define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1791,"date":"2009-07-21T12:29:51","date_gmt":"2009-07-21T11:29:51","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.wanhoff.de\/?p=1791"},"modified":"2009-07-21T12:35:04","modified_gmt":"2009-07-21T11:35:04","slug":"spiegelonline-in-kambodscha-dichtung-und-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/?p=1791","title":{"rendered":"SpiegelOnline in Kambodscha &#8211; Dichtung und Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/wanhoff\/2057201172\/\" title=\"K\u00c3\u00b6nigspalast in Phnom Penh by thomaswanhoff, on Flickr\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2373\/2057201172_b86b58f416_m.jpg\" width=\"240\" height=\"180\" alt=\"K\u00c3\u00b6nigspalast in Phnom Penh\" \/><\/a><\/p>\n<p>Da gibt einen Menschen namens <strong>Thilo Thielke,<\/strong> der offensichtlich in Asien herumreist und f\u00c3\u00bcr <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/fernweh\/0,1518,633708,00.html\">SpOn Geschichten schreibt.<\/a> Jetzt war er in Phnom Penh und hat etwas entdeckt, das er wohl f\u00c3\u00bcr so aussergew\u00c3\u00b6hnlich h\u00c3\u00a4lt, dass eine eine Geschichte dr\u00c3\u00bcber schreiben muss: Einen Deutschen, der ein deutsches Restaurant aufgemacht hat. Was ein Br\u00c3\u00bcller.<\/p>\n<p>Nun hat er sich ausgerechnet das Edelweiss in Phnom Penh ausgesucht, nicht gerade die beste Adresse. Er hat sich nicht das (deutsche) Art Cafe ausgesucht, dessen Besitzer regelm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig Kammerkonzerte anbietet, Kambodschanern Musikunterricht gibt und auch noch Musikfestivals organisiert. Oder das Riverside Bistro. Nein, es muss das Edelweiss sein, gerne auch mal als Prollkneipe bezeichnet und Treffpunkt f\u00c3\u00bcr solche, die nicht mal mehr zur\u00c3\u00bcck nach Deutschland k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n<p><strong>Schauen wir uns doch mal diesen Qualit\u00c3\u00a4tsjournalismus genauer an:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Globalisierung mit Fleischk\u00c3\u00a4se\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Super\u00c3\u00bcberschrift. Kaum entdeckt ein Deutscher Bekanntes was ausserhalb Deutschlands, ist es Globalisierung und was Besonderes. Investigativ.<\/p>\n<blockquote><p>Fast wie zu Hause: Im Kneipenrestaurant &#8220;Edelweiss&#8221; in Phnom Penh werden Fleischk\u00c3\u00a4se, Wei\u00c3\u0178wurst und Bockwurst mit Sauerkraut kredenzt. .<\/p><\/blockquote>\n<p>So wie in tausenden anderen deutschen Restaurants in der Welt. Man stelle sich vor, ein italienisches Magazin w\u00c3\u00bcrde so \u00c3\u00bcber eine Pizzaria schreiben.<\/p>\n<blockquote><p>Es ist Wei\u00c3\u0178bierzeit in Phnom Penh. Bei Ulli Zdrzalek trudeln langsam die ersten G\u00c3\u00a4ste ein. \u00c3\u0153ber dem 65-j\u00c3\u00a4hrigen Gastwirt flattert eine wei\u00c3\u0178e Plane mit dem Kneipenlogo leicht in der Abendbrise, die jetzt vom Fluss Mekong her\u00c3\u00bcberweht: &#8220;Edelweiss \/ Pizza &#8211; Gem\u00c3\u00bcsesuppe &#8211; Kassler &#8211; Wei\u00c3\u0178wurst &#8211; Leberk\u00c3\u00a4se &#8211; Linsensuppe &#8211; Erbsensuppe.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe Ulli Zdrzalek vor allem als lauten, ungehobelten Menschen erlebt, dessen Benehmen definitiv zeigt, dass der Mann sich im Rotlichtvirtel Phnom Penhs wohl f\u00c3\u00bchlt. <\/p>\n<blockquote><p>Die Speisekarte zeigt: Gezahlt wird im &#8220;Edelweiss&#8221; wie vielerorts in Phnom Penh in Dollar, nicht in der einheimischen W\u00c3\u00a4hrung Riel. <\/p><\/blockquote>\n<p>In GANZ Kambodscha wird in Dollar gezahlt, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.<\/p>\n<blockquote><p>Kambodscha erwacht zum Leben. Seit einigen Jahren geht es schon aufw\u00c3\u00a4rts mit dem 14-Millionen-Einwohner-Land, das viele immer noch haupts\u00c3\u00a4chlich mit dem Genozid der maoistischen Roten Khmer verbinden.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Tats\u00c3\u00a4chlich erwacht vor allem die Geldgier der Regierung. Der Lebensstandard der Menschen hat sich wenig ver\u00c3\u00a4ndert, vor allem auf dem Land. Hun Sens Regime hat sich quasi das Land unter den Nagel gerissen und verkauft was zu verkaufen ist. Investoren meiden das Land, weil vor allem die Landrechte nicht gekl\u00c3\u00a4rt sind. Es gilt als eines der korruptesten L\u00c3\u00a4nder der Welt. <\/p>\n<blockquote><p>\u00c3\u0153ber zwei Millionen Touristen zieht es mittlerweile j\u00c3\u00a4hrlich hierher.