mit der jüngsten Aktualisierung des Angebots zusammenhängt. Dabei hat Google neue Freigabefunktionen eingeführt. Google war am Samstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Naja, das wage ich mal zu bezweifeln, dass das ZDF nicht Google erreichen kann. Möglich, um mal im Jargon zu bleiben, dass man die richtige Telefonnummer des Pressesprechers nicht hatte. Komisch auch, dass nur Heute die Story hat.

Zwar sind einmal in Umlauf gelangte Daten nicht wieder einzufangen, künftig möchte er sich aus derartigen Onlinediensten aber zurück ziehen: “Das war mir ohnehin sehr suspekt, jetzt reicht es mir damit.”

Was bitte soll mir das sagen? Google ein zwielichtiges Unternehmen? Bei aller Kritik, das ist nicht mal Schülerzeitungsniveau.

Derartige Datenpannen scheinen sich bei Google zu häufen: Erst im Frühjahr hatte Google Schwachstellen bei seiner Onlinetextverarbeitung beseitigen müssen

Sehr beliebt: Man sagt “Häufen” und bringt dann EIN Beispiel.

Allein in diesem Jahr hatte Google außerdem mehrfach mit selbstverschuldeten Systemausfällen zu kämpfen, bei denen einzelne Dienste, wie das E-Mail-System oder gar die gesamte Suchmaschine für Stunden nicht erreichbar waren.

Was mit der Sicherheit null und gar nichts zu tun hat, und man doch bitte daran denken sollte, dass Google a) ein gratis Service ist und b) seinen zahlenden Kunden eine Wiedergutmachung angeboten hat.

Für das Unternehmen kommt die neuste Datenlücke zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Gerade startet die Experimentierphase des neuen Dienstes Google Wave. Selbstsicher möchte Google damit die E-Mail ablösen und mit Teamarbeits- und Web2.0-Diensten vereinen.

Experimentierphase heisst dass da Dinge a) schiefgehen können/sollen/werden und b) verbessert werden können. Das ist also ein denkbar schlechtes Argument gegen bestehende Angebote.

So, wir wissen also dass Dominik H. offensichtlich ein Sicherheitsleck gefunden hat; Dafür gebührt ihm Ruhm und Ehre und ganz verstehen mag ich nicht warum sich der Retter der Datenwelt nicht mit Nachnamen zitieren lassen will.

Ja, Google hat Schwächen, aber die haben Facebook, StudiVZ und die Deutsche Bank auch. Sogar das ZDF hat die. Die muss man aufzeigen, man muss ermahnen und anmahnen, aber bitte auf solider Basis. Dass ich am Montagmorgen noch immer lesen muss dass Google nicht erreichbar war spricht für die Vermutung, dass man Google nicht erreichen wollte. Sondern das es, so der Tenor des Artikels, eigentlich eine Anti-Google-Geschichte werden sollte.

Als Redakteur hätte ich dem Schreiber (der mir übrigens gut bekannt ist, deshalb meine Enttäuschung) gesagt, jetzt setze Dich bitte nochmal an die Geschichte und mach sie rund. Finde heraus, warum die Datenpanne passiert ist. Spreche mit Google. Suche mehr Fälle. Bring mehr Fleisch rein.

Zum Beispiel die Geschichte, dass ein Hacker eine Menge vertraulicher Dokumente des Dienstes Twitter herunterladen konnte, die allesamt bei Google gehostet waren.

Wenn Lokalzeitungen nur noch Agenturmeldungen bringen

Das Szenario: Ein Bus besetzt mit 9 Jugendlichen kommt am frühen Nachmittag in einer Kurve von der Spur ab und kracht auf der Gegenfahrbahn gegen einen Geldtransporter. Bei dem Aufprall werden der Fahrer und der Beifahrer des Transporters getötet, ein weiterer Insasse schwer verletzt. Auch der Fahrer des Busses wird verletzt, mehrere Jugendliche leichtverletzt. Der Unfall passiert in einem Bereich, der bekannt ist für schwere Unfälle. Geldscheine lagen an der Unfallstelle verstreut.

Das Szenario hat alles was man für eine gute Story braucht. Ungewöhnliches (Bus gegen Geldtransporter), Emotionales (Jugendliche verletzt), Dramatisches (viele Verletzte), Absurdes (Geldscheine auf der Fahrbahn), Empörendes (schon viele Unfälle passiert). EIn Klassiker für die lokale und regionale Berichterstattung.

Die Geschichte ist gestern in meiner Heimatstadt passiert, und ich wollte heute wissen, was los war. Auf n-tv war eine große Geschichte zu lesen, die Rundschau hatte fast in Echtzeit berichtet. Und dann gibt es noch das Blatt, bei dem ich einst in der Onlineredaktion war, die FNP. Die hat den besten Polizeireporter in der Region, und der sollte eigentlich am meisten Informationen liefern. Vielleicht hat er das auch, nur lesen konnte ich davon nicht. Auf der Startseite werden Feldhamster gefeatured, aber nicht der Unfall.
Das war alles was ich unter Lokales fand:

Königstein. Bei einem Verkehrsunfall in Königstein (Hochtaunuskreis) sind am Dienstagnachmittag zwei Männer ums Leben gekommen. Wie ein Polizeisprecher sagte, fuhr gegen 15.20 Uhr ein Linienbus auf der Bundesstraße B 8 in Richtung Glashütten in einer scharfen Rechtskurve auf die Fahrbahn des Gegenverkehrs. Dabei stieß er mit einem Geldtransporter zusammen, in dem drei Männer saßen. Zwei von ihnen starben, einer kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Fünf oder sechs der etwa zehn Businsassen verletzten sich nach ersten Erkenntnissen der Polizei leicht. Warum der Bus bei Regen auf die Gegenfahrbahn geriet, war bis zum frühen Abend unklar. Die Strecke war für den Verkehr stundenlang gesperrt.

Die Homepage der Taunus-Zeitung, die Lokalausgabe der FNP in deren Beritt der Unfall geschah, hat folgende Themen heute auf der Startseite:
Eine Gerichtsreportage über ein Unfallopfer (!)
“Wir suchen den besten Kurzkrimi”
Bahnfahren wird teurer
Feldhamster vom Aussterben bedroht
Cello Festival ein voller Erfolg
Schuldenberg in Steinbach wächst weiter
Eine Kloreportage

Den Unfall finde ich ganz unten als Linkzeile, die wieder zum oben zitierten Artikel führt.

Nun soll der Unfall nur mal als aktuelles Beispiel stehen, und ich habe auch wenig Lust hier über Sensationsgier zu diskutieren, es geht mir um die journalistische Arbeit.

Wie kann es angehen, dass man bei lokalen Ereignissen Symbolbilder (hier ein Blaulicht) verwendet statt eigene Bilder, die man doch haben muss. Warum werden bei lokalen Ereignissen Agenturtexte verwendet, statt eigene Berichte. Warum sehe ich Bildergalerien über Waldbrände in Kalifornien, aber nicht Geldscheine auf der Fahrbahn?

Was der FNP passiert ist geschieht in vielen Printhäusern. Es wird nicht mehr journalistisch gearbeitet. Man füllt Content auf. Ich selbst habe im wesentlichen Copy und Paste gemacht, auch weil ich alleine war. Heute sitzen da aber zwei Leute. Und ich hatte – so ich von einem ungewöhnlichen lokalen Ereigniss erfuhr – auch immer gleich versucht, eigene Informationen zu bekommen.

Es mag an dem Tag was schiefgelaufen zu sein bei der FNP, das kann passieren. Man hat aber gleichermaßen ein gutes Beispiel dafür produziert, wie man online nicht arbeiten sollte und wie man sicher nicht dem Zeitungssterben wirksam begegnen kann. Onlineredaktionen produzieren zu viel Schnickschnack um die Nachrichten herum. Information zuerst, dann gerne einen Blogbeitrag, ein Tweet, ein Gewinnspiel, ein “die besten XXX der Region, und aktuelle Videos die man ohnehin nicht selbst gedreht hat.

Redakteure sagen gerne sie seien nicht eingestellt um die Zeitung selbst vollzuschreiben. Das ist zum einen falsch, siehe Lokalredationen. Zum anderen ist das aber auch gefährlich. Wenn man nur noch Agenturen kopiert, dann stellt sich bald die Frage, was diese Redakteure da eigentlich machen. Redigieren? Ich lache laut auf. So schlecht sind Agenturtexte auch nicht. Auswählen? Nochmal lachen. Die Vielfalt der Stories deutsche Tageszeitungen hält sich deutlich in Grenzen.

Gerade weil die Agenturmeldungen so beliebig sind und alle sie haben, wollen wir tiefergehende Informationen zu einer Geschichte haben. Aber nicht Blabla und ein wenig Glitter auf die Verpackung.

(Ich freue mich über Erklärungen, was da schief gelaufen ist. Eine Erklärung mag sein, dass ich das hier schreibe wenn es in Deutschland etwa 2 Uhr ist. Es mag sein dass die Artikel der heutigen Printausgabe erst später ins Onlinesystem laufen. Nur kann es doch nicht sein, dass man in der Onlineredaktion auf die Printausgabe wartet, zumal wenn die Geschichte ja nachmittags zuvor passiert ist.)

UPDATE: Wie vermutet hat man in der Nacht nachgelegt. Am Nachmittag meiner Zeit war ein Foto auf der Seite.

SpiegelOnline in Kambodscha – Dichtung und Wahrheit

Königspalast in Phnom Penh

Da gibt einen Menschen namens Thilo Thielke, der offensichtlich in Asien herumreist und für SpOn Geschichten schreibt. Jetzt war er in Phnom Penh und hat etwas entdeckt, das er wohl für so aussergewöhnlich hält, dass eine eine Geschichte drüber schreiben muss: Einen Deutschen, der ein deutsches Restaurant aufgemacht hat. Was ein Brüller.

Nun hat er sich ausgerechnet das Edelweiss in Phnom Penh ausgesucht, nicht gerade die beste Adresse. Er hat sich nicht das (deutsche) Art Cafe ausgesucht, dessen Besitzer regelmäßig Kammerkonzerte anbietet, Kambodschanern Musikunterricht gibt und auch noch Musikfestivals organisiert. Oder das Riverside Bistro. Nein, es muss das Edelweiss sein, gerne auch mal als Prollkneipe bezeichnet und Treffpunkt für solche, die nicht mal mehr zurück nach Deutschland können.

Schauen wir uns doch mal diesen Qualitätsjournalismus genauer an:

Globalisierung mit Fleischkäse

Superüberschrift. Kaum entdeckt ein Deutscher Bekanntes was ausserhalb Deutschlands, ist es Globalisierung und was Besonderes. Investigativ.

Fast wie zu Hause: Im Kneipenrestaurant “Edelweiss” in Phnom Penh werden Fleischkäse, Weißwurst und Bockwurst mit Sauerkraut kredenzt. .

So wie in tausenden anderen deutschen Restaurants in der Welt. Man stelle sich vor, ein italienisches Magazin würde so über eine Pizzaria schreiben.

Es ist Weißbierzeit in Phnom Penh. Bei Ulli Zdrzalek trudeln langsam die ersten Gäste ein. Über dem 65-jährigen Gastwirt flattert eine weiße Plane mit dem Kneipenlogo leicht in der Abendbrise, die jetzt vom Fluss Mekong herüberweht: “Edelweiss / Pizza – Gemüsesuppe – Kassler – Weißwurst – Leberkäse – Linsensuppe – Erbsensuppe.”

Ich habe Ulli Zdrzalek vor allem als lauten, ungehobelten Menschen erlebt, dessen Benehmen definitiv zeigt, dass der Mann sich im Rotlichtvirtel Phnom Penhs wohl fühlt.

Die Speisekarte zeigt: Gezahlt wird im “Edelweiss” wie vielerorts in Phnom Penh in Dollar, nicht in der einheimischen Währung Riel.

In GANZ Kambodscha wird in Dollar gezahlt, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Kambodscha erwacht zum Leben. Seit einigen Jahren geht es schon aufwärts mit dem 14-Millionen-Einwohner-Land, das viele immer noch hauptsächlich mit dem Genozid der maoistischen Roten Khmer verbinden.

Tatsächlich erwacht vor allem die Geldgier der Regierung. Der Lebensstandard der Menschen hat sich wenig verändert, vor allem auf dem Land. Hun Sens Regime hat sich quasi das Land unter den Nagel gerissen und verkauft was zu verkaufen ist. Investoren meiden das Land, weil vor allem die Landrechte nicht geklärt sind. Es gilt als eines der korruptesten Länder der Welt.

Über zwei Millionen Touristen zieht es mittlerweile jährlich hierher.

Ja, aber der überwiegende Teil sind Koreaner, die in koreanischen Hotels schlafen, koreanische Busse benutzen und sogar koreanische Wasserflaschen kaufen. Unn sie sind vor allem in Siem Reap. nicht in Phnom Penh.

Dazu jede Menge Entwicklungshelfer – der Staatshaushalt des Landes wird immer noch zur Hälfte mit Hilfsgeldern gefüllt, allein für das Jahr 2009 wurden von der großzügigen Gebergemeinschaft 951 Millionen Dollar zugesagt.

Wäre es nicht einmal eine Geschichte für den Spiegel, wenn man schon einen Reporter da hat, sich um dieses Geld zu kümmern und wo es denn hingeht? Wie die dicken fetten Autos der NGO-Countrydirektoren, ihre Nannys und Gärtner bezahlt werden?

Und auch immer mehr Unternehmer wagen langsam das Abenteuer. In den vergangenen Jahren waren die Wachstumsraten der kambodschanischen Wirtschaft fast immer zweistellig.

Unsinn. Im Moment gehen Unternehmer raus aus Kambodscha, weil es zu unsicher ist. Und die Wachstumsrate liegt beim GDP bei 7 Prozent.

“Eine gute und konservative Wirtschaftspolitik” sei in dem Land praktiziert worden, schreibt Alexander Hirschle, Südostasien-Experte von “Germany Trade and Invest”, einer Gesellschaft, die sich der Förderung der deutschen Außenwirtschaft verschrieben hat. Er spricht von einem kleinen Wirtschaftswunder “in einer der weltweit dynamischsten Wirtschaftsregionen”. Und es gibt eine Menge Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass Südostasien die derzeitige Weltwirtschaftskrise noch am ehesten meistern wird – weil sie hier so fleißig sind, so flexibel und so billig.

Noch größerer Unsinn. Kambodscha ist wirtschaftlich vollkommen abhängig von Thailand und Vietnam. Es hat weder eigenen Strom noch eigenes Öl. Ohne Thailand hätte man kaum etwas zu essen. Von Textilfabriken und Bodenschätzen abgesehen hat es nichts zu bieten. Es wird kaum in Infrastruktur investiert, vor allem weil die Regierung kaum Interesse daran hat, das Land zu entwickeln und die Menschen zu bilden.

Deutsche Touristinnen habe er schon weinen sehen, weil sie auf ihrem Trip nach Südostasien immer nur Reis serviert bekamen.

Auch das ist nichts Neues. Übrigens ist das Schnitzel im Riverside Bistro wesentlich besser und der Kartoffelbrei auch. Warum eigentlich werden in dem Artikel keine anderen deutschen Restaurants erwähnt?

… liebsten dort, wo die mandeläugigen Frauen herkommen. Asien kannte er schon seit Beginn der siebziger Jahre als Tourist, irgendwann hatte er sogar eine Thailänderin geheiratet. Doch die machte sich in Deutschland aus dem Staub.

Ja, so sieht er auch aus. Man nennt diese Leute auch gerne Sexpats!

Dann, endlich, packte er selber seine Siebensachen: “Ich wollte da leben, wo andere Urlaub machen.” Sein erstes Ziel war Pattaya, die Bordell- und Bademeile in Thailand. Doch da wurde es ihm schnell zu laut und überfüllt, und außerdem gab schon jede Menge deutscher Broilerbuden, Grillstuben und Biertränken. Ein Jahr blieb er, dann zog er mit seiner Geschäftsidee weiter ins vergleichsweise beschauliche Kambodscha.

Kambodscha ist kleiner und wesentlich weniger entwickelt als Thailand, gleichwohl ist ein deutsches Restaurant nichts aussergewöhnliches und die Lage an der Riverside nun auch nicht gerade eine ruhige Ecke – das ist Phnom Penhs Kneipenmeile!

Nebenbei beraten sie Touristen, wenn die nicht wissen, wo die nächste Apotheke ist oder ein Arzt. Schließlich wütet in Kambodscha die Malaria. “Ein hohes Risiko besteht in den meisten Landesteilen”, warnt das Auswärtige Amt, extrem hoch sei die Gefahr im Norden und Westen

Jetzt wird’s aber gefährlich. In Kambodscha “wütet” keine Malaria. Es gibt Malariagebiete, aber dort kommt kaum ein Tourist hin. Wenn es eine Krankheit gibt, die man sich hier fängt, ist es Denguefieber. Und die nächste Apotheke ist beim FCC um die Ecke (U-Care). Da geht eigentlich jeder Tourist einmal vorbei, auf dem Weg zum Nationalmuseum.

Draußen beginnt langsam der allabendliche Trubel. Auf Phnom Penhs Partymeile öffnen die Kneipen. Touristenströme ziehen palavernd vorbei. Vom legendären “Foreign Correspondents’ Club”, gleich nebenan, schallt Gelächter herüber. Tuk-Tuks hupen. Der Lärm mischt sich mit deutscher Volksmusik. Die Globalisierung ist in Kambodscha angekommen.

Die Globalisierung ist in Kambodscha sicher nicht mit einem deutschen Restaurant angekommen. Sie ist mit 2 Apple-Stores angekommen, mit WIFI in jedem Cafe, mit einem schicken Adidas Shop am Norodom Boulevard oder Barbie bei Monument Toys (das ist der Laden in dem ich gearbeitet habe) und Nokia Telefonen und schlicht mit einem Flughafen. Wie in jedem anderen Land der Welt.

New York Times Air Edition

Habe mir gerade mal die New York Times in der Neuen Air Edition angeschaut. Sieht wirklich nett aus, geradezu printmäßig. aber irgendwie habe ich noch Zweifel. Zum einen daran, das 14.95 USD ein angemessener Preis sind. Zum anderen, dass es wirklich die Zeitung ersetzt

Ich frage mich warum die Zeitungen so in Richtung Technik schauen statt nach Inhalten und neuen Marktausrichtungen.
Es scheint nunmal so, dass weniger gelesen wird. Irgendwann brach auch der Markt für Pferdefuhrwerke zusammen. Es gilt nun zu sehen, wo das Ende ist und wie groß der Mart sein wird derer, die noch an Qualitätsjournalismus interessiert sind. Also muss ich mich, wie man so schön sagt, anders aufstellen. Zum Beispiel mit eigenen Inhalten und Geschichten, die nicht das Tagesgeschehen bestimmen. Lasst die Agenturinhalte online laufen und bringt in Print die großen guten Geschichten!

Das Ganze funzt aber nur, wenn auch die Werbewirtschaft endlich mitspielt. Noch immer ist mir viel zu wenig Werbung in Online drin. Da geht noch was, um daraus auch wirklich ein Geschäft zu machen. Vielleicht mit Google Anzeigen. Was auch immer.

Ich glaube an Zeitungen, aber nicht wirklich an die meisten Verleger, und leider auch nicht an Chefredakteure. Da gibt es immer noch zu viele, die die sichere Rente schon vor Augen haben.

Nur mal so gesagt.

BreakingNews auf Twitter: Keimzelle für eine Nachrichtenagentur

Das Stück habe ich für das Jep-Blog geschrieben, wollte es aber auch meinen Lesern hier nicht voranthalten:

Er ist eigentlich ein Journalist bis ins Blut, und trotzdem oder gerade deswegen geht er einen neuen Weg: der Niederländer Michael van Poppel ist der Mann hinter BNO News und @BreakingNews, einem (bis jetzt noch) kostenlosen englischsprachigen Newsticker, der über den Microblogdienst Twitter verbreitet wird.
@BreakingNEws Screenshot
Das Besondere daran: Michael van Poppel ist schnell, folgt aber journalistischen Grundsätzen. Er checkt seine Fakten, ruft schon mal den Sprecher der FIA nachts um 1 Uhr an oder verwundert ein Krankenhaus in Alaska, warum er schon von einem Flugzeugabsturz weiss. Und er will gegen AP, Reuters und andere antreten.

Am 14. Mai 2007 startete er BNO News, weil ihm sein Mitbegründer Twitter zeigte und Poppel schnell wusste, das ist eine neue Form des Agenturjournalismus. “Ich dachte sofort dass dies ein wunderbarer Weg ist, Breaking-News-Nachrichten zu aktualisieren, weil man sie direkt zu denen bringt, die sie Lesen wollen, die Follower. Am Anfang machte ich das in meiner Freizeit und die Quellen waren meist andere Nachrichtenseiten”, sagt er im Email-Interview.

Bis September 2008 blieb es ein Hobby, doch dann bekam Poppel ein Videoband in die Hand, das Osama Bin Laden zeigte, mit bislang unveröffentlichten Inhalten. Bevor er es an eine Nachrichtenagentur verkaufte, twitterte er einige Zitate und Bilder. Damals hatte er gerade mal 200 Follower. Poppel und sein Mitbegründer arbeiteten dann stärker an dem Dienst, bis 2008 Twitter selbst immer bekannter wurde. In dieser Zeit arbeitete Poppel vor allem daran, an Originalquellen zu kommen und Nachrichten als erster zu erhalten und zu verbreiten. Immer öfter hatte BreakingNews seine eigenen Scoops. “Unser System mit dem wir Nachrichten sammeln ist immer größer geworden, immer mehr Leute machen mit und schließlich entwickelte sich der Plan daraus, einen eigenen Nachrichtendienst aufzubauen.”

Die Bandbreite der Nachrichten erstreckt sich auf alle klassischen Ressorts. Von “Nepal’s prime minister says in State TV that he’s stepping down.” über “AP: Fiat confirms talks for GM’s Opel concerning a possibility to create a single car company including Chrysler.” bis hin zu “URGENT — Twenty-eight people have been injured after a serious bus accident in Perris, California, officials tell BNO News. More to come.”

Mittlerweile arbeiten 10 Journalisten bei BNO News und twittern unter dem Namen @BreakingNews. Für BNO News sind demnächst mehr Mitarbeiter geplant, verteilt auf zwei Standorte.

Wie kommt BNO News und @BreakingNews an Nachrichten? “Manche Leute meinen, wir würden nur Stories weitertragen, die wir in Twitter lesen. Das ist nicht richtig.” BNO News haben eigene Quellen und schauen natürlich auch auf Nachrichtenseiten aus der ganzen Welt. Mit den eigenen Quellen hat man auch eigene Geschichten, aber man kann nicht immer der erste sein, sagt Poppel. Dann sei man so fair und sage auch, wer es zuerst hatte. Twitter macht das einfach, als Quelle reicht ein RT für Re-Tweet und der Name des Erstellers. RT @weltonline würde heissen, man schickt eine Nachricht weiter, die Welt Online zuerst hatte.

Wie so eine Geschichte entsteht, kann man im Blog nachlesen (das eher weniger aktuell ist). Der Crash einer 737 in Denver war eine der Storys die BNO News sehr intensiv bearbeitete. Die Basis für die erste Nachricht war der Bericht einer lokalen TV Station und wurde innerhaln einer Minute getwittert. 20 Minuten später sagte AP nur, es habe einen Unfall an einem Flughafen gegeben. Es war der zweitbeste Tag in den Abrufen von BNO News Geschichten.

Zurzeit finanziert sich der Dienst, der mittlerweile 300.000 Follower hat, durch Spenden. Aber das ist nur der Anfang. Poppel will eine eigene Nachrichtenagentur aufbauen. “Ich kann nicht mehr Details nennen, aber es tut sich was und der Spendenaufruf wird bald von der Seite genommen.” Bislang seien die Spenden die einzigen Einnahmen gewesen. Aber man könne auch mit Twitter Geld verdienen, wenn man zum Beispiel Anzeigen des Dienstes Adjix einbaue.

Wenn einmal die Agentur läuft, dürfte es auch mit den Twitternachrichten weniger werden, kündigt Poppel an. Und alle Nachrichten werden dann auf BNO News verweisen, den neuen Dienst. So gesehen, baut Poppel gar nicht etwas völlig Neues. Nachrichtenagenturen gibt es schon. Nur der Weg, wie er seine Inhalte transportiert, und vor allem wie er sie bekommt, ist neu. Bleibt abzuwarten, wie gut Verlage seine Nachrichten finden und wieviel sie bereit sind zu bezahlen. Wenn man die aktuelle Diskussion um die DPA anschaut, dann kommt hier zumindest für Online- Dienste eine Konkurrenz.

SWR 1 Leute oder wie man kaum ein Klischee auslassen kann

Der Bildungsauftrag ist ja quasi die Lebensgrundlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, aber was die Sendung SWR1-Leute draus macht, ist bisweilen grenzwertig. Ich kann behaupten fast jede Sendung der vergangenen 3 Jahre gehört zu haben, bis auf die mit Fußballern, das halte ich nicht aus. Die letzte, die ich hörte, war mit den Reportern Knut Bauer und Thomas Schwarz, die für SWR und Stuttgarter Zeitung über Winnenden berichtet haben.

Zitate: “Da gibt es Internetchatforen, in diesen Chats stellen die Jugendlichen dann Bilder rein.” “Umfassende Berichterstattung ist für Nachahmungstäter wie Pornographie für Sexualtäter.”

Ich habe ja mal gelernt, es gäbe keine dummen Fragen, aber was Stefan Siller und Wolfgang Heim bisweilen absondern, ist einfach nur dämlich. Man muss nicht jeden, der aus Ostdeutschland kommt fragen, ob in seinem Dorf viele Nazis wohnen. Man muss auch nicht jeden, der ein wenig Ahnung von Wirtschaft hat, fürs Leid in der Dritten Welt verantwortlich machen. Man muss Frauen auch nicht als Frauen behandeln und entweder übertrieben politisch korrekt sein oder bisweilen dann doch einfach nur sexistisch. Man könnte sie einfach nur über das fragen, weshalb sie gekommen sind. (Meistens ist es eh ein Buch, noch so ein Problem von Interviewsendungen)

Wahrscheinlich sagen die beiden – und das kommt auch immer wieder in der Sendung so – sie stellen ja nur Fragen. Sicher, und ich sage ja auch nur dass es oft dumme Fragen sind. Ich bin zu faul, jede Sendung nochmal quasi abzuhören und alle Zitate herauszuholen. Man glaube mir, es gibt genügend.

Und nach vier Jahren Podcast ist man im SWR noch immer nicht in der Lage, ID3Tags ordentlich auszufüllen. Oder man mag nicht, wegen diesem bösen Internet.

Video bei Welt TV

Ich habe gerade bei Welt.de ein Video gefunden, von dem ich mich frage, was es eigentlich soll: Da erklärt der Leiter der Wissenschaftsredaktion, was am nächsten Sonntag in der Welt am Sonntag zu lesen sein wird. – und hält einen Probeandruck in der Hand.

Bitte, wer soll das schauen? Wen interessiert das? Bringt es wirklich neue Leser und Käufer?

Ich selbst sage ja immer gerne, dass man alle Kanäle nutzen soll, um seine Inhalte und Kompetenz zu verbreiten, aber so habe ich das nicht gemeint.

Andere Meinungen?

Disclosure: Ich habe vor 2 Jahren fur Welt.de bei Aufbau der Video und Audioabteilung mitgearbeitet.

Die alten Medien, die neuen Medien und Herr Schmid von der WELT

Lieber Thomas Schmid,
ich weiss ja nicht, welcher (Fehler)-Teufel Sie geritten hat, ob es die reine Verzweiflung ist, die Sie zu diesem Artikel getrieben hat oder schlicht Unkenntnis.

Es waren also Blogger und Twitterer, die nach Winnenden gefahren sind, sogar von der Raststätte berichtet haben. Es waren Krethi und Plethi, die Bilderserien en masse ins Netz stellten, die einen jungen Bub zum Aufmacher missbrauchten, der nur trauern wollte. Es war user generated content, der falsch meldete, dass es zwei Täter waren, der eine Festnahme meldete, wo noch keine war.

Herr Schmid, ihre besten Tage scheinen vorbei zu sein und nun sitzten sie erschrocken vor dem, was sie selbst angerichtet haben. Bekanntlich generieren Blogger und Twitterer eher wenig eigenes, sondern sind ein Echo. Sie verlinken auf Meldungen von Welt Online, Bild und Spiegel Online. Mal abgesehen davon, dass ohne diesen Suchtraffic ihre Seite kaum noch Werbung mehr haben würde: Sie schelten den Überbringer einer schlechten Nachricht, und nicht den, der sie geschrieben hat. Sie slebst nämlich.

Was wollen wir wetten, wer als erstes eine “Digitale Galerie” mit eben jenen Bildern von Tim K. aufmachen wird, steht der nächste Amoklauf an (der übrigens keiner war, aber das ist ja nur ein sprachliches Detail am Rande).

Ich erinner mich noch an ein Ereignis in Eppstein im Taunus, wo, ich glaube in den 70ern, ebenfalls jemand in eine Schule eingedrungen war und Menschen ums Leben kamen. Auch damals berichtete de Presse weltweit. Und das war gut so, denn dafür ist die Presse auch da,

Was Ihnen doch einfach nicht passt, ist, dass sie keine Kontrolle mehr haben und sich einer Kritik stellen müssen. Journalist sein heisst für Sie die Macht über Informationen zu haben, über dem gemeinen Volk zu stehen. Eine gefährliche Einstellung, die sie da haben. Schlimm, keine Privilegien mehr zu genießen, oder?

Ich persönlich finde es weniger erschreckend, dass Menschen Nachrichten selbst in die Hand nehmen und verbreiten. Ich finde es erschreckend, dass nach dem Ende zweier totalitärer Deutschlands noch immer Menschen in deutschen Medien Kontrolle predigen.

Und zum Schluss noch ein wenig über ihre Fachkompetenz. Schauen Sie sich mal die Bildergalerie an. Da zeigen sie ein Kinderbild – wenig aussagekräftig, wenn der Täter 17 war. Aber man nimmt halt was man kriegt (oder dpa liefert. Wahre Fachleute hätten sich ein neues Bild besorgt). Ähnliches gilt für das Tischtennisbild, bei dem ich mich frage, ob dpa wirklich die Rechte hatte.
Schauen wir uns dann den Screenshot an: Eine umstrittene Variente, das Thema Bildrecht zu umgehen – sie versuchen es per Bildzitat, ohne aber die zitierte Seite zu nennen. Das also ist professionell?
Bild 5, ein Luftbild von AP, offensichtlich aus einen Hubschrauber aufgenommen. Dem von Herrn Krethi?
Bild 9 zeigt Polizisten, die eine Leiche bergen. Im WELT-deutsch heist das: “Eine Leiche barg die Polizei aus einem Park nahe der Schule.” Yoda?

Bild 11 mit einer sensationellen Unterschrift: “Polizeibeamte halfen bei den Arbeiten am Tatort.” Macht die Tochter von Frau Plethi gerade ihr Schulpraktikum bei Ihnen?
Bild 24: ” Welche Szenen sich in der Schule abgespielt haben müssen, zeigten die benutzten Handschuhe der Sanitäter.” Naja, wenn soviele Menschen erschossen werden, dass darf doch mal ein Handschuh voller Blut sein, oder? Deswegen haben Sanitäter, die übrigens seit 10 Jahren schon Rettungsassistenten heißen, Handschuhe an. “Blut ist ihr Geschäft”, um es in Ihrer Sprache zu sagen.

Bild 25: “In der Nähe des Schulzentrums standen Menschen, denen ihre Verzweiflung anzusehen ist.” Auch diese Menschen haben sicherlich ihr Einverständnis zum Bild gegeben und waren in der Situation auch in der Lage, das zu tun.

Wie die meisten Bildstrecken dient auch diese nicht der Information, sondern sie wollen Klicks haben. Und zwar viele Klicks, und deshalb werden nicht mehr die besten Bilder genommen, sondern fast alle. Weil es sie einen Scheissdreck interessiert, was der Leser will oder gar wie es um die Menschen in Winnenden bestellt ist.

So Herr Schmid, und nach soviel Schimpferei Versöhnliches. Ich war selbst Onliner und bin Blogger. Ich kenne das, wenn man keine Zeit hat und schnell mal was schreiben muss ohne nachdenken zu können. Ich nehme an, dass ist der Grund für Ihren Artikel. Sie wollten quasi Twittern und mal schnell was verbreiten, oder?

Darf man ein Bild vom Flugzeugabsturz twittern – und retwittern?

Ja. Denke ich. Twitter ist ein Informationsmedium, ein schnelles dazu, wie man gestern wieder erleben durfte. Es war BreakingNewsOnline, die eine (nach ihren Angaben bestätigte) Meldung mit als erste herausgaben, es war Twitterer @patrick, der in einem Flugzeug in Schiphol saß und von dort als Augenzeuge twitterte und es waren Autofahrer auf der A9, die erste Bilder auf twitpic schickten. (Wie auch bei der Landung im Hudson River)

Jetzt geht in Deutschland (und auch anderswo) wieder einmal die Betroffenheitskiste los: Darf man das?

RT @stormgrass: Sending twitpics of plane crashes doesn’t have anything to do with the dissemination of news, it’s another form of voyeurism

Natürlich darf man das. Weil das ja auch Journalisten dürfen. Und wollten Blogger nich auch einmal eine (Gegen)-Öffentlichkeit sein? Machen wir den Überbringer der schlechten Nachricht zum Buhmann, weil wir nicht zugeben wollen, dass wir genau diese Bilder sehen wollen?

Es braucht eben keinen TV-Sender mehr, der den Pressesprecher von Schiphol versucht anzurufen, um einen Absturz von offiziöser Seite bestätigt zu bekommen, wenn jeder den Funkverkehr am Flughafen mithören kann (“We have an emergency. Don’t taxi”).

twitter_Schiphol

Was ist der Unterschied zwischen einem Kamerteam eines TV-Senders, das zum Unfallort rast und einem Passanten, der dort steht und ein Foto postet?

Es sind die so genannten journalistischen Standards. Die sagen letztlich, dass man sich respektvoll verhalten soll, vor allem keine Fotos von Toten und die Rettungsarbeiten nicht behindern.

Ich habe Bilder gesehen gestern von Twitterern, die von der Autobahn aus ein Bild gemacht haben. Ich habe auch Bilder gesehen im TV, wie man sehr nahe an Ermittler heranzoomte, die gerade Tote fotografierten.

Es scheint in Deutschland ein psychologisches Problem mit dem Thema Tod zu geben: Wann immer es um Bürgerjounalismus in Zusammenhang mit Unfällen geht, wird laut “Gaffer” geschrien (gerne auch von jenen, die beim Schreien den CNN-Live-Feed schauen). Sonst nicht. Verbreitung von Geschäftgeheimnissen (“Neues Macbook: erste Fotos”) – kein Problem. “Google spricht mit Twitter” (unbestätigt, @Ibo war die erste Quelle für das jüngste Gerücht, ich fands gut genug als solches zu retweeten) – munter diskutieren. Probleme die man gerade mit Kunden hat in der Öffentlichkeit diskutieren – macht doch Spaß die lächerich zu machen. Nur Unfälle, das ist Bäh. Ein Tabu. Vielleicht das letzte Tabu, und deshalb halten wir so daran fest.

Es ist ein Unterschied, ob Menschen ein Foto machen weil sie da sind oder ihr Auto mitten auf der Fahrbahn stehen lassen, um Bilder von Toten zu schießen. Diese würden auch kaum auf Twitter verbreitet werden – im Gegenteil, ich glaube auch hier an die Selbstregulierung, ein Sturm der Entrüstung würde zu recht losbrechen. Und das könnte sogar eher zu Konsequenzen (Bild löschen) führen als bei klassischen Medien.

Es geht hier auch keineswegs darum, dass Twitter die klassischen Medien ersetzen soll. Das ist Unsinn. Es geht um die Quellen. Die Bestätigung einer Nachricht im angelsächsischen Journalismus ist gegeben, wenn man eine zweite zuverlässige Quelle hat. In Deutschland wartet man entweder darauf, was die Agenturen melden oder aber auch eine offizielle Bekanntmachung. Wie sehr sich diese (Zahl der Toten) wiedersprechen können, haben wir gestern gesehen.

Wir alle haben heute technisch den Zugang zu den Quellen, haben Webcams, Funkverkehr, Webseiten von Feuerwehren (oder gar Tweets). Wir können uns damit in vielen Bereichen eher ein Bild machen. Es gab binnen einer halben Stunde 4000 Tweets zu Schiphol, natürlich vieles retweetet, aber dennoch Berichte wie der von Patrick oder anderer Menschen am Airport. Das sind genau so gute Quellen wie Richard Quest im Studio London, der allgemeines Bla Bla über Fliegen im Allgemeinen sagt.

Irgendwie mag man in Deutschland noch keine Grautöne. Entweder oder. Blogger gegen Journalisten. Podcasts gegen Radio. Twitter gegen Google. Das ist großer Schmarrn. Die Welt ist komplex, in deshalb müssen wir verstehen, das Entwicklungen wie das Internet sie noch komplexer machen, statt eine Vereinfachung zu fordern.

Wen wir jetzt sagen, die Berichterstattung über Flugzeugabstürze ist nur klassischen Medien vorbehalten, dann muss das letztlich auch für alle Bereiche gelten, Politik, Webwelt. Und dann sind wir wieder dort, wo wir vor 5 oder gar zehn Jahren waren.

Statt zu meckern über Bürgerjournalisten und was die alles anstellen könnten (erinnert mich an das böse Internet), sollten wir um Standards bemüht sein und denen auch die Finger klopfen, die sich nicht dran halten.

Bin ich im übrigen nur an meine journalistischen Standards gebunden, wenn ich in einer ordentlichen Redaktion sitze? Oder darf ich auch auf Twitter und in meinem Blog journalistisch tätig sein? Was ist der Unterschied, ob ich wie weiland bei der Frankfurter Neuen Presse mit der GLEICHEN Quellenlage eine Breakingnews rausschicke oder das heute als Freelancer über Twitter gebe?

Gelangweilte Nachbarn

Aufregung unnötig: Denunziations-Seiten wie rottenneighbor.com oder dontdatehimgirl.com sind schon wieder auf dem absteigenden Ast. Deutlich weniger Menschen besuchten zuletzt die Frust-Abladestationen,

schreibt Patrick Beuth bei der FR und Peter Turi meldet es im Newsletter.

Vor allem besuchen immer weniger Journalisten die Seiten und schreiben immer weniger darüber, sondern warten am Ortseingang des Gobal Village auf die nächste Sau, die sie empört durchs Dorf treiben können.

FNP hat ge-relaunscht

Die Frankfurter Neue Presse hat sich nun auch ein neues Internet-Gesicht gegeben. Nach einigen Monaten Arbeit ist seit heute das Ergebnis des Relaunches zu sehen. Erster Eindruck: Klassen besser als zuvor, moderner, auf einem iPhone sehr gut zu lesen.
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Ein paar Details:
Die Navigation ist jetzt wie bei den meisten Newsportalen oben horizontal, die Klicks bringende Bildergalerie gleich darunter und in netter Ajax-Darbietung.
Beim Reload kommt als Aufmacherbild ein wahrer Klotz, dann Text, dann Wechsel in einen zweispaltigen Block, dann geht es einspaltig weiter. Sehr aufgelockert, ich verstehe allerdings nicht, warum im einspaltigen der Text nicht um die (immer noch sehr kleinen) Bilder umläuft.

Richtig aufgeräumt ist die Seitenleiste. Grafisch alles aus einem Guß, schöne Tagcloud, Fußball, Podcasts.

Was mir gefällt ist der Verweis aufs Kommentieren schon auf der Startseite im Teasertext. Artikel können auch bewertet werden, ein Feature, dess Sinn ich schon bei anderen Portalen nicht verstanden habe, die sich hauptsächlich mit Agenturenmeldungen füttern. Aber es kann die Leser etwas binden.

Ausserdem ist eine Menge Inhalt auf der Startseite, zumindest was Headlines angeht, das ist eine gute Idee: Gerade mobile Nutzer wollen Wichtiges auf einem Blick haben und sich nicht endlos durch Rubriken klicken.

Während der selbst produzierte Podcastbereich erfreulich groß ist, werden bei den Videos immer noch eingekaufte und selbst produzierte gemixt. Zoomin TV ist halt immer noch die einfachste Art Masse zu bekommen.

Neu ist eine Kochvideo-Kolumne,
Reporterinnen besuchen Leser und kochen gemeinsam. Vielleicht liegt es an meinem Mac und Firefox, aber ich finde die Navigation im Video etwas spärlich: Play und Pause, kein “Share” oder “Volume” oder größeres Bild. Warum um alles in der Welt tun sich Portale so schwer, ihre Videos auch zum Download anzubieten? Gerade wenn die Gefahr eines ruckeligen Players vorhanden ist, sollte das doch kein Problem sein. Da mir der Filename ohnehin angesagt ist, könnte ich das FLV sogar so runterladen. Dann doch bitte gleich mit Link und gängigen Formaten.

Fazit: Die FNP ist nicht für Innovationen und Experimente bekannt, sondern für Solides. Das schätzen die Leser und deshab bekommen sie jetzt online, was gängige Praxis bei Newsportalen ist. Die neue Seite ist aufgeräumter als die alte, die Seitenleiste grafisch wesentlich besser gestaltet und auch inhaltlich gut bestückt.

Sehr cool ist die Map, die man bekommt, wenn man Nachrichten zu bestmmten Orten sucht. allerdings werden dann kleine Pins zu allen Orten engezeigt und zwar soviele, dass man teilweise die Ortsnamen nicht mehr lesen kann.

Eines hat man leider versäumt bisher: Den eigenen Content online großzügig einzubringen. Wenn wie in diesem Artikel eine Reporterin eine Schaustellerfamilie besucht, dann erwarte ich auch eine Menge Bilder (meintewegen in einer Galerie). Diese sind garantiert vorhanden, und deshalb der Vorschlag, hier die eigenen Bilder doch reinzuhauen was geht!

Print. Es bleibt einfach Print.

Ok, man mag es ausdrucken und sich an den Kühlschrank hängen können. Aber gibt es wirklich keine bessere Methode die Wettbewerbe des Tages online abzubilden als den entsprechenden Teil aus der Printausgabe einzuscannen (oder im Redaktionssystem als PDF abzugreifen) und dann als PDF zur Verfügung zu stellen?

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P.S. Das haben Leute wie Eric davon, wenn Sie immer gegen Table-Befehle wettern 🙂

Lernen Tageszeitungen oder sterben sie?

Das fragt Christie Hefner in einem ihrer Blogs: Will Newspapers Learn? Or Die? – Personalities Blog – Playas – Portfolio.com

So when people say to me that “newspapers are dead, they just don’t know it yet,” because they look at the statistics regarding the fall off (the cliff) of younger readers, I wonder if the issue is less a diminishing interest in news and opinion, and more the failure (to date) to find a business model online to substitute for the business model in print that relied on basic monopolies, two revenue streams (circulation and advertising), and healthy ad rates.

Dasmit hat sie recht. Es fehlt nicht am Interesse an Nachrichten, es fehlt am Zugang zum Medium Tageszeitung. Und, wie schon an andere Stelle moniert, an der Unfähigkeit Pagevies in Geld zu verwandeln. Sagt auch Christie Hefner:

If true, then rather than seemingly focusing on cost-cutting their way out of their problems, perhaps newspaper owners should be focused on first, how to make their online content and the online experience on their sites as compelling as possible, including (buckle your seat belts here!) marketing their sites; second, how to consider offering some of that content or some of those experiences in a disaggregated (i.e., not needing a subscription) manner with simple à la carte pricing–the iTunes model; and finally, how to educate advertisers about how to effectively deploy their online budgets, and why consumers online are worth a lot more than advertisers think.

Bayern kontrolliert das Internet-TV

Eben bei Turi 2 gefunden:

Internet-Fernsehen darf in Bayern ab 1. August nur noch mit einer Lizenz gesendet werden. Das gilt für alle Live-Stream-Angebote, die mehr als 500 Zuschauer gleichzeitig zulassen.
“Süddeutsche Zeitung”, Seite 13

Dem ist tatsächlich so, wie die Bayerische Landesmedienanstalt in ihrer Sitzung vom 10.7. beschlossen hat:

Hinsichtlich der Genehmigung von Internet-Fernseh-Angeboten sieht die geänderte Satzung eine zweistufige Unterscheidung dieser Angebote vor, wenn sie im Streaming-Verfahren verbreitet werden:

– Von 500 bis 10.000 gleichzeitigen Zugriffsmöglichkeiten: genehmigungspflichtig und – soweit programminhaltlich keine Bedenken bestehen – genehmigungs­fähig ohne weitere Voraussetzungen,

– über 10.000 gleichzeitige Zugriffsmöglichkeiten: Organisationsverfahren wie bei einem normalen Kabelprogramm unter den Voraussetzungen des § 10 Abs. 2 und 3 FSS.

Jetzt bleibt mir nur die Hoffnung, dass man beim Fernsehen im Sinne eines organisierten Vollprogramms denkt. Das geht nur so klar aus dem Text nicht hervor. Geändert wurde diese Absätze (hier Altversion zitiert)

Weitere lokale/regionale Fernsehprogramme in einem Versorgungsgebiet können in Einzelfällen organisiert werden, wenn zusätzliche drahtlose Fernsehkanäle oder Kabelfernsehkanäle verfügbar sind und dadurch ein besonderer Beitrag zur Meinungsvielfalt erzielt wird sowie die wirtschaftliche Tragfähigkeit der lokalen/regionalen Fernsehprogramme in ihrer Gesamtheit nicht beeinträchtigt wird.

Daneben sind in den festgelegten Versorgungsgebieten zulässig

1. lokale Kabelfernsehprogramme privater Kabelanlagenbetreiber mit einem Programmangebot von bis zu zwei Stunden originärem Bewegtbild pro Woche oder im Wesentlichen mit Serviceangeboten oder einem mindestens hälftigen Textbildangebot für Kabelanlagen mit bis zu 5000 ange-
schlossenen Wohneinheiten,
2. Fernsehprogramme nach Art. 26 Abs. 6 BayMG.

Praktisch nicht kontrollierbar
Schauen wir uns das Ganze mal praktisch an: Wenn ich bei UStream einen Livestream vom Oktoberfest anbiete, ist die BLM dann überhaupt zuständig? Wenn mein Wohnsitz in Hessen ist, ich aber vom Christkindlmarkt in Nürnberg einen Livestream ins Netz stelle, ist die BLM dann zuständig?
Und wie bitte werden die Zuschauer gemessen? Gleichzeitige Zugriffsmöglichkeiten? Was bitte soll das denn?

Keine Ahnung welche Performance Ustream derzeit hat, aber es entbehrt nicht einer gewissen Ironie was ich weiland 2006 beim Medienforum NRW erlebte: Da wollten wir nämlich per UStream senden, und die damalige Pressefrau untersagte uns die Nutzung des Presse-Wifi: Das sei für sowas nicht gedacht.

Und das ausgerechnet im Hoheitsgebiet von Norbert Schneider von der Landesmedienanstalt NRW. Der hatte ja damals schon eine staatliche Kontrolle des Internet gefordert (das ist der Mann, der irgendwie nicht mitbekommen hat, dass er im freien Deutschland ist und nicht in der DDR).

Interessant kann das auch für die Pornoindustrie werden, die ja Livecams im Internet anbietet. Kann man ja auch als Fernsehen werten.

Radiostreaming ist schon länger reguliert
2007 hat die BLM schon einmal zugeschlagen, damals regulierte man das Internetradio.

Erfasst wird Internetradio, das im sog. Streaming-Verfahren verbreitet wird. Audio-Dateien bzw. -files, die (einzeln) von einem Server im Abrufverfahren geladen werden können, werden als Telemedium betrachtet, das genehmigungsfrei angeboten werden kann.

Wird ein Audioangebot im Streaming-Verfahren gleichzeitig mindestens 500 parallelen Nutzern (mind. 500 Ports) angeboten, gehen die Landesmedienanstalten grundsätzlich von einer Darbietung an die Allgemeinheit, also von genehmigungspflichtigem Hörfunk aus.

Dahinter steckt die recht dämliche Ansicht, dass Streaming für alle ist und einzelne Dateien nicht. Was bitte macht ein Flashplayer auf meiner Podcastseite? Er streamt eine einzene Datei.

Geht es vielleicht um die Marktkontrolle. Schließlich wächst der Markt für Internetradios.Man kann sie per Iphone hören und auf der Arbeit. Interessant dabei ist, dass man noch vom Live-Stream spricht. Was aber, wenn es einen on-demand-stream gibt. Sind das dann Dateien?

Das Konzept der Rundfunkgesetze ist längst überholt, zeigt sich mal wieder. Die Regelungen sind nicht auf das Medium Internet übertragbar. Sie hatten vor allem einen technischen Hintergrund (begrenzte Anzahl Frequenzen), und der hat sich mal eben erledigt. Deshalb brauchen wir keine Regulierung. Wir brauchen ein paar Gesetze was man darf und was nicht und gut ist. Für die Überwachung gibt es dann Strafverfolgungsbehören. Alles andere ist der Versuch staatlicher Einflussnahme auf das Recht zur freien Meinungsäußerung und der freien Presse.

Verlage und Monetarisierung im Internet

Ich wurde gebeten, bei Kooptech einen Gastbeitrag zu schreiben über Verlage und welches Problem der Monetarisierung der Onlineaktivitäten sich zu ergeben scheint.

Werbung in Zeiten des Web 2.0 – oder warum Verlage auch im Internet noch drucken

In den Verlagen geht das Wehklagen los, weil die einen mehr Page Views haben als die anderen und das mit angeblich unfairen Mitteln machen. Doch was steckt hinter dem Gejammer? Das Eingeständnis, als Geschäft im Internet gescheitert zu sein. Denn die PI-Gläubigkeit zahlt sich eben nicht in barer Münze aus… den kompletten Artikel bei Kooptech und bitte dort auch die Kommentare.

Wie die taz lieber schriftstellert statt bei den Fakten zu bleiben

Ja, liebe TAZ, da ist dann woohl der Schriftsteller mit Euch durchgegangen, der muss es mit Fakten ja nicht so genau nehmen.

Die Backpacker an der Buddha-Bar
Das Begehr des Rucksacktouristen ist das Abhängen, sein erklärtes Ziel lautet: sparen DAS SCHLAGLOCH von ILIJA TROJANOW

Es geht um Backpacker und ihre Reise von Siem Reap nach Phnom Penh per Boot.

Trojanow war entweder gar nicht auf diesem Boot oder vor vielen Jahren oder hat irgendwie was durcheinandergebracht. Der Artikel strotzt vor sachlichen Fehlern.

Täglich verkehrt ein Schiff zwischen Siem Riep, dem touristischen Einfallstor zu den Angkor-Wat-Ruinen, und Phnom Penh, vormals eine Hauptstadt des Massenmords, heute geschätzt wegen seiner Cafés am Mekong.

Phnom Penh ist mitnichten geschätzt wegen seiner Cafes, die übrigens weniger am Mekong als mehrheitlich am Tonle Sap Fluss liegen (beide fließen in Phnom Penh zusammen), sondern tatsächlich besuchen Touristen und Backpacker auch heute noch Toul Sleng, das Foltergefängnis der Roten Khmer und die Killing Fields sowie den Königspalast.

Es ist ein hochmodernes Schiff, dessen Bug bei voller Geschwindigkeit aus dem Wasser ragt wie der Schnabel eines irre gewordenen Reihers. Nur Touristen können sich diese rasante Fahrt leisten, die einem die zwölfstündige Qual auf den zerfurchten Pisten Kambodschas erspart.

Die Boote des Mekong Express sind alte malayische Schnellboote, man sitzt unterhalb des Wasserspiegels und man nennt sie deswegen auch Flying Coffins. Die Fahrt dauert sechs Stunden, exakt so lang wie per Bus oder Auto über die Straßen, die mitnichten voller Schlaglöcher sind.

Da jedoch die wohlhabenderen Reisenden nach Siem Riep einfliegen, benutzen ausschließlich Backpacker das Boot, jene meist jungen Reisenden, die mit viel Zeit und wenig Geld ausgestattet sind.

Der Flug einfache Strecke kostet 80 Dollar. Das leisten sich auch viele Backpacker, die haben nämlich längst den Faktor Zeit erkannt. Das Boot kostet 25 Dollar, der Bus 6 bis 12 Dollar.

Leider ist der natürliche Kanal für Rennboote nicht breit genug, sodass sich jeder Fischer, der nicht rechtzeitig an Land gepaddelt ist, an die Seiten seines Einbaums klammern muss, um nicht über Bord zu fallen.

Einbäume habe ich nicht gesehen am Tonle Sap See, wohl aber kleine Fischerboote, deren Besitzer den Fahrplan kennen und wissen, wann die Schnellboote kommen.

Bewegung kommt erst wieder auf, als das Schiff die Hauptstadt erreicht und sich auf einmal zwei entschlossene Kohorten gegenüberstehen. Die Rikschafahrer, Hotelagenten und Tourführer auf der einen Seite, klein gewachsene Männer mit dürren Gliedern und einem etwas verzweifelten Gesichtsausdruck, deren Abendessen davon abhängt, ob sie einen Fremden als Kunden ergattern werden.

Es gibt keine Rikschas in Phnom Penh (das sind Gefährte die von einem Menschen gezogen werden), sondern Tuktuks, Cyclos oder Motos. Tourführer ist eine schlechte Übersetzung von Tourguides, gemeint sind Fremdenführer. Und das Abendessen hängt nicht von einem Kunden ab, auch wenn natürlich gerne das Geschäft noch mitgenommen wird. Ein Tuktukfahrer verdient etwa 2 Dollar pro Fahrt und hat am Tag zwischen 10 und 20 Dollar. Cyclofahrer sind schlechter dran, Motodubfahrer leben nicht von ihrem Job sondern haben noch hundret andere Nebengeschäfte. Fremdenführer haben, wenn Sie eine Lizenz haben, einen Tagessatz von 30 Dollar, ohne Lizenz 20 bis 25 DOllar pro Tag. Im übrigen gibt es einen Notstand was Guides angeht, die Nachfrage ist größer als das Angebot. Backpacker hingegen nehmen niemals einen Guide.

Sie springen auf die Mole und wischen die vordersten Angreifer zur Seite wie lästige Moskitos. Man vernimmt erste Ausrufe des Protests: “Two dollar? You must be crazy. Half a dollar, not more!”

Auch wenn das Zitat von einem ungenannten Backpacker stammen soll, sei dies angemerkt: Eine normale Fahrt in Phnom Penh per Tuktuk kostet einen Dollar für die kurze Strecke, 2 Dollar für mehr. Pro Person und bis etwa 21 Uhr. Dann wird meist 1 Dollar Nachtaufschlag verlangt. 50 Cent zahlt man den Motobikefahrern, nur verstehen die kein Englisch, da hilft Fluchen auch nichts (kleine Hilfe für Backpacker: rechts abbiegen heisst bot sdam, links bot tchveig und geradeaus dau drong, geschrieben in meiner Lautsprache. Karten kann kein Fahrer lesen).

Manch ein Paradies ist ruiniert, weil es unangemessen teuer geworden ist.

Hm, in Kambodscha kostet der Liter Benzin jetzt 1,50 Dollar, vor einem Jahr waren es noch unter einem Dollar. Reis und Fleisch ist um zweistellige Prozentsätze teurer geworden. In der Tat sind die veralteten Preise im Lonely Planet ein Problem – aber die Kambodschaner wissen das und wissen sich schon zu wehren, wenn einer zu dreist handeln will.

Die heutigen Rucksacktouristen hegen selten solchen Ambitionen. Ihnen reicht die in den Traveller-Ghettos servierte gefilterte und gechlorte Fremde völlig aus.

Was ein Unsinn. Die Backpackerviertel sind in der Regel weit weg von den Hotels der Paschaltouristen. In Nepal ist das Tamel, in Phnom Penh die Straße 278 und am Boeng Kak See. In Bali sind die Touristen in Nusa Dua, die Backpacker eher noch in Kuta. In Saigon sind die schicken Hotels an der Oper, die Backpacker sind an der Phan Ngu Lao. Da Guesthouses in der Regel Einheimischen gehören, sind Backpacker in der Tat näher dran am Leben als die Pauschaltouristen.

Backpacker sehen alle gleich aus, je nach Aufenthaltsland gehüllt in einen Sarong, einen Lungi, eine Kurta oder in die bunte Posthippieuniform, die man an Tankstellen der Backpacker-Autobahn wie etwa Goa oder Chiang Mai billig erwerben kann.

Ja und? Punker sehen aus wie Punker und Hiphoper wie Hiphoper. Wo ist das Problem? Haben Backpacker gesagt, sie wollen nicht so aussehen?

Irgendwie scheint Herr TROJANOW ein Problem mit Backpackern zu haben. Oder wollte er einfach mal ein paar Zeilen exotisches in die taz rotzen?