Sven, komm mal wieder runter

Sven Regener hat recht, man soll nicht stehlen, weder Cola im Supermarkt noch im (virtuellen Plattenladen). Warum er aber nun behauptet, keiner wolle mehr für Musik bezahlen, ist mir schleierhaft. Mein iTunes-Account sagt was anderes. er hat als alter Rocker leider nicht das Internet begriffen. Weil eben die Plattenlabels nicht mehr so viel Geld haben für Promotion, braucht es eben soziale Netze, die das manchmal sogar besser machen. Wahrscheinlich kauft keiner mehr seine Platten, habe ich das Gefühl. Ich bin auch Urheber, und ich möchte gerne Änderungen im Urheberrecht, weil ich es für überholt halte. Das heisst nicht dass jedes Buch oder Werk Open Access werden soll. Es geht um Laufzeiten, aber auch um Fair Use. Und es geht darum, die Gema abzuschaffen und etwas anderes, besseres auf die Beine zu stellen.

Ein paar Worte über Buddhismus

Ich sehe jeden Tag hier Backpacker in Laos, die in den Tempeln umher rennen und die Mönche so toll finden, und Laos überhaupt, weil das ja noch so ursprünglich buddhistisch ist. Sieht auch so aus auf den ersten Blick, ist es aber nicht.

Zunächst einmal sind die Mönche und Tempel fast das einzige, was vom reinen Buddhismus übrig ist. Der Pfad der Tugenden wird schon lange nicht mehr beschritten (Fleisch essen zum Beispiel ist ein Zeichen für Wohlstand, gleich zwei Verfehlungen).

Der Buddhismus in Thailand und Laos (auch in Kambodscha) hat aber vor allem Wandlungen und Adaptionen erfahren. Es gibt überall lokale Riten. In Laos und Thailand spielt der Animismus eine große, wenn nicht sogar größere Rolle als die Lehren Buddhas. Geister machen den Leuten hier so viel Angst, dass Miningcompanies einen Ghostbuster einstellen müssen, wenn unter Tage gearbeitet wird.

Vor allem aber haben Tempel und die Religion die Funktion des Animismus übernommen, zu beschütze und Glück (und Wohlstand) zu bringen. Laotische Familien schicken, wenn das Geld knapp wird, gerne mal den Sohn in den Tempel, um ein paar Karmapunkte zu sammeln (oder wenn sie Mist gebaut haben, zum Beispiel jemanden mit dem Auto überfahren). Dabei geht es nicht ums Büßen und die Einsicht, sondern um Ablass.

Wer glaubt dass buddhistische Mönche den ganzen Tag meditieren, liegt auch falsch. Sie lehren und lernen, sie benutzen Computer und Mobiltelefone und bisweilen schauen sie auch einem Mädchen nach, dass am Tempel vorbeiläuft. Viele sind ohnehin nur im Kloster, weil die Familie eine Ausbildung nicht bezahlen konnte (bisweilen auch im Gefängnis zu vermeiden).

Dabei ist das Status der religion in asien nicht soviel anders als in Deutschland. Auch hier geht man, vor allem in den Städten, nur noch zu bedeutenden Festen in den Tempel (analog Ostern und Weihnachten). Auch hier betet man für sich und die Familie und dass Gott sie beschützen möge. Ein Zeichen des Wandels sind die Opfergaben. Eigentlich dienten sie einst als Essen-Spende für die Mönche. Die durften nicht selbst kochen, und waren auf die Unterstützung des Dorfes angewiesen. Also kochten die Familien für sie. Wenn ich heute in meiner Straße sehen, was in den Opferschalen liegt, dann sehe ich Instantsuppen, Geld und Süßigkeiten. In Bangkok ist das shcon ein Problem geworden, weil die Mönche durch Mangelernährung krank werden.

Die Ahnenschreine und Altäre in und vor den Häusern sind übrigens auch Übrigbleibsel der animistischen Religion.

Sehr gute Einsichten über Religion in Thailand bekommt man beim www.bangkokpodcast.com

Weihnachten in Asien

Die Asiaten haben ein sehr lockeres Verhältnis zu Weihnachten. Für sie ist es vor allem ein Grund zu feiern. In Saigon zum Beispiel bricht am 25.12. regelmäßig der Verkehr zusammen, weil die halbe Stadt unterwegs ist und Fotos macht vor Weihnachtsschaufenstern und – bäumen. IN Vientiane haben wir 5 Tage lang ein großes Konzert in der Beer Lao Music Zone, wo auch der Countdown stattfindet (so wird Silvester genannt hier). Es gibt zwar auch Lao New Year, aber wenn man zwei mal feiern kann, ist das auch gut. Während in den USA Behörden kein Merry Christmas mehr wünschen dürfen, sondern Happy Holidays verwenden müssen, wird hier zu Lande wenig Aufhebens gemacht – der religiösen Hinterrund interessiert einfachen keinen. Hauptsache man hat einen Grund das Geschäft anzukurbeln (hiesige Boutiquen haben vor allem rote Kleidung im Schaufenster). So kommen Containerladungen von Weihnachtsmützen aus China nach ganz Asien – kaum ein Laden in dem die Bediensteten noch ohne auskommen. Und ja, auch in Südostasien hat Last Christmas Einzug gehalten.

Dinosaurier

IMG_4645 by thomaswanhoff
IMG_4645, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

Dieses Bild habe ich in Thailand gemacht, in der Nähe von Khon Kaen. Es ist ein Dinosaurierpark, der zu einem Museum gehört, was gleich in der Nähe ist. Beides is gleichmaßen unterhaltend wie interessant. Beides ist gerade mal 2 Stunden von der laotischen Grenze entfernt. Und doch zeigt sich darin, dass die Entfernung was die Entwicklung beider Länder angeht, viel größer ist. Der Nordwesten Thailand, das Isaan-Gebiet, hat den gleichen kulturellen Hintergrund wie Laos, man spricht sogar die gleiche Sprache. Auch geographisch gibt es keinen Unterschied, das Klima ist das gleiche, sogar der Boden.
Also kann es nur das politische Klima sein, was die Thailänder zu Geschäftsleuten macht und die Laoten zu Empfängern von Spenden. Denn auch wenn immer wieder Wirtschaftsdienste vom Boom sprechen, werden vor allem Infrastrukturmaßnahmen in Laos nur dann durchgeführt, wenn ein Geberland das finanziert. Das Geberland bekommt dann entweder auch den Auftrag die Strasse zu bauen (womit das Geld wieder zurückfließt) oder aber bekommt Landkozessionen, Minenrechte oder ähnliches.
Tatsächlich ist es extrem schwierig in Laos Geschäfte zu machen, die Korruption und fehlende Gesetze und Durchführungsverordnungen machen eine ordentliche Planung fast unmöglich.
auch in Thailand gibt es Korruption, aber eben auch ein Klima in dem Geschäfte einfacher gemacht werden können. Und auch eine bessere Ausbildung, das nur am Rande.
Während die Thais also die Dinosaurier ausstellen und damit Geld machen und das eigene Volk bilden, versuchen die Laoten eher solche zu bleiben.

Modernes Management: Produkt oder Zahlen

Ich stoße immer wieder auf Manager, die gelernt haben (und das als richtig verteidigen), dass man eine Firma leiten kann, ohne wirklich eine Ahnung von dem haben zu müssen, was die Firma tatsächlich macht. Oder wie ein Geschäftsführer es formulierte: Man sollte sich von den Operations fernhalten.
In der Tat kann es störend sein, wenn man sich um zu viel Kleikram kümmern muss. Aber ist das Produkt nicht letztlich das, was das Geld bringt.
Ich kenne den Fall eines Managing Direktors, der glaubt, Restaurants und Hotels vom Schreibtisch führen zu können. Entsprechend drunter und drüber geht es in seinem Laden. Vor allem Marketingsaktionen führen zu nichts, weil weder ein Wissen über die Zusammensetzung der Kunden vorhanden ist, noch umfangreiche Mittbewerberanalyse. Und: Das Produkt wird gerade zu Tode gespart, etwas was im Hotel und Restaurantbereich schnell gefährlich werden kann.
Beispiele wie Daimler und Apple zeigen, wie vorteilhaft es sein kann, wenn ein Unternehmer weiss was er macht. Der deutsche Mittelstand ist nicht aufgebaut worden von Betriebswirten, sondern vor allem von Ingenieuren, die vielleicht nicht immer die besten Betriebswirte sind und da Hilfe brauchen. Aber sie können die Produkte verbessern und vor allem sind sie mit Herzblut dabei.
Die Bankenkrise zeigt, was passiert, wenn man Textbook-Manager auf neue Posten setzt. Sie haben gar keinen Anreiz, die Situation zu verbessern, weil sie schon beim Unterschreiben des Vertrages ausgesorgt haben.
Braucht es also wieder Manager, die sehr wohl einen Blick auf die Operations haben, also wie sich das Produkt entwickelt, wie es produziert wird und wie es sich wo an wen verkauft, oder reichen Excel Tabellen mit den nackten Zahlen aus?

Haus bauen, Kind kriegen, Baum pflanzen

Irgendwie war das mal die Dreifaltigkeit des modernen Menschen – des Homo Sapiens, der sich seiner Aufgabe in der Fortpflanzung und als Homo sociales bewusst ist. aber wie schaut es damit aus heute?

Kind kriegen ist noch recht verbreitet, aber die Zahl der Kinder nimmt ab – was eigentlich ein gutes Zeichen ist, wie der von mir hoch verehrte Hans Rosling bei TED dargestellt hat. Nun wird es aber wohl noch eine Weile dauern bis die Deutschen aussterben, und schliesslich kann man das ja auch durch Einwanderung regeln. Ja, Kinder sind wichtig für die Gesellschaft, aber muss das jeder? (Ich selbst habe keine und werde keine haben, das ist aber eine sehr persönliche Entscheidung)

Ein Haus bauen ist eine echte Herausforderung dieser Tage. Wirtschaftlich macht es eigentlich keinen Sinn mehr wenn man nicht genügend Eigenkapital hat. Man rackert sich ab um die Zinsen zu bezahlen und kann doch gar nicht sagen, ob man wirklich 30 Jahre lang in der Lage ist das zu tun. Hier in Asien bekomm man ein lokales Haus noch für 10.000 – 20.000 Dollar gebaut (das ist aber nichts großartiges), aber in Europa sieht es da ganz anders aus. Gesamtkosten für ein Einfamilienhaus in Höhe von EUR 233.600,– habe ich auf die schnelle gefunden – nach oben offen. Kaum einer kann sich das heute noch leisten, vor allem weil wir eben nicht wissen was in 10 Jahren sein wird: Hält die Familie, bleibt der Job, gibt es Umweltfaktoren oder anderes die einen Umzug notwendig machen?

Bleibt der Baum. Eigentlich das einfachste. Eine Baum pflanzen kann jeder, aber hat das auch schon jeder? Ich habe zumindest meinen Tannenbäume wieder eingegraben, auch wenn das nicht wirklich einen neuen Baum bedeutet. Und eine Kastanie haben wir mal vor dem Haus in dem wir lebten gepflanzt. Ich denke Bäume pflanzen ist der einfachste und dennoch ein wichtiger Part in diesem Dreierpack. Und mit Pflanzen ist gemeint das man sich die Hände schmutzig macht, nicht etwa einen Kasten Bier kaufen weil die den Regenwald schützen.

Lufthansa: Über Facebook geht es besser

Ich bin ja wirklich kein grosser Freund der Lufthansa, wie in diesem Blog öfter zu lesen ist. Ich halte die Firma für volkommen überbürokratisiert. Aber es gibt auch Gutes zu berichten> Das, was Lufthansa auf Facebook macht, ist allererste Sahne. Und zwar nicht, weil es Facebok ist. Sondern weil dort offensichtlich Leute sitzen (dürfen), die nicht erst ihr CRM hochfahren müssen und sich durch 30 Formulare quälen.
Wir wollten unsere Meilen für einen Thai-Air-Flug nutzen. Eigentlich sollte das gehen, den Thai ist Partner in der Star Alliance. Bei Miles and More gibt es auf der Webseite aber keinen Hinweis, wie man das buchen kann. Was man nur machen kann, ist ein Kontaktformular. Wir bekaen sogar eine Antwort: Nämlich dass wir in Deutschland ANRUFEN müssen.
Weil uns das zu teuer ist, haben wir es über Facebook probiert. Uns siehe da: Binnen kurzer Zeit hat ein Lufthansa-Mitarbeiter geantwortet und uns Emailadresse und Namen des zuständigen MItarbeiters bei Miles-and-More gegeben. Wahrscheinlich war das ein Verstoss gegen irgendwelche Vorschriften, aber es hat geholfen. Danke dafür, udn die Bürokraten und Sachbearbeiter, die sich um den Kundenservice kümmern, sollten mal weniger in CRM als in Kundennähe denken.

Klimawandel, Impfungen, Ärzteskepsis: Warum wir so misstrauisch werden

Ich hatte vor wenigen Tagen eine interessante Diskussion mit einem Paar aus Holland, das gerade in Laos ist. Es ging um Klimawandel und Medizin und dass beide sehr skeptisch sind. Er ist Ingenieur, sie ist Biologin. Ihre These: Wir können niecht sicher sein, dass wir alles wissen. Wir können nicht sicher sein dass CO2 schädlich ist und das Klima verändert. Wir können nicht sicher sein dass Impfungen wirklich helfen und nicht eine Erfidung der Pharmaindustrie sind.

Was ich hörte war das typische Anti-Gerede: Es gibt Wissenschaftler, die sagen dass….CO2 keine Rolle spielt, Klimawandel nicht Menschenverursacht sein kann, Impfungen nicht sinnvoll sind. Und so weiter.

Ich versuchte mit einem Beispiel, dass ich neulich aufschnappte, deutlich zu machen wie die Situation ist: Wenn ich mit einem kranken Kind zu mehreren, vielen Ärzten gehe, und die alle sagen es ist krank, und dann einer sagt, das Kind ist nicht krank, werde ich es behandeln oder nicht? Natürlich gibt es eine Chance das der eine Arzt richtig liegt, aber die ist sehr gering. Je mehr andere Ärzte ich konsultiere, umso besser wird das Meinungsbild. 100 Prozent werde ich nie erreichen.

Wir treffen täglich Entscheidungen nach diesem Wahrscheinlichkeitsmuster. Wir nennen es den gesunden Menschenverstand, gepaart mit tradiertem Wissen.Weichen wir davon ab (was bisweilen durch aus sinnvoll sein kann), wissen wir in der Regel auch, welches Risko wir eingehen, wenn wir Neuland betreten.

Nun bin ich jemand, der gerne Neuland betritt und gerne Dinge hinterfragt. Aber ich verneine sie nicht. Das ist das was Klimawandelskeptiker und Impfgegner machen. Wie Florian Freistetter bei den Scienceblogs so schön schrieb:

Das “Standardmodell der Kosmologie”, dass den Urknall und die darauf folgenden Entwicklungen bestreibt ist hervorragend durch Beobachtungen bestätigt – trotzdem herrscht in der Öffentlichkeit manchmal der Eindruck vor, die Wissenschaft hätte sich den Urknall einfach so “ausgedacht” (so ähnlich wie bei dunkler Materie und dunkler Energie wo oft die selben falschen Behauptungen aufgestellt werden). Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Urknallkosmologie, genauso wie beispielsweise die Relativitätstheorie, erstens eine allumfassende Theorie ist die alle Aspekte unserer Umwelt berührt. Zweitens lassen sich die grundlegenden Aussagen die den Urknall betreffen in wenigen einfachen Worten zusammenfassen (was nicht heisst, dass man deswegen schon die ganze Theorie verstanden hätte 😉 ). Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich das öffentliche Interesse und auch das Interesse der Pseudowissenschaftler und Esoteriker auf wissenschaftliche Themen dieser Art konzentriert. Es gibt haufenweise Leute, die Urknall oder Relativitätstheorie für großen Unsinn halten (die Kritiker und Leugner der Strömungslehre oder Stereochemie sind dagegen beispielsweise deutlich in der Minderheit).

So ist es auch bei Kimawandelleugnern und Impf- und Arztgegnern: Man such sich etwas Populäres, Generelles aus, dann muss man nicht spezifisch werden.

Doch warum ist das Misstrauen gegenüber der Wissenschaft größer werdend (gefühlt)? In der Regel wird die Kritik an Wissenschaft damit begründet, dass Wissenschaftler nur Marionetten mulitinationaler Konzerne sind. Reine Forsciung gibt es nicht, weil irgendwer das bezahlen muss, und der hat Eigeninteressen. Oder wie es meine Gesprächspartnerin formulierte:

“Scientists are looking for proof of a hypothesis, not if it is wrong”.

Das mag zu einem bestimmten Grad so sein, wobei es nunmal in der Natur der Sache liegt, dass man schaut ob eine Hypothese stimmt – und wenn sie nicht stimmt, man eben bewiesen hat das sie falsch ist.

Das allein kann nicht der Grund für ein grundsätzliches Misstrauen sein.

Es liegt an der Religion. Ja. Sie lesen richtig. Ich glaube das es einen Verlust an Werten gibt, und damit Verbunden einen Verlaust an Bindung und Selbstreflektion. Religion, welche auch immer, gibt uns einen Rahmen in dem wir uns bewegen können. Den können wir eng oder weiter auslegen, aber wir haben etwas zum Festhalten. Die säkulare Gesellschaft gibt uns das nicht. Und deshalb wird “das System” permanent in Frage gestellt. Wir glauben nicht mehr an Gott, sondern nur an uns – und unsere Gebote und Weltvorstellung. Weil uns das aber nicht reicht, suchen wir nach anderen, die dasselbe glauben – und finden sie beispielsweise bei Klimawandelleugnern und Arztgegnern. Weil wir dort eben nichts beweisen müssen, sondern glauben können, macht es das so einfach. Weil wir am Ende das Metaphysische bemühen, das Irgendwas, dass uns niemals eine wissenschaftliche Sicherheit geben kann, bauen wir uns eine Art Ersatz-Glauben.

Viele der Menschen, die so so glauben, scheinen eine tiefe Unzufriedenheit in sich zu tragen – und machen dies “am System” fest. Der Job macht keine Freude, die Politik frustriert, die Lebensbedingungen sind anders. Meine These: Die Religion hat, wenn Kritik am System/Göttlichen aufkam, uns aufgefordert, in uns zu gehen und uns zu fragen, warum wir Gott in Frage stellen. Diese Selbstbesinnung fehlt, weil es eine moralischen Autorität fehlt, die uns dazu auffordert.

Nicht, das ich den Gottesstaat will. Aber ich glaube (!) fest daran, dass wir einen Rahmen brauchen, in dem wir uns innerhalb eines System definieren können. Und der uns deutlich macht, dass nicht “das System” für unsere Unzufriedenheit verantwortlich ist, sonder wir und wie wir innerhalb dessen agieren.

Flugzeugabsturz: Was ist die Nachricht?

Weil es leider wieder einmal passiert ist: Was ist die Nachrict bei einem Flugzeugabsturz? Das es passiert ist? richtig. Doch was dann?
CNN schreibt 72 Tote bei dem Absturz, doch ist das die Nachricht? Ich habe einst gelernt dass die Nachricht das aussergewoehnliche ist. Tote bei einem Flugzeugabsturz sind (leider) nicht aussergewohenlich. Ueberlebende aber schon. Den juengsten Absturz im Iran haben 33 Menschen ueberlebt. DAS ist fuer mich die – auch noch gute – Nachricht. Im uebrigen uberleben immer mehr Menschen einen Flugzeugabsturz, aber immer noch so wenige, dass es eben das Besondere ist.
Journalisten koennen sich aslo nicht damit herausreden, dass das Besondere der Grund ist, warum die Toten genannt werden. Vielmehr sollten sie zugeben, dass sie es a) immer so gemacht haben, b) Tote fuer sie sensationeller sind und c) die anderen es ja auch so machen.

Warum Service so wichtig ist (und bequem)

Früher war es eine reine Angelegenheit der Feudalgesellschaft, mit der aufkommenden Industrialisierung auch eine Prestigefrage der neuen Oberklasse: Service konnte sich nur leisten wer das Geld hatte. Gleich, ob einen Kutschenfahrer, eine Köchin oder andere Hausangestellte. Das hat sich geändert: die double-income-no-kids können sich auch mit Durchschnittseinkommen wenigstens eine Putzfrau leisten. Und selbst Familien können Serviceleistungen wie ein Taxi in Anspruch nehmen.

Wir leben in einer Servicegesellschaft, und das ist gut so: Zum einen generiert es Arbeitsplätze, zum anderen erhöht es den Lebensstandard. Denn das Staatsziel der Wohlfahrt für alle wird ja nicht nur monetär definiert, sondern eben auch im Lebensstandard und der Lebensqualität. Das kann man sehr gut hier in Asien sehen, wo der Lebenstandard sich mit dem Kauf der ersten Fernsehers schon erhöht, aber auch die -qualität. Menschen in dörflichen Regionen empfinden nämlich einen Fernseher als Teil eines besseren Lebens, und deshalb kaufen sie auch einen sobald es Strom gibt und genug Geld da ist (so wie wir das in Deutschland nach dem Krieg auch gemacht haben).

Sobald aber hier in Asien genug Geld für eine Hausangestellte vorhanden ist, wird diese eingestellt, und dann noch eine Nanny, und ein Gärtner, eine Köchin und ein Fahrer. Nicht nur reiche NGO-Mitarbeiter machen das, sondern vor allem die neue asiatische Oberklasse. Die Inanspruchnahme ist nicht nur ein äußeres Zeichen des Wohlstandes, sondern auch eine bequeme Einrichtung: Man hat Zeit für anderes.

Wir haben hier aus Sicherheitsgründen einen Nachtwächter, der sich aber als Blumenfreund entpuppte und nun während seiner Schicht sich auch im das bißchen Garten kümmert. Weil wir beide nicht gerade einen grünen Daumen haben, ist das eine sehr bequeme Lösung. Und weil wir nette Menschen sind (sagt der Nachtwächter), gibt es immer auch was extra und jeden Abend etwas Konversation auf Englisch und Laoi (während meine deutschen Nachbarn nicht mal den Namen ihres Guards wussten und er sich sein Trinkwasser für 5000 KIP selbst kaufen musste).

Wir schaffen damit einen Arbeitsplatz, und so tun es viele in der Serviceindustrie. Wer das in Anspruch nimmt, kauft war kein Produkt, aber eine Leistung, und unterstützt damit sowohl die Wirtschaft insgesamt als auch Arbeitsplätze. Und fördert somit auch den Lebensstandard anderer,

Warum Wikileaks die Demokratie retten kann

Als ich Lokaljournalist war, bekam ich aus allen Parteien Informationen und veröffentlichte sie. Ich wusste noch vor den meisten Parteimitgliedern, wer der nächste Bürgermeister ist. Diese erfuhren das aus der Zeitung. Das richtete natürlich einen gewissen politischen Schaden an. So what? Das war mein Job, meinen Lesern zu sagen, was vor sich geht. Ich habe versucht meinem Verlag zu erklären, dass wir mehr Informationen verbreiten können wenn wir das Internet nutzen. Man hat das bis heute nicht verstanden.

Was Wikileaks macht, ist nichts anderes als Journalisten bisher gemacht haben. Die haben nur deshalb nicht alles veröffentlicht, weil sie schlicht nicht den Platz oder die Sendezeit haben. Noch heute gilt auch im Internet eine Art Selbstzensur, was die Länge angeht. Wikileaks sieht sich aber nicht als Gatekeeper, der dem dummen Bürger die Welt erklärt, sondern sieht den Bürger als mündig an und gibt ihm die Informationen direkt in die Hand. Wohlgemerkt, das ist nichts Neues.

Warum nun diese Hetze gegen Wikileaks? Weil zum einen die USA angegriffen werden, und diese nicht anders können als reflexartig nach Zucht und Ordnung zu rufen, statt einmal zu überlegen, warum aus ihrem Hochsicherheitsbetrieb diese Daten überhaupt rauskommen können. Oder mal darüber nachzudenken, wie diplomatische Kabel verschickt werden. Zum anderen wiel auch die klassischen Medien ein Interesse an der Jagd auf Assange haben.

Die Presse galt gemeinhin als vierte Gewalt im Staat. Der Satz impliziert aber damit eine Rolle im Staat, eine Funktion. diese Funktion ist die des Überwachers. Schauen wir die Praxis an, hat die Presse diese Funktion aufgegeben. Man sitzt in der Bundespressekonferenz und schreibt brav auf was Minister sagen. Wenn es um investigativen Journalismus geht, müssen immer Leyendecker oder Wallraff ran, andere gibt es nicht. Ich habe selbst für meine Zeitung einst ein Stück über Scientology geschrieben, das hat mich ein halbes Jahr Recherche gekostet – ich musste das in meiner Freizeit machen. Die meisten Journalisten und Verleger haben noch immer nicht verstanden, dass sich ihre Rolle ändern muss. Dass sie keine Gatekeeper mehr sind, sondern Erklärbären werden müssen.

Weil das aber nicht so leicht ist, sehen sie sich von Wikileaks angegriffen wie zuvor von Bloggern. Der meist verächtliche Ton wenn es um Blogs geht ist nicht anderes als Ausdruck puren Neides. Die dürfen und machen was man selbst sich nicht traut. Warum braucht es Wikileaks um einen Maulwurf in der FDP zu enttarnen? Und warum, das am Rande, wird darüber berichtet, wenn es doch Informationen sind, die diese schlimmen Cyberterroristen verbreiten?

Es geht um die Informationshoheit. Weder Staat noch Presse wollen diese abgeben. Sie wollen kontrollieren. Die einen um an der Macht zu bleiben, die anderen um Auflage zu machen mit vermeintlicher Exklusivität. Dem Bürger wird nicht zugetraut, mündig zu sein und Quellen im Original zu verstehen. (Das hängt übrigens mit dem akademischen Hintergrund zusammen. Journalisten werden quasi von kleinauf auf Elfenbeinturm getrimmt. Das war bei mir selbst so).

Und deshalb werden journalistische und juristische Standards einfach mal über den Haufen geworfen. Zum Beispiel:

  • Interpol sucht jemanden international weil er wegen Sex ohne Kondon befragt werden soll?
  • Die USA reden von Auslieferung, ohne dass es formal einen Haftbefehl gibt
  • In den USA fordern Politiker Attentate auf Assange
  • Bei Assange wird von Vergewaltigungsvorwürfen gesprochen, obwohl es sich nach deutschen Sprachgebrauch höchstens um sexuelle Nötigung handeln dürfte (wenn überhaupt)
  • Wir, die Bürger, sind aufgerufen, zu entscheiden, ob wir ein freies Internet wollen, in dem es bisweilen auch mal unbequem wird, oder ob der Staat auch diesen Bereich kontrollieren soll (mit allen Konsequenzen). Ich hatte heute eine kurze Twitterdiskussion ob Hacker-Attacken gegen Visa und Co. sinnvoll sind. Ich glaube ja. Ich sehe das als eine Art Online-Demonstration. Das staatliche System gibt uns keine Möglichkeit, schnell auf aktuelle Geschehnisse zu reagieren. Selbst physische Demonstrationen müssen vorher angemeldet werden. Wir gehen aber heute nicht mehr auf die Straße sondern ins Internet.

    Die Payback-Initiative mag zwar sowas wie der Autonome Block sei, aber ich denke sie zeigen auf, was die RAF einst schon tat: Wenn der Staat gepiesackt wird, zeigt er sein faschistisches Gesicht. Nun mag faschistisch heute nicht mehr richtig sein, tatsächlich aber werden staatlicherseits nicht Diskussionen geführt, sondern repressiv gehandelt. Die Hacker haben deshalb zurzeit meine uneingeschränkte Solidarität (und ja, ich weiß um den Widerspruch in diesem Satz, man möge ihn bitte in Kontxet stellen zum Urheber des Originals).

    Einen viel besseren Artikel gibt es bei Neunetz.com zu lesen

    Micorfinance Forum




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    Originally uploaded by thomaswanhoff

    GTZ und Sparkassen haben das beste Hotel der Stadt gebucht (ist Mikrokredite nicht für die Armen?), aber sie können nicht einmal das Schild richtig schreiben (auch wenn das eine hiesige Firma war die den Fehler gemacht hat, bedarf es doch jemanden der es aufhängt und mit Fehler hängen läßt). Eine Kleinigkeit, aber genau das ist das Problem der NGOs: Operations interessiert sie nicht. Wahrscheinlich haben die hohen Herren und Damen noch vor dem Schild gestanden und gelacht darüber… (.. das man hier nicht mal das Schild richtig schreiben kann). Denn allzu gerne höre ich von NGO-Vertretern abfälliges über die so genannten Locals.