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, aber der \u00c3\u00bcberwiegende Teil sind Koreaner, die in koreanischen Hotels schlafen, koreanische Busse benutzen und sogar koreanische Wasserflaschen kaufen. Unn sie sind vor allem in Siem Reap. nicht in Phnom Penh.<\/p>\n<blockquote><p>Dazu jede Menge Entwicklungshelfer &#8211; der Staatshaushalt des Landes wird immer noch zur H\u00c3\u00a4lfte mit Hilfsgeldern gef\u00c3\u00bcllt, allein f\u00c3\u00bcr das Jahr 2009 wurden von der gro\u00c3\u0178z\u00c3\u00bcgigen Gebergemeinschaft 951 Millionen Dollar zugesagt.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00c3\u00a4re es nicht einmal eine Geschichte f\u00c3\u00bcr den Spiegel, wenn man schon einen Reporter da hat, sich um dieses Geld zu k\u00c3\u00bcmmern und wo es denn hingeht? Wie die dicken fetten Autos der NGO-Countrydirektoren, ihre Nannys und G\u00c3\u00a4rtner bezahlt werden?<\/p>\n<blockquote><p>Und auch immer mehr Unternehmer wagen langsam das Abenteuer. In den vergangenen Jahren waren die Wachstumsraten der kambodschanischen Wirtschaft fast immer zweistellig.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Unsinn. Im Moment gehen Unternehmer raus aus Kambodscha, weil es zu unsicher ist. Und die Wachstumsrate liegt beim GDP bei 7 Prozent.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Eine gute und konservative Wirtschaftspolitik&#8221; sei in dem Land praktiziert worden, schreibt Alexander Hirschle, S\u00c3\u00bcdostasien-Experte von &#8220;Germany Trade and Invest&#8221;, einer Gesellschaft, die sich der F\u00c3\u00b6rderung der deutschen Au\u00c3\u0178enwirtschaft verschrieben hat. Er spricht von einem kleinen Wirtschaftswunder &#8220;in einer der weltweit dynamischsten Wirtschaftsregionen&#8221;. Und es gibt eine Menge Menschen, die der festen \u00c3\u0153berzeugung sind, dass S\u00c3\u00bcdostasien die derzeitige Weltwirtschaftskrise noch am ehesten meistern wird &#8211; weil sie hier so flei\u00c3\u0178ig sind, so flexibel und so billig.<\/p><\/blockquote>\n<p>Noch gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178erer Unsinn. Kambodscha ist wirtschaftlich vollkommen abh\u00c3\u00a4ngig von Thailand und Vietnam. Es hat weder eigenen Strom noch eigenes \u00c3\u2013l. Ohne Thailand h\u00c3\u00a4tte man kaum etwas zu essen. Von Textilfabriken und Bodensch\u00c3\u00a4tzen abgesehen hat es nichts zu bieten. Es wird kaum in Infrastruktur investiert, vor allem weil die Regierung kaum Interesse daran hat, das Land zu entwickeln und die Menschen zu bilden.<\/p>\n<blockquote><p>Deutsche Touristinnen habe er schon weinen sehen, weil sie auf ihrem Trip nach S\u00c3\u00bcdostasien immer nur Reis serviert bekamen. <\/p><\/blockquote>\n<p>Auch das ist nichts Neues. \u00c3\u0153brigens ist das Schnitzel im Riverside Bistro wesentlich besser und der Kartoffelbrei auch. Warum eigentlich werden in dem Artikel keine anderen deutschen Restaurants erw\u00c3\u00a4hnt?<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; liebsten dort, wo die mandel\u00c3\u00a4ugigen Frauen herkommen. Asien kannte er schon seit Beginn der siebziger Jahre als Tourist, irgendwann hatte er sogar eine Thail\u00c3\u00a4nderin geheiratet. Doch die machte sich in Deutschland aus dem Staub.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, so sieht er auch aus. Man nennt diese Leute auch gerne Sexpats!<\/p>\n<blockquote><p>Dann, endlich, packte er selber seine Siebensachen: &#8220;Ich wollte da leben, wo andere Urlaub machen.&#8221; Sein erstes Ziel war Pattaya, die Bordell- und Bademeile in Thailand. Doch da wurde es ihm schnell zu laut und \u00c3\u00bcberf\u00c3\u00bcllt, und au\u00c3\u0178erdem gab schon jede Menge deutscher Broilerbuden, Grillstuben und Biertr\u00c3\u00a4nken. Ein Jahr blieb er, dann zog er mit seiner Gesch\u00c3\u00a4ftsidee weiter ins vergleichsweise beschauliche Kambodscha.<\/p><\/blockquote>\n<p>Kambodscha ist kleiner und wesentlich weniger entwickelt als Thailand, gleichwohl ist ein deutsches Restaurant nichts aussergew\u00c3\u00b6hnliches und die Lