define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1676,"date":"2009-02-26T02:21:36","date_gmt":"2009-02-26T01:21:36","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.wanhoff.de\/?p=1676"},"modified":"2009-02-26T02:21:36","modified_gmt":"2009-02-26T01:21:36","slug":"darf-man-ein-bild-vom-flugzeugabsturz-twittern-und-retwittern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/?p=1676","title":{"rendered":"Darf man ein Bild vom Flugzeugabsturz twittern &#8211; und retwittern?"},"content":{"rendered":"<p>Ja. Denke ich. Twitter ist ein Informationsmedium, ein schnelles dazu, wie man gestern wieder erleben durfte. Es war BreakingNewsOnline, die eine (nach ihren Angaben best\u00c3\u00a4tigte) Meldung mit als erste herausgaben, es war Twitterer @patrick, der in einem Flugzeug in Schiphol sa\u00c3\u0178 und von dort als Augenzeuge twitterte und es waren Autofahrer auf der A9, die erste Bilder auf twitpic schickten. (Wie auch bei der Landung im Hudson River)<\/p>\n<p>Jetzt geht in Deutschland (und auch anderswo) wieder einmal die Betroffenheitskiste los: Darf man das?<\/p>\n<blockquote><p>RT @stormgrass: Sending twitpics of plane crashes doesn&#8217;t have anything to do with the dissemination of news, it&#8217;s another form of voyeurism<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00c3\u00bcrlich darf man das. Weil das ja auch Journalisten d\u00c3\u00bcrfen. Und wollten Blogger nich auch einmal eine (Gegen)-\u00c3\u2013ffentlichkeit sein? Machen wir den \u00c3\u0153berbringer der schlechten Nachricht zum Buhmann, weil wir nicht zugeben wollen, dass wir genau diese Bilder sehen wollen? <\/p>\n<p>Es braucht eben keinen TV-Sender mehr, der den Pressesprecher von Schiphol versucht anzurufen, um einen Absturz von offizi\u00c3\u00b6ser Seite best\u00c3\u00a4tigt zu bekommen, wenn jeder den Funkverkehr am Flughafen <a href=\"http:\/\/www.liveatc.net\">mith\u00c3\u00b6ren kann<\/a> (&#8220;We have an emergency. Don&#8217;t taxi&#8221;).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/wanhoff\/3310558702\/\" title=\"twitter_Schiphol by thomaswanhoff, on Flickr\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3594\/3310558702_cb8f3b8d1f.jpg\" width=\"493\" height=\"500\" alt=\"twitter_Schiphol\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was ist der Unterschied zwischen einem Kamerteam eines TV-Senders, das zum Unfallort rast und einem Passanten, der dort steht und ein Foto postet?<\/p>\n<p>Es sind die so genannten journalistischen Standards. Die sagen letztlich, dass man sich respektvoll verhalten soll, vor allem keine Fotos von Toten und die Rettungsarbeiten nicht behindern.<\/p>\n<p>Ich habe Bilder gesehen gestern von Twitterern, die von der Autobahn aus ein Bild gemacht haben. Ich habe auch Bilder gesehen im TV, wie man sehr nahe an Ermittler heranzoomte, die gerade Tote fotografierten.<\/p>\n<p>Es scheint in Deutschland ein psychologisches Problem mit dem Thema Tod zu geben: Wann immer es um B\u00c3\u00bcrgerjounalismus in Zusammenhang mit Unf\u00c3\u00a4llen geht, wird laut &#8220;Gaffer&#8221; geschrien (gerne auch von jenen, die beim Schreien den CNN-Live-Feed schauen). Sonst nicht. Verbreitung von Gesch\u00c3\u00a4ftgeheimnissen (&#8220;Neues Macbook: erste Fotos&#8221;) &#8211; kein Problem. &#8220;Google spricht mit Twitter&#8221; (unbest\u00c3\u00a4tigt, @Ibo war die erste Quelle f\u00c3\u00bcr das j\u00c3\u00bcngste Ger\u00c3\u00bccht, ich fands gut genug als solches zu retweeten) &#8211; munter diskutieren. Probleme die man gerade mit Kunden hat in der \u00c3\u2013ffentlichkeit diskutieren &#8211; macht doch Spa\u00c3\u0178 die l\u00c3\u00a4cherich zu machen. Nur Unf\u00c3\u00a4lle, das ist B\u00c3\u00a4h. Ein Tabu. Vielleicht das letzte Tabu, und deshalb halten wir so daran fest.<\/p>\n<p>Es ist ein Unterschied, ob Menschen ein Foto machen weil sie da sind oder ihr Auto mitten auf der Fahrbahn stehen lassen, um Bilder von Toten zu schie\u00c3\u0178en. Diese w\u00c3\u00bcrden auch kaum auf Twitter verbreitet werden &#8211; im Gegenteil, ich glaube auch hier an die Selbstregulierung, ein Sturm der Entr\u00c3\u00bcstung w\u00c3\u00bcrde zu recht losbrechen. Und das k\u00c3\u00b6nnte sogar eher zu Konsequenzen (Bild l\u00c3\u00b6schen) f\u00c3\u00bchren als bei klassischen Medien.<\/p>\n<p>Es geht hier auch keineswegs darum, dass Twitter die klassischen Medien ersetzen soll. Das ist Unsinn. Es geht um die Quellen. Die Best\u00c3\u00a4tigung einer Nachricht im angels\u00c3\u00a4chsischen Journalismus ist gegeben, wenn man eine zweite zuverl\u00c3\u00a4ssige Quelle hat. In Deutschland wartet man entweder darauf, was die Agenturen melden oder aber auch eine offizielle Bekanntmachung. Wie sehr sich diese (Zahl der Toten) wiedersprechen k\u00c3\u00b6nnen, haben wir gestern gesehen.<\/p>\n<p>Wir alle haben heute technisch den Zugang zu den Quellen, haben Webcams, Funkverkehr, Webseiten von Feuerwehren (oder gar Tweets). Wir k\u00c3\u00b6nnen uns damit in vielen Bereichen eher ein Bild machen. Es gab binnen einer halben Stunde 4000 Tweets zu Schiphol, nat\u00c3\u00bcrlich vieles retweetet, aber dennoch Berichte wie der von Patrick oder anderer Menschen am Airport. Das sind genau so gute Quellen wie Richard Quest im Studio London, der allgemeines Bla Bla \u00c3\u00bcber Fliegen im Allgemeinen sagt.<\/p>\n<p>Irgendwie mag man in Deutschland noch keine Graut\u00c3\u00b6ne. Entweder oder. Blogger gegen Journalisten. Podcasts gegen Radio. Twitter gegen Google. Das ist gro\u00c3\u0178er Schmarrn. Die Welt ist komplex, in deshalb m\u00c3\u00bcssen wir verstehen, das Entwicklungen wie das Internet sie noch komplexer machen, statt eine Vereinfachung zu fordern.<\/p>\n<p>Wen wir jetzt sagen, die Berichterstattung \u00c3\u00bcber Flugzeugabst\u00c3\u00bcrze ist nur klassischen Medien vorbehalten, dann muss das letztlich auch f\u00c3\u00bcr alle Bereiche gelten, Politik, Webwelt. Und dann sind wir wieder dort, wo wir vor 5 oder gar zehn Jahren waren.<\/p>\n<p>Statt zu meckern \u00c3\u00bcber B\u00c3\u00bcrgerjournalisten und was die alles anstellen k\u00c3\u00b6nnten (erinnert mich an das b\u00c3\u00b6se Internet), sollten wir um Standards bem\u00c3\u00bcht sein und denen auch die Finger klopfen, die sich nicht dran halten.<\/p>\n<p>Bin ich im \u00c3\u00bcbrigen nur an meine journalistischen Standards gebunden, wenn ich in einer ordentlichen Redaktion sitze? Oder darf ich auch auf Twitter und in meinem Blog journalistisch t\u00c3\u00a4tig sein? Was ist der Unterschied, ob ich wie weiland bei der Frankfurter Neuen Presse mit der GLEICHEN Quellenlage eine Breakingnews rausschicke oder das heute als Freelancer \u00c3\u00bcber Twitter gebe?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja. Denke ich. Twitter ist ein Informationsmedium, ein schnelles dazu, wie man gestern wieder erleben durfte. 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