Der Shutdown in Bangkok: Ich berichte (fast) live…

So, in Bangkok geht es heute nach los: Die Protestbewegung um den ehemaligen Abgeordneten Suthep Thaugsuban hat bereits einige Kreuzungen in der Stadt besetzt und begonnen, Bühnen und Zelte aufzubauen. Morgen früh dann soll der Verkehr, zumindest in der Innenstadt, komplett zum Erliegen gebracht werden. Lediglich Ambulanzen und Taxis dürfen passieren. Es ist auch versprochen worden, dass die Flughäfen und Bahnstationen, inkusive der Skytrain (MTS) und U-Bahn (MRT) nicht betroffen sein werden.

Mit dem Shutdown will Suthep Premierministerin Yingluk Shinawatra zum Rücktritt zwingen. Sie ist zwar schon zurückgetreten, deshalb gibt es auch am 2. Februar Neuwahlen, aber Suthep will sie nicht mal als kommissarische Regierungschefin haben. (Er will sogar ihr Vermögen beschlagnahmen).

Bisher waren die Demonstrationen weitgehend friedlich, vor allem tagsüber. Am Government House hatte es ein paar Tränengaseinsätze gegeben, und vor allem, nachts gab es Schießereien mit Toten, aber da ist nicht geklärt, was wirklich passiert ist.

Die Schmierfinken von Spiegel Online müssen natürlich Panik machen:

“Bürgerkriegsszenario in Thailand
Bangkok rüstet sich für Massenproteste”

Zwar ist Bürgerkrieg eine mögliche, wenn auch sehr ferne und eher theoretische Option, im Moment sind aber alle Parteien sehr darauf bedacht, jedwede Eskalation zu vermeiden. Gewalt würde vor allem der Armee in die Hand spielen, die dann einen Grund für einen Coup hätte. Es scheint, dass vor allem ausländische Journalisten und so genannte Experten wie Marc Saxer von der Friedrich-Ebert-Stiftung gerne Gewalt sehen wollen – weil damit natürlich mehr Geld zu verdienen ist.

Die Leute in Bangkok haben Zeit genug gehabt, sich auf den Shutdown vorzubereiten. Viele werden wohl zu Hause bleiben und soweit möglich von dort arbeiten. Über hundert Schulen sind geschlossen, was die kInder zu Opfern von machthungrigen Politikern macht.

Ich werde hier ein wenig berichten, was sich in Bangkok so zuträgt. Ich bin nicht besonders betroffen, weil wir etwas ausserhalb wohnen, werde mir die Situation in der Innenstadt aber vor Ort anschauen. Wir rechnen tagsüber zumindest in den ersten Tagen mit einem friedlichen Verlauf, nachts wird es aber sicherlich Gewaltausbrüche geben. Ich rechne damit, dass radikale Protester und ebenso radikale Regierungsanhänger sich Schießereien liefern werden.

Richard Barrow lebt schon lange in Bangkok und ist eine Art Infostelle für Expats und Touristen geworden, vor allem auf Twitter (@richardbarrow).

Er hat aber auch in seinem Blog eine Menge Infos, vor allem auch eine Karte, welche Straßen und Kreuzungen gesperrt sind.

Zu sind auf jeden Fall:

1. Victory Monument
2. Siam Square
3. Ladprao 5-Way Intersection
4. Ratchaprasong Intersection
5. Lumpini Park
6. Asoke Intersection

Alles wird gut!

Der St. Martin-Skandal: Wenn sie halt vorher nicht so laut geschrien hätten

Es ist schon schlimm anzusehen, was ein kleiner Artikel in einer Lokal-Zeitung für Wellen schlagen kann. Jene, die sonst die Kollegen in den Lokalredaktionen belächeln, bekommen den üblichen Schaum vor dem Mund und schreiben ihre Leitartikel über etwas, von dem sie kaum wissen wo es geschieht. Die Taunus-Zeitung hat einen Fehler gemacht, nämlich eine alte Regel zu ernst genommen, nachdem man eine Geschichte nicht totrecherchieren sollte.

Der Autor, ein alter Hase, der etwa zur gleichen Zeit bei der TZ angefangen hat wie ich, hat dabei alle anderen Regeln vergessen: Nämlich zu schauen, ob die Geschichte stimmt, und ob sie trägt. Dass man in Lokalredaktionen nicht ahnt, welche Wellen so etwas schlagen kann ist verständlich. Wer immer wieder von oben gesagt bekommt, wie unwichtig man sei, denkt nicht mehr global (wobei viel Geld aus den Lokalredaktionen kommt, und vor allem die Leser Lokales lesen wollen und nicht den Agenturbrei der Zentralredaktion).

Fehler können passieren, und ich mache der TZ keinen Vorwurf. Ich nehme an dass man sich der Brisanz bewusst war, nicht aber der Tragweite. Man hätte auch eine Entschuldigung schreiben können (ich habe zumindest keine gefunden, nur einen Kommentar indem der Autor sich selbst noch feiert). Man beharrt auf der Richtigkeit, kann aber keine Erklärung geben, warum man den Skandal seit 1998 nicht als solchen gesehen hat. Vielleicht wollte man sich auch mal wieder dem rechten Klientel anbiedern.

Was schlimm ist, ist die Art und Weise wie jene, die Zwangsabgaben für ihr Geschreibsel haben wollen, mit dieser Geschichte umgegangen sind. Ganz vorne natürlich die Bild, die niederste Form des Schreibens, nichtmal das Wort Journalismus wert. Wer dort arbeitet, hat kaum eine Schulbildung gehabt und wenn, dann wohl nicht verstanden. Bild ist Hetze, das wissen wir. Aber auch andere, deren Verleger so laut das Wort Qualität gerufen haben, interessieren sich einen Dreck dafür.

Ich meine mich erinnern zu können dass die TZ schon einmal Eltern zu viel Gewicht gegeben hat. Damals ging es im sexuelle Belästigung in Kitas. Nichts war dran. Aber es machte halt Auflage. (Allerdings hatte auch die Staatsanwaltschaft mehr den Eltern zugehört als nach Fakten zu suchen).

Das Problem von Zeitungen ist immer noch, dass sie sich gottgleich sehen. Journalisten machen keine Fehler, Redaktionsleiter schon gar nicht, und Chefredakteure und Verleger sehen sich als unfehlbar an.

Wieder Demonstrationen in Thailand

Ich habe mal bewusst diese Überschrift gewählt weil ich ja möchte, dass der Artikel Interesse weckt. Es wird wieder demonstriert in Thailand, vor allem in Bangkok. Demos sind an sich nichts Besonderes hier, irgendwer hat immer was auszusetzen. Doch die kommenden Tage werden wohl etwas anders werden: es geht um das Amnestie-Gesetz. Damit sollen eine große Zahl möglicher Straftäter straffrei werden, die in den Tumulten seit 2004 beteiligt waren. Das betrifft die so genannten Red-Shirts die Kaufhäuser angezündet haben und der jetzigen Regierung nahe stehen, aber auch die Yellow-Shirts, die der Oppositon angehören und sowohl den Flughafen besetzt haben als auch die Redshirt-Proteste brutal niedergeschlagen haben. Man könnte meinen, alle kommen dabei gut weg, wenn nicht ein Teil des Gesetzes sich mit dem früheren Premierminister Thaksin beschäftigen würde. Der ist wegen Korruption und dubiose Landgeschäfte verurteilt worden und sitzt im selbstgewählten Exil in Dubai. Kritiker sagen, das Gesetz habe vor allem das Ziel, Thaksin die Rückkehr nach Thailand zu ermögliche und ihm das Geld zurückzugeben, dass die Gerichte beschlagnahmt haben. Hilfreich ist dass die jetzige Premierministerin Yingluck die Schwester Thaksins ist.

Wie sind die kommenden Proteste einzuordnen? In Thailand ist was die Politik angeht nur eines sicher: Man weiß nie was noch kommt. Sicher ist dass das Land tief gespalten ist. Die regierende Pad Theu Partei setzt vor allem auf die Bauern der ländlichen Regionen und stimmt sie mit großzügigen Geschenken milde – unter anderem Festpreise für Reis und Steuererleichterungen für Autos und Landkauf. Die Opposition hat ihre Wähler vor allem in der Mittelschicht der Städte.

Was man wissen muss, ist dass Thailands Politik der verlängerte Arm der Wirtschaft ist. Die meisten Politiker gehören den wenigen einflussreichen Familien an, denen die meisten und größten Firmen in Thailand gehören. Das ist übrigens auch das Rezept, warum Thailand trotz aller Widrigkeiten wie Coups, Tsunami und Proteste schnell wieder hochkam: Die Politik hatte ein Interesse die Geschäfte wieder in Gang zu bringen.

Noch ist die Basis auf der die Regierung steht, breit genug. Die Proteste der Opposition dürften die Reihen der Redshirts wieder schließen und Einigkeit herstellen, um gemeinsam den Gegner zu bekämpfen. Die Opposition hingegen hat es noch nicht geschafft, genügend Leute auf die Straße zu bringen. Zwar lehnen die meisten Thais ein Thaksin-Amnestie-Gesetz ab, das reicht aber noch nicht, um dafür auch zu demonstrieren.

Sorge machen könnte die übliche Strategie der Opposition, Druck auf die Regierung zu machen in dem man die Infrastruktur in Bangkok lahmlegt. Das ist schon mal gelungen mit der Blockade des Flughafens. Jetzt will man die Straßen der Innenstadt besetzen. Mal sehen, wie weit die Demonstranten gehen und ob die Geschäftsleute das lange mitmachen. Denn wenn das Geld ausgeht, um die Protester mit Lebensmitteln zu versorgen, dann sind die auch schnell wieder zu Hause.

Lao-Airlines-Flugzeug stürzt in Pakse ab

In Laos ist gestern eine ATR der Lao Airlines beim Anflug in Pakse abgestürzt. Alle 44 Passagiere und Crewmitglieder sind ums Leben gekommen. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte Sturm, die Ausläufer des Tropischen Sturms NARI waren auch in Laos zu spüren (sogar hier in Thailand).

Wir sind auch mit der ATR nach Pakse geflogen, die Maschine ist weltweit im Einsatz und ich fliege gerne damit. Was in Laos wirklich passiert ist wird hoffentlich eine Ermittlung zeigen, die internationalen Standards genügt. Leider nimmt die laotische Regierung (Eigentümer der Airline) zwar gerne viel Geld von der internationalen Gemeinschaft, kümmert sich aber einen Dreck um internationale Regeln. So ist die Airline nicht IATA safetey zertifiziert.

In Entwicklungsländern hat man immer das Risiko, geringere Standards anzutreffen als in Industrieländern. Bislang hatte Lao Airlines keine Abstürze gehabt, aber mit der ansteigenden Zahl der Flüge war das wohl eine Frage der Zeit. Mein Kandidat war eigentlich Lao Central Airlines, eine neue Airline mit alten russischen 737.

Es ist sehr wahrscheinlich dass das Wetter eine große Rolle beim Absturz spielte, auch wenn solche Stürme üblich sind.

Die Tochter eines guten Freundes aus Laos, gerade mal 18 Jahre alt und auf dem Weg nach Vietnam, wo sie ein Stipendium bekommen hat, war auf dem Flug. Andere Passagiere kannten wir vom sehen – die Expatgemeinde in Laos ist klein.

Pepe

Pepe by thomaswanhoff
Pepe, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

It is now 2 years since Pepe died. He was my first dog and he changed my life. He was born on the street of Teneriffa and we got him when he was not even 2 years old. Pepe moved with us to Cambodia, Vietnam and Laos. He was an extraordinary dog and will never be forgotten.

Barcamp Blogparade: Von Frankfurt nach Phnom Penh

Drüben bei Cortex Digital wird zur Barcamp Blogparade aufgerufen, und eine der Fragen ist, was mein erstes Barcamp war. Weil ich denke dass meine Barcampgeschichte eine vielleicht etwas andere ist, dachte ich, ich mache mal mit.

Es war im Frühjahr 2007, also ich von einem Barcamp in Frankfurt hörte. Genauer gesagt war es in Eschborn, ein Vorort, der auch die GIZ und Teile der Deutschen Bank beherbergt. Das Barcamp war in den Räumen von Cisco, was schon deshalb Geschichte schrieb, weil es wohl einmalig war was die Netzanbindung anging. Wenn nicht da wo sonst?

Wir haben auf der damals neu erschienene Nintendo Wii Tennis gespielt, ich habe Mario kennengelernt, der eigentlich kocht, aber auch bloggt und Videos macht. Und eine Menge andere Leute. Viel wichtiger aber war, dass ich einen Monat später Deutschland verließ und nach Kambodscha ging.
Barcamp Phnom Penh 2008

Im August 2007 gab es in Phnom Penh den Cloggersummit (steht für Cambodian Blogger) und ich sprach dort über Podcasting. Als alles vorbei war, lud man mich zum Orgatreffen ein und wir berieten, was man im nächsten Jahr machen kann. Und da brachte ich ins Spiel, was ich in Frankfurt gelernt hatte: Die Idee des Barcamps. Das würde Kambodascha in eine internationale Bewegung einbinden, und vor allem organisiert es sich selbst. Wir waren zwei Ausländer im Team, alle anderen waren Kambodschaner.

Für Asien sind Barcamps wichtig, weil sie mit der traditionellen Art und Weise der Wissensvermittlung brechen. In Asien wird frontal unterrichtet, und Fragen werden vom Lehrer gestellt. aber nicht von den Schülern. Ein Barcamp bot die Möglichkeit, Wissen so zu vermitteln, dass es verstanden wird – auf Augenhöhe, von den eigenen Leute, und im Diskurs.

Nun warnte man mich, dass die Art und Weise wie Barcamps organisiert werden, nicht gerade populär sei in Asien. Einige hatten Bedenken, dass Kambodschaner eben nicht an die Tafel gehen und sich für eine Session melden. Pustekuchen: Recht schnell war der Sessionplan gefüllt. Am Ende zeigte sich sogar ein Ministeriumssprecher begeistert.

Ich bin dann nach Vietnam gezogen und habe das erste und zweite Barcamp Saigon organisiert. Dann ging es weiter nach Laos, wo ich auch zwei Barcamps organisiert habe. Fürs Barcamp in Phnom Penh hatten wir Spenden gesammelt, um ein paar Geeks aus Myanmar einfliegen zu können, die das Konzept interessant fanden. Das war lange vor der politischen Öffnung. 2010 kamen bereits 1700 Leute nach Yangon, die (Militär)-Regierung hatte fette Bandbreiten bereitgestellt, ohne Proxies. Es gab keine Verhaftungen oder Repressalien. 2012 kam Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zum Barcamp. Und 2013 brach das Barcamp Yangon mit über 6000 Teilnehmern alle Rekorde: Es ist das größte Barcamp der Welt.

Ich bin immer wieder zu anderen Barcamps gefahren, nach Singapur, nach Bangkok, Can Tho in Vietnam und natürlich immer wieder nach Phnom Penh (das nächste dort ist vom 20-12. Oktober 2013).

Überall zeigte sich, dass vor allem die Selbstorganisation, vor allem aber der Austausch auf Augenhöhe genau das sind, was die (jungen) Menschen in Südostasien wollen und brauchen. Wir haben Barcamps mit Budgets von 2000 Dollar organisiert, und hatten zwischen 70-90 Prozent lokale Teilnehmer, die überwiegend in der Landessprache vortrugen. In Phnom Penh baute ein Team den ersten Ballon, der in die Stratosphäre aufstieg, um Videos und Bilder aus der Luft zu machen. (Ich habe in Laos auch das Filmcamp organisiert, bei dem alle wichtigen Leute der Filmbranche zusammenkamen, auch aus der Regierung, und noch nie gesehen Diskussionen hatten. Ein Grund war das Umfeld: Kleine Klassenräume, in denen der Vizechef des Filmdepartments auf dem Tisch sitzen musste, weil alle Stühle belegt waren. Er ist gewohnt einen Prunksessel in der ersten Reihe zu haben)

Vergleichbare Konferenzen von internationalen Organisationen kosten 5-6 stellige Dollarbeträge, sind limitiert was die Teilnehmer und die Vorträge betrifft und werden in der Regel von Expats besucht, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Mein lieber Freund Chantra aus Kambodscha trägt die Barcampidee ins ganze Land, und hat Barcamps in Siem Reap (d ist Angkor Wat), in Battambong, in Sihanoukville und in Kampong Cham organisiert – mit großen Erfolg.

Wenn ich nicht auf dem Barcamp in Frankfurt gewesen wäre und wenn nicht bald drauf der Cloggersummit in Kambodscha gewesen wäre….

Heute gibt es eine Gruppe in Südostasien, die sich Barcampnomads nennt. Das sind Organisatoren von Barcamps und solche, die auf andere Barcamps gehen. Wir treffen uns immer wieder auf einem der Barcamps in der Region. Ich frage mich, ob das auch in Europa so passiert.

Was uns verbindet: Leben im asiatischen Umfeld

Ich lebe zur Zeit in einem Compound in Bangkok, in Deutschland würde man das Reihenhaussiedlung nennen oder Wohnsiedlung. Wir haben in Vietnam in einem Hochaus gelebt, in Phnom Penh in einem kleinen Apartmenthaus und in Laos in einem – unserem ersten – freistehenden Haus. Was wir überall hatten waren einheimische Nachbarn (im Englischen Locals genannt, was mir immer nach Eingeborenen klingt, aber wohl nicht so gemeint ist).

Nun kennen wir aus Deutschland die Dynamiken, die sich in Nachbarschaften bilden. Jeder hat nette und weniger nette Nachbarn, solche mit denen man auch mal feiert und solche die man nicht mal grüßt. Und man gibt jedem seiner Nachbarn Beschreibungen, die mal mehr, mal weniger abhängig sind von persönlichen Neigungen.

Das ist in Asien nicht anders. In der kleinen Seitenstraße in der unser Haus steht, sind vier weitere Häuser auf unserer Seite. Gleich neben uns wohnen Chinesen die selten überhaupt da sind. Daneben eine Wohngemeinschaft aus 3 Thais – wo die Frau immer die Hausarbeit macht und die Männer sich ums Essen kümmern, meist in Form von Delivery Pizza. Deren Nachbarn sind eine Thaifamilie mit zwei Kindern, Eltern und zwei Großmüttern, und der letzte in der Reihe ist eine Familie mit zwei Kindern, er ist Australier und sie ist Thai (plus die Nichte, die als Maid arbeitet).

Dann sind da noch die beiden alten Frauen auf der anderen Straßenseite, die so nett sind dass sie mir manchmal Desserts bringen und mir eine Bananenstaude geschenkt haben. Und die Familie deren Vater peinlichst genau darauf achtet dass beide Autos immer tiptop sauber sind. Und die andere Familie die morgens früh raus muss weil sie ein Restaurant haben (was so gegen 6.30 Uhr öffnet).

Wo immer ich gelebt habe war es so: Nachbarn und Nachbarschaften sind immer gleich. Ein Mikrokosmos mit bestimmten, fast universellen Dynamiken. Natürlich auch lokale Besonderheiten, sonst wäre das ja langweilig. Aber die Menschen, die ähneln sich doch viel mehr als man meinem mag. Sooo groß sind kulturelle Unterschiede gar nicht, zumindest was das Zusammenleben hier angeht.

Fleisch aus dem Labor: Immer her damit

Pig SlaughterDie Deutschen sind ja ein Volk von Fleischessern. 13kg/person/year Rind ist schon eine Menge, wobei die Amis mit 42 noch weit drüber liegen (wir führen aber beim Schwein). Aber egal, die Frage ist, wie lange können wir uns Fleischkonsum noch leisten? Und was essen wir da eigentlich?

Weltweit reden wir über 63 Millionen Tonnen Rindfleisch, 99 Millionen Tonnen Schwein, 12 Milionen Tonnen Ziege, und 83 Millionen Tonnen Huhn. China allein hat in den letzten 20 Jahren seinen Rindfleischkonsum von 2 auf über 10 kg pro Person und Jahr gesteigert. Man kann sich leicht vorstellen, wie das aussieht wenn Brasilien., Indien und Afrika noch weiter wachsen, plus Südostasien.

Um es auf den Punkt zu bringen: So viele Rinder und Schweine kann es gar nicht geben, um den Bedarf zu stillen. Und selbst wenn, werden die Folgen kaum zu ertragen sein. Einmal ist es das Methan, das von Rindern ausgestoßen wird und einen erheblichen Anteil am Klimawandel hat. Zum anderen aber auch indirekte Folgen, wie eine Studie aus Östtereich zeigt:

A major leverage point for the reduction of greenhouse gas emissions of pork production is the facilitation of European animal feed. The majority of vital protein plants such as soybean are currently produced in and imported from areas where de-forestation leads to major climatic and environmental impacts. For this reason the soybean production makes up to 80% of the greenhouse gas emissions of Austrian AMA pork meat. – See more at: http://seri.at/en/projects/completed-projects/spar-pork-meat/#sthash.aLuwVGdB.dpuf

Soja ist auch nicht das Allheilmittel. Ein vegetarischer Tag, wie ihn die Grünen fordern, ist in der Tat hilfreich, wenn auch nicht in Gesetzesform (wobei ich den Aufschrei schon witzig finde, gründen sich doch erhebliche Teile Deutschland auf den Katholizismus, der einen fleischlosen Tag den Gläubigen sehr ans Herz legt).

Die Lösung ist zwar noch nicht in den Supermarktregalen, aber machbar. Kein anderer als Sergej Brin hat es finanziert, und Professor Mark Post hat es verwirklicht: Das erste Fleisch aus dem Labor.

Jetzt nölen natürlich echte Männer rum, das sei kein echtes Fleisch. Na gut, dann wollen wir mal schauen:

Wenn echtes Fleisch nur von echten Tieren kommt, dann sollten echte Männer die auch töten können. Wer hat schon mal ein Schwein, Rind oder Huhn geschlachtet? Wer wäre bereit, dies zur Nahrungsversorgung regelmäßig zu tun?

“Das Labor-Fleisch ist nicht hochwertig”. Was zu beweisen wäre, weil man im Labor sehr gut steuern kann, welche “guten” Inhaltsstoffe in welcher Konzentration vorhanden sind. Vielmehr aber stellt sich die Frage, wie hochwertig das Fleisch ist das wir jetzt essen. 50 Prozent sind Hackfleisch, was in der Nahrungsmittelindustrie aus Pink Slime aka Fleischabfällen hergestellt wird. Das Billigfleisch vom Aldi und Co. kommt aus Massentierhaltung. Wurst wird NICHT aus Rinderfilet gemacht, und IKEAs Meatballs auch nicht.

Laborfleisch ist die einzige Lösung die wir haben. Man sollte alles Geld das für den Militäretat gebraucht wird unverzüglich in diese Forschung stecken. Damit kann man nämlich künftige (Nahrungs-)kriege verhinden.

Es geht mir übrigens nicht darum, dass ein handgefüttertes argentinisches Angusrind nicht gutes Fleisch produziert. Das ist klar. Es geht um die Masse an Fleisch, die produziert wird und die Schaden verursacht.

Es ist wohl eine Haltungsfrage, ob man das Fleisch essen würde oder nicht. Solche, die im Geiste nie wirkliche die Höhle verlassen haben, werden wohl immer wieder Argumente dagegen finden. Bis, wie von Professor Post vorgeschlagen, Laborfleisch wesentlich billiger ist, weil das andere Fleisch mit einer Umweltabgabe versehen ist.

Jamie Oliver hat es in seiner Show mal gezeigt, wie es geht. Das Töten eines Huhns heutzutage.

Persönliches und Nachdenkliches

Mein Vater wäre heute 74 Jahre alt geworden. Er ist vor 23 Jahren an Krebs gestorben. Mittlerweile lebe ich fast genauso lange ohne ihn wie mit ihm.

Was mich so nachdenklich macht ist, wie schnell die Zeit vergeht. 23 Jahre sind eine lange Zeit, aber es kommt mir gar nicht so lange vor. Ich habe auch nicht das Gefühl, schon 47 Jahre auf diesem Planeten zu sein. Man sagt ja dass Mittvierziger ohnehin eine verzerrte Realität haben was ihr gefühltes Alter angeht.

Wenn ich in Erinnerungen schwelge, dann ist es immer schwierig, mein Alter in den Erinnerungen zu bestimmen. Oder anders gesagt: In meinen Erinnerungen bin ich zeitlos. Sicher, als Kind war ich ein Kind, aber das Gefühl ist nicht das eines Kindes, sondern einfach nur mein Ich.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in der Tat wesentlich jünger fühle als ich aussehe und bin. Ein Freund von mir, Benjamin aus Sydney, hat neulich ganz schön beschrieben wie man das Kind in sich finden und bewahren soll. Vielleicht liegt es auch an meinem Lebensumfeld: In Asien sind um die 60 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt. Das heisst, ich bin nur von jungen Menschen umgeben. Vielleicht färbt das ab und hat Einfluss auf Selbstreflektion.

Ich habe mir ein Skateboard gekauft. Nicht weil ich wieder jung sein will oder jetzt in Rapperklamotten rumlaufe. Es hat einen simplen Grund: Damit kann ich mit meinen Hunden hier ein wenig Sport machen. Die können mich ziehen und es ist einfacher als mit dem Fahrrad – da laufen sie mir permanent vor’s Rad. Weil ich früher immer mit dem Skateboard zur Schule bin, ist das für mich eher ein Fortbewegungsmittel denn modisches Gadget. Mag aber von aussen anders aussehen. Gleiches gilt fürs Moped. Mag sein dass bäuchige Mittvierziger komisch aussehen auf einer Honda Scoopy-I, aber es ist halt praktisch: Man kommt durch jeden Stau und findet immer einen Parkplatz.

Ich überlege wie man Vater war als er 47 Jahre alt war. Er war anders sozialisiert, im streng katholischen Bayern aufgewachsen, als ältester Sohn mit viel Verantwortung im autoritären Elternhaus ausgestattet – an der er auch oft scheiterte. Wäre er Skateboard gefahren? Nein. Ich glaube Jeans tragen war so ziemlich das modernste, soweit ich mich erinnere. Ich weiß er war intellektuell fähig, outside the box zu denken. Aber ich glaube das Kind in ihm durfte nicht raus.

Da stellt sich die Frage, ob das an seiner Persönlichkeit lag, oder ein Zeichen seiner Generation. Natürlich hatte meine Elterngeneration weniger Freiheiten und wurde auch so sozialisiert. Natürlich sind die Eltern immer Spießer. Und natürlich gibt es Ausnahmen.

Wie schaut es bei Euch aus, liebe Leser ? Seht ihr euch alterslos? Seht ihr Euch als weise Alte?

Wie die Süddeutsche eine No-News Geschichte schreibt: Hitler-KFC in Thailand

Recherche in anderen Ländern ist schwierig für den deutschen Redakteur der Süddeutschen, deshalb ist er so froh das Internet zu haben. Und das brachte vor ein paar Tagen oder Wochen ein Hitler-Restaurant in Bangkok hervor. Zu schön um wahr zu sein, möchte man meinen. Ist es auch. Also, nicht wahr. Aber es ist nunmal im Internet, und Blogger schreiben darüber.

Und so liest man bei der Süddeutschen:

“Heil Hühnchen”: Ein thailändischer Gastronom klaut angeblich für sein Restaurant das Logo von Kentucky Fried Chicken und ersetzt KFC-Gründer Colonel Sanders ausgerechnet durch Adolf Hitler. KFC kündigt daraufhin rechtliche Schritte an. Aber ist das alles wirklich so geschehen?

Normalerweise würde ein Chefredakteur jetzt den Volo antreten lassen und ihm erklären, dass man in einer Zeitung den Leuten sagt was geschehen ist, und nicht was nicht oder vielleicht geschehen ist oder gar den Leser fragt ob es geschehen ist. Aber der Chef war wohl nicht da.

Also schreibt man auf, wie eine Geschichte keine wurde, nur weil – andere Journalisten – nachgefragt haben.

Aber muss KFC tatsächlich akut um sein Image bangen? Hat sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen? Je mehr sich die Medien der Sache annehmen, desto verworrener wird sie

Als Kronzeuge erscheint Andrew Spooner, ein Blogger, wie die Süddeutsche schreibt, obwohl sie sich auf seine Tweets beruft. Spooner ist ein Journalist, wenn auch von zweifelhaftem Ruf, in Bangkok und London. Allerdings hatte er tatsächlich nicht behauptet, das Restaurant sei in Bangkok. Für den Europäer ist alles was in Thailand passiert, in Bangkok. Deshalb schreibt die Süddeutsche auch, das Restaurant sei in einer “anderen Stadt in Thailand” (es ist Ubon Ratchathani und hat mal eben 200,000 Einwohner) gewesen.

Gewesen. Denn es gibt es gar nicht mehr. Wohl schon seit 2011 nicht mehr. Aber dann wäre ja die ganze Arbeit umsonst gewesen. Also beschreibt man – wohl ungewollt – das eigenen Scheitern.

Ich habe nichts zu verheimlichen. Doch!

Der Spiegel hat es in einem Artikel auf den Punkt gebracht, deswegen möchte ich vor allem diesen einen Absatz hier einfach mal einfügen.

“Sie haben etwas zu verbergen: Ihr Privatleben. Deshalb haben Sie zu Hause Vorhänge an den Fenstern, deshalb verschicken Sie vieles lieber als Brief, nicht als Postkarte.
Was heute als bedeutungslose Information erscheinen mag, könnte eines Tages verhängnisvoll sein. Niemand weiß, welche Regierungsformen in der Zukunft herrschen, welche gesellschaftlichen Werte gelten werden.
Die meisten Menschen wissen nicht, für wen oder was sich Geheimdienste interessieren. Wenn es tatsächlich – wie behauptet – vornehmlich um die Suche nach Terroristen geht, dürften besonders unauffällige Menschen ins Visier geraten. Vielleicht auch nur, weil Sie mit jemandem in Kontakt stehen, der noch unauffälliger ist als Sie selbst – und damit verdächtig. In kurzer Zeit lässt sich aus den Daten, die die Geheimdienste erfassen, ein umfassendes Profil und eine Karte des sozialen Umfelds erstellen.
Einem Algorithmus nutzen auch vermeintlich unwichtige Informationen. Sie können mindestens zur Vergleichsstichprobe werden – bis irgendwann ein Computer unterscheiden kann, was harmloses Geschwätz ist und was nicht. So gesehen helfen Ihre nichtssagenden E-Mails an Tante Frida womöglich der NSA.
Es geht nicht nur um Sie. Wer trotz allem glaubt, dass weder er selbst noch eines seiner Familienmitglieder, noch ein Bekannter eines Familienmitglieds je in das Suchraster eines Geheimdiensts fallen könnte, sollte einmal einen Schritt zurücktreten. Eine automatisierte Überwachung kann in anderen Ländern helfen, blitzschnell Regierungsgegner ausfindig zu machen. Hierzulande bedroht sie Firmeninhaber oder Forscher, Ärzte oder Aktivisten. Und sie kann Journalisten und deren Informanten in Gefahr bringen.
Organisationen, auch die NSA, bestehen aus Menschen, und Menschen sind fehlbar. Allzu mächtige, allzu gut informierte Geheimdienstmitarbeiter könnten durch Unachtsamkeit Daten in die Öffentlichkeit bringen – oder sie für eigene Zwecke missbrauchen.”

Oder mit anderen Worten: sagt später nicht ihr hättet das nicht gewusst

Wer nichts zu verbergen hat…

Wir hatten gestern beim BKKSci Social Treffen eine interessante Diskussion über Privacy und Lauschangriffe staatlicherseits. Es schien sich ein Graben aufzutun zwischen Europa und den USA. Zwei Amerikaner waren tatsächlich der Meinung, dass (fast) alles erlaubt sei, wenn mann denn nur von den Terroristen beschützt wird. Und es kam natürlich auch der ‘Wer nicht zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten”.

So argumentieren nur totalitäre Systeme, die einen total kontrollierten Bürger wollen. Ich habe ja die Theorie, dass es die Siedler-Mentalität ist, die die Amis so paranoid macht: Die “Terroristen” von heute sind die Indianer von gestern. Und wenn es um Leben oder Tod geht zwischen den Planwagen, dann will man keine politischen Diskussionen, sondern Nachtwachen.

Ich argumentierte, dass es ein Recht eines freiem Bürgers sei, Geheimnisse zu haben, sogar lügen zu dürfen. Denn wenn heute unsere Daten für jedes staatliche Organ zugänglich sind, dann sind es morgen unsere Gedanken. Dann müssen wir Elektroden am Kopf ertragen, wenn wir ein Bewerbungsgespräch haben oder in die USA einreisen wollen.

Oder einen Führerschein beantragen. Oder gar einen Pass. Es wird die Gesinnung überprüft. Genau das passiert schon den in den USA, Teilen Englands und auch in Deutschland. Wer Zweifel an der Terrorpanik hat, hat die falsche Gesinnung und ist gegen den Staat.

Wir müssen aufbegehren dagegen. Nicht damit, Bomben zu bauen und Regierungsgebäude in die Luft zu sprengen. Nicht mit Attentaten auf Politiker. Auch wenn sich bei einigen meine Trauer in Grenzen halten würde. Wir müssen laut werden auf die Straße gehen und unsere Stimme erheben, wo immer es geht (ja, ich weiss das sich das leicht sagt, wenn man in Thailand sitzt. Aber ich leiste meinen Beitrag hier in Asien auf andere Art und Weise).

Die Frage ist nicht Terrorabwehr oder Untergang. Die Frage ist Freiheit oder Diktatur.

Wie das ZDF versucht, Stimmung zu machen

Ich weiss ja nicht, ob das ZDF gefeuerte BILD-Redakteure eingestellt hat, oder irgendwelche Volos von der nächtlichen Party noch auf irgendwelchen Drogen sind. Anders kann das wohl kaum erklären (Highlights von mir):

Internet-Angriffe auf Ministerien
Cyber-Angriff: Südkorea löst Alarm aus
Nach dem Zusammenbruch mehrerer Internetseiten der Regierung hat Südkorea am Dienstag Cyber-Angriffs-Alarm ausgelöst. Ob es sich um eine Hackerattacke handelte, war zunächst aber unklar, wie die Behörden mitteilten. [mehr]

Video Cyberwar – das digitale Schlachtfeld
Video Ein Cyberwar als Untergangsszenario?
Video Gefahr aus dem Netz – Viren als Waffe

Da geht dann fast unter, dass man nicht wirklich weiß, was passiert ist. Und dass eine “Attacke”, die Webseiten lahmlegt, nicht wirklich gefährlich ist, wenn auch bisweilen etwas unangenehm. Aber der Beamtenapparat ZDF mag halt lieber Angst machen.

Wie gut man dort in der Redaktion versteht, worüber man spricht, zeigt auch der Screenshot vom Cyberattackcode.
(Dieser Hinweis via @yatil)
Screenshot vom ZDF artikel

NSA und andere: Es braucht wohl wieder Demos

Die gute Nachricht für mich ist, dass es zumindest in Teilen der Gesellschaft einen #Aufschrei gibt über das, was US und andere Geheimdienste so tun. Die Details, wer was tut oder wenigstens zugibt zu tun, sind dabei weniger wichtig. Worum es geht ist die Verfassung des Staates, und damit meine ich nicht das Buch, in dem es geschrieben steht, sondern wie es um den Staat bestellt ist.

Der Staat sollte ja in einer Demokratie so eine Verwaltung des Gemeinwesens sein. Wir Bürger haben keine Zeit, Straßen zu bauen, und deshalb bezahlen wir Steuern und stellen Leute dafür an. Das sind dann Ministerien. Damit die keinen Mist bauen, wählen wir Leute, die auf unsere Steuern aufpassen. So war das mal gedacht.

Heute passen die Leute, die wir wählen, vor allem auf sich selbst auf – und ihr Wohlergehen. Sei es wieder gewählt zu werden, einen Ministerposten zu bekommen oder in einem von der Lobby umworbenen Ausschuss zu sitzen – Politiker setzen ihre eigenen Prioritäten. Und deshalb ist es ihnen relativ egal, ob und wo Straßen gebaut werden. Zum Beispiel. Oder ob es den Menschen gut geht oder nicht. Ich behaupte 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten haben eigene Interessen, und nur diese. Zumindest wenn sie eine Wahlperiode überstanden haben.

Die Lauschangriffe der Amis sind derzeit nur deshalb so empörend, weil man sie erwischt hat. Dumm ist nur, dass Assange, Manning und Snowden die Grundfesten der demokratischen Staaten erschüttern. Das Vertrauen in den Staat. Wir Bürger entfernen uns emotional vom Staat, weil dieser sich in Gestalt seiner Regierung physisch von uns entfernt. Wir haben keine Kontrolle mehr. Und das macht uns Angst. Und wer Angst hat, gibt irgendwann auf. Und begehrt nicht auf. So will man es am liebsten, wenn man an der Regierung ist: Brave Bürger, die nicht aufbegehren.

Nur: sind wir wirklich schon so weit? Reicht uns ein Markus Lanz in Mallorca, um uns dermaßen einzulullen? Oder sind wir in der Lage, unsere Bürgerrechte zu verteidigen? “Wer nichts zu verbergen hat, dem wird auch nichts passieren” ist ein gefährlicher und dummer Satz. Es geht den Staat nichts an, ob und was ich zu verbergen habe. Ich habe ein Recht darauf, etwas zu verbergen. Meine Gedanken sind frei. Nicht umsonst hat man es schwierig gemacht, in die Privatsphäre eingreifen zu dürfen Staatlicherseits.

Wie also kann man den Spieß wieder umdrehen? Mit dem Wahlzettel wohl nicht, das bedauerlicherweise die großen Parteien einig sind darin, den Bürger weiter außen vor zu halten und zu bevormunden. Indem man selbst Politik macht? Ein guter Weg, aber ein steiniger, wie man gerade bei den Piraten sieht, und das Ziel kann manchmal anders aussehen als man zu Beginn der Reise denkt (wie man heute bei den Grünen sieht (Laaaaangweilig!).

Ausserparlamentarische Opposition? Ja. Ich denke es braucht die Straße. Es braucht einen deutschen, britischen, französischen, amerikanischen Frühling. Jene, die gerade die Aktionen in Brasilen solidarisch mit einem gewaltigen “Like” unter jedem Demonstranten-Foto unterstützen, sollten in Deutschland auf die Straße gehen. Laut sein, Die Stimme erheben. Und klare Forderungen aufstellen: Bürgerkomitees vielleicht, die die Geheimdienste kontrollieren. Oder die Geheimdienste ganz abschaffen. Transparenz für die Regierung schaffen, und zwar richtig. Jede Kabinettssitzung hat öffentlich gemacht zu werden. Für Sonderregelungen bedarf es einen Gerichtsbeschlusses. Kein “Was wir mit den Herren von Springer besprechen, geht keinen was an”. #LSR.

Ich befürchte, dass wenn es nicht eine friedliche Bewegung gibt, man irgendwann wieder in der 70er landen wird. Dann nämlich werden einige mit Gewalt reagieren gegen die Personen, die sie als die Verantwortlichen sehen. Weil sie frustriert sind, nicht gehört zu werden. Weil sie alleine gelassen werden.

Wer Hunde liebt, adoptiert einen Straßenhund…

… wer sich selbst liebt, kauft einen kleinen Rassehund.

Ich habe nichts gegen Rassehunde, ich habe gar nichts gegen irgendwelche Hunde. Ich liebe Hunde. Aber ich lasse sie Hunde sein. Was derzeit hier in Asien passiert (aber auch in Deutschland sichtbar ist), geht auf keine Hunde, sorry, Kuhhaut. Jeder will kleine süße Hunde, die man mit ins Flugzeug nehmen kann und die im Starbucks neben einem im Körbchen sitzen dürfen. Ich frage mich ob die kleinen Chiwawas und Pinscher jemals den Boden mit ihren Pfoten berühren dürfen.
Dog strollers

Kein Wunder dass viele (die meisten?) dieser Schoßhündchen Verhaltensprobleme haben, aggressiv gegenüber anderen Menschen oder Hunden sind. Gar nicht zu reden von zu vielen Pitbulls, Rottweilern und Dobermännern, die in den falschen Händen sind. Auch wenn jetzt die übliche Schnappatmung kommt: Für zuviele Halter sind diese Hunde eine Schwanzverlängerung. So wie die kleinen Hunde fürs Frauchen ein Babyersatz sind. Das Problem: Keiner denkt an die Hunde.

Wir haben jetzt fünf Hunde. Pixie die älteste (12), ist ein Straßenhund aus Teneriffa. Pepe, auch von Teneriffa, starb in Laos mit 12 Jahren an einem Parasiten. Pipa ist ein laotischer Hund, die schwächste aus einem Wurf von 5 Welpen, die wohl kaum eine Chance gehabt hätte (zumal sie mit 8 Wochen Distemper bekam, das aber dank unseren Tierarzt und viel Penicilin überlebte). Pimmy habe ich morgens im Straßengraben gefunden, er war etwa 4 Wochen alt, mehr tot als lebendig und wurde einfach weggeworfen. Yoda ist ein Tempelhund aus Bangkok, der schlimme Hautprobleme hatte und Deformationen an den Beinen. Wir habe ihn operieren lassen und er bekam Schwimmtherapie, um seine Muskeln zu stärken. Puna ist unser Neuzugang: Sie lebte an einer Tankstelle in Bangkok als Straßenhund. Vor drei Jahren wurde sie von einem Auto angefahren, ihr linkes Vorderbein wurde zerschmettert und niemals behandelt. Wir fanden sie in einem Hospital, dass sich auf behinderte Hunde spezialisiert und versucht, diese zu vermitteln. Puna wollte niemand. Wir haben versucht, das Bein mit Spezialschienen zu stabilisieren, was aber keinen Erfolg hat. Sie hat kein Gefühl in der Pfote, was bedeutet, sie kann nicht auftreten, sondern schleift sie hinter sich her – was wiederum zu offenen Wunden führt. In Absprache mit dem Tierarzt haben wir und entschlossen, das Bein abnehmen zu lassen. Dann kann sie auf drei Beinen laufen, ohne permanent durch das lahme Bein behindert zu werden.

Puna

Wir bringen unsere Hunde nicht in den Hundesalon, wir transportieren sie nicht in Strollern, sie haben keine T-Shirts und Schleifchen im Haar, sie riechen nach Hund und nicht nach Parfum und sie dürfen vor allem Hund sein. Als wir Puna als neuen Hund heimbrachten, gab es keine Probleme: Sie beschnüffelten sich kurz, und das war es.

Alle Hunde sind kastriert/sterilisiert und geimpft.

Es gibt nicht nur genug, sondern zu viele Hunde auf der Welt. Ich kenne die Gründe, warum man unbedingt einen Rassehund meint besitzen zu müssen. Die meisten haben wenig mit dem Hund zu tun.

Weg mit den Anchorleuten und Chef-Korrespondenten

Das Desaster von Claus Kleber und dem iranischen Präsidenten hat es am Deutlichsten gemacht: Die Promis im deutschen Journalismus sind brave Fragensteller. Kleber war schon immer ein eitler Fatzke, der in den USA vor allem seine Produzenten arbeiten ließ und sich selbst lieber im Spiegel anschaute als eine Story zu recherchieren. Wer keine Ahnung (mehr) von seinem eigenen Business hat, macht wohl solche Aussagen wie die über die Tagesschau.

Aber er ist kein Einzelfall. Es liegt wohl in der Natur der Karriere, dass Journalisten, so sie befördert sind, das Interesse am Journalismus verlieren. Sie werden zu PR-Maschinen für den Sender oder Verlag, zu Verwaltungsangestellten die Budgets und Mitarbeiter verwalten. Oder sie werden Korrespondenten. Das sind in der Regel verdiente Mitarbeiter, die meist keine Sprachkenntnisse des Landes haben, in dem sie arbeiten.

Sie haben einen Mitarbeiter, der ihnen die Zeitungen vorliest (oder TV übersetzt), und dann klauen sie eine Geschichte und erzählen sie nach (wenn sie en gros machen, nennt man das eine Serie “Mein (Landesnamen hier einsetzen)”. Natürlich brauchen sie die Akkreditierung zur Regierungspressekonferenz, als ob dort irgendetwas passiert, was nicht in der vorab verteilten Presseerklärung stehen würde. Aber es macht sich gut, wenn der eigene Mann (oder Frau) beim Schwenk der Kamera zu sehen ist (oder gar eine Frage stellen darf!).

Gleich ob Ressortleiter, der die Welt nur noch aus Agenturen sieht, oder selbstgefälliger Korrespondent, sie alle haben eines verloren: Den Kontakt zu Leser. Oder um noch weiter zu gehen: Sie können selbst nicht mehr lesen. Dann nämlich wüssten sie, dass sie nur das sagen, was andere schon gesagt haben, oder was andere möchten, dass sie es sagen. Ein Regierungsstatement hat immer mehr Platz als das der Oppositionspartei, und Statements ausserhalb des parlamentarischen Systems kommen nur vor, wenn sie von bekannten Lobbyisten kommen.

Nicht dass das ein deutsches Problem ist. Alles, zumindest westlichen Staaten haben es. Die so genannte Presse ist gefangen in Selbstgefälligkeiten, Quoten und Arroganz. Natürliche gibt es Ausnahmen. Tom Burrow war so eine, als er noch in den USA war. Kristie Lu Stout von CNN weiss immer von was sie spricht (und ist sich auch nicht zu Schade, mit ihren Zuschauern zu kommunizieren). Aber es sind wenige. Die überwiegende Mehrzahl der Journalisten in höheren Positionen würden in einer Lokalredaktion heute völlig versagen, weil sie keine Ahnung mehr haben, wie man eine Geschichte findet und schreibt.

DESWEGEN braucht es Blogs und Social Media.
(So, fertig mit dem Rant)

Warum bauen alternative Mediziner nicht auch Raketen?

Irgendwie ist das schon erschreckend, wenn man sieht, wie die Wissenschaft vor die Hunde geht. Kein Tag an dem die Prinzipien der Wissenschaft nicht in Frage gestellt werden. Heute las ich auf Twitter, dass jemand seine Hepatitis B mit Vitamin C Infusionen geheilt haben soll. (Warum das Unsinn ist, kann man hier nachlesen)

Jetzt nehmen wir mal an, die Wissenschaft wie wir sie kennen, vor allem die Medizin, liegt so falsch, wie Homöopathen und Alternativmediziner immer behaupten. Das bedeutet auch, dass das Fundament der Medizin, nämlich die wissenschaftliche Herangehensweise mit Hypothesen, Experimenten und ihre Überprüfbarkeit auch falsch sind. Denn die schaffen es ja bis heute nicht, das Gedächtnis im Wasser nachzuvollziehen oder anschaulich darzustellen. Nehmen wir auch an, dass bisherige Erfolge der Medizin bei der Bekämpfung von Krankheiten Zufälle waren.

Und dann lassen wir mal die Heiler ran, aber nicht an die Medizin, das ist langweilig, sondern an die anderen Wissenschaftsbereiche. Denn die basieren ja auf den gleichen angeblich so falschen Annahmen wie es die böse Schulmedizin tut.

Ich frage mich, warum die Alternativmediziner und Geistheiler noch nicht auf die Idee gekommen sind, zum Beispiel ins lukrative Geschäft mit dem Weltraum einzusteigen. Sie sind ja sonst schnell dabei wenn es um Geld geht. Das Teure an der bisherigen Raumfahrt ist, der Gravitation zu entkommen. Da wäre es doch hervorragend, einen alternativen Ansatz zu haben. (Wahrscheinlich werden die Angesprochenen jetzt sagen, den haben sie schon, aber sie dürfen ihn nicht umsetzen, weil mächtige Politiker und Industrielle ihnen das verbieten. Glaube ich aber nicht: Sowohl Politiker als auch Industrielle werden schnell die Meinung ändern, wenn sie Geld machen können).

Energie ist auch so eine Sache. Die klassische Wissenschaft schlägt sich immer noch mit Effizienzraten um die 40 Prozent bei Solarzellen rum. Wie cool wäre eine alternative Zelle, die sich an die Wärme erinnert und dann 100 Prozent Strom raushaut? (Ja, auch in diesem Bereich gibt es Scharlatane, die behaupten das Problem gelöst zu haben).

Oder gar die Klimaerwärmung! Die Menschen in Passau wären bestimmt heilfroh, wenn man wüsste, dass sich die Donau an Pegelstände zu Zeiten der Römer erinnert hat und die ausgerechnet in diesem Jahr wieder erreichen will. Wenn wir doch nur zu ihr sprechen könnten. Oder verstehen, was uns die Wolken sagen, und die Regentropfen. Wenn das ein Code ist, den wir nur entschlüsseln müssen, und schon verstehen wir das Ganze. Ok, das wird noch immer nicht Naturkatastrophen verhindern, aber Homöopathie hat ja auch HIV noch nicht ausgerottet.

Es geht mir hier übrigens nicht um Naturmedizin, also Medikamente auf natürlicher Basis, der Wirkung erwiesen und in Experimenten nachvollzogen wurde.

Digitale Helferlein – was wir wirklich brauchen

Ich habe mit Siri, Google Now, Sherpa und anderen herum gespielt. Ich mag die Idee einer digitalen Sekretärin, die mich an Dinge erinnert und mir hilft, Informationen zu finden. Nur sind die existierenden Apps weit davon entfernt. Die Gründe liegen auch daran, dass Entwickler die Menschen nicht verstehen. Google Now beschränkt sich im wesentlichen auf Reisen, Sport und News – und Kalendereinträge. Nur besteht unser Leben aus mehr. Vor allem Reisen ist überbewertet, als ob die Mehrheit der Menschen ständig in ein Flugzeug steigt oder Termine ausserhalb des Büros hat.
Was ein digitaler Assistent machen soll, ist mich an Dinge erinnern, die ich vergesse. Zum Beispiel ins Fitnessstudio zu gehen. Den Garten zu wässern. Gesund zu essen. Blumen zu kaufen. Die wichtigen Dinge habe ich in meinem Kopf. Dass mir Google Now das Gate zeigt am Flughafen ist toll, aber das steht entweder auf meiner Bordkarte oder auf einer Tafel am Airport.

Vielleicht liegt es daran dass ich jetzt Hausmann bin, der, man glaube es oder nicht, eine Menge Tasks hat, die schnell vergessen sind. Staub wischen, Wäsche waschen, Einkaufen, alles Dinge die ich mehr oder weniger täglich mache, aber die ich auch schon mal vergesse oder verdränge, weil etwas dazwischen gekommen ist.

Ich glaube, digitale Assistenten müssen viel mehr Augenmerk auf Tasks legen und auf das, was wir wirklich machen. Sie müssten den Facebook-Status auslesen, um zu wissen, wann ich gerne Kaffee trinke, wo ich Sport treibe etc. Die Daten sind vorhanden, sie müssen nur zusammengebracht werden. (Google hat es bis heute nicht geschafft, eine ordentliche Task-App zu bauen und zu integrieren)

Eine Möglichkeit wäre, dass man eine Liste an Tasks erstellt, die als Basis dient für den Assistenten, so wie wir das im Büroleben auch mit einer Sekretärin machen (Abteilungsleiter-Report immer Montags). Und dann muss die App eben unsere Gewohnheiten kennen(lernen), Check-Ins auslesen und Aktivitäten. Vielleicht kann man auch hashtags benutzen, um sie zu füttern.

Wäre das alles schon möglich, hätte ich heute morgen nicht Milch kaufen müssen, weil ich es gestern vergessen habe.

Bangkok: Leben hinter Mauern

Unser Haus in Bangkok

Wir leben hier in Bangkok hinter Mauern. Auf Englisch sagt man Compound, auf Thai Muu Ban, und ich weiß gar nicht ob es ein deutsches Wort dafür gibt. Reihenhaussiedlung trifft es am besten, nur haben die meistens keinen eigenen Sicherheitsdienst und Fitness-Center. Wir schon. Wohnanlage klingt nach Senioren.

Der wesentlich Grund in einen Compound zu ziehen waren unsere Hunde. Wenn man in Bangkok wohnt, dann kann man eigentlich vergessen, mit seinen Hunden rauszugehen. Entweder man wohnt an einer Hauptverkehrsstraße, an der die Bürgersteige von Händlern vollgestellt sind, oder man wohnt in einer Nebenstraße, in der etwa 300000000 Straßenhunde wohnen. Für die meisten Hundebesitzer bleibt da nur großer Garten oder eben Compound.

Pool area

Der Vorteil hier ist, dass wir in aller Ruhe mit den Hunden (wir haben vier) spazieren gehen können, ohne das Autos vorbei rasen oder eben Straßenhunde uns das Leben schwer machen. Nicht dass das hier falsch verstanden wird: Wir haben nichts gegen Straßenhunde, drei von unseren Hunden sind solche. Nur sind die Soi dogs hier eben extrem territorial, und wir haben wenig Lust jeden Morgen irgendwelche Streitereien zu schlichten. In Laos war die Zahl der Hunde übersichtlich, und vor allem waren sie nicht alle auf einem Haufen.

Ein anderer Grund für den Compound ist die Ruhe. Wir wohnen in Samut Prakan, was technisch die Nachbarprovinz zu Bangkok ist. Dennoch ist das Leben hier noch quirlig genug, und wenn wir unseren Muu Ban verlassen, sind wir mitten im Stadtleben. Aber hier drinnen, hinter den Mauern, ist es ruhig. Das braucht man, wenn man in Bangkok wohnt. (Deshalb haben wir Phu My Hung in Saigon zu geliebt, da war das ähnlich).

Und schließlich ist da noch die Sicherheit. Ein Muu Ban hat ein großes Tor mit Sicherheitsdienst und Schranken. Wer hier rein will und hier nicht wohnt, muss seine ID abgeben. Er wird von der Security zum Haus geleitet. Im Compound verteilt sind vier weitere Sicherheitsposten. Die passen nicht nur auf, sondern rufen mir auch ein Taxi oder Mototaxi. (Einer kommt aus dem Isaan, Nordosten Thailands. Bei ihm kann ich mit meinen Lao-Kenntnissen protzen.)

Dass wir eine sehr schöne Poolanlage haben und in Fitnesscenter, dass hier alles sauber ist, weil die Anlage Heerscharen von Gärtnern beschäftigt, sind weitere Pluspunkte.

Park in our compound

Manche Expats mögen sagen, das sei nicht authentisch (wobei ich mich frage, ob sie das auch zu den überwiegend thailändischen Nachbarn hier sagen), oder es sei nicht mitten in der Stadt. Letzteres ist Absicht: Es ist billiger, ruhiger, und wir können mit der S-Bahn in 30 Minuten in Downtown Bangkok sein. Das haben wir von Königstein nach Frankfurt auch gebraucht.

Ach so, die Lage ist übrigens auch gut: Central Bangna, Paradise Park und Mega Bangna sind Shoppingsmalls in unmittelbarer Nähe, der Flughafen ist 30 Minuten entfernt, Krankenhäuser, Supermärkte, Tierärzte und Starbucks haben wir auch um uns herum. Wer braucht da schon Thong Lor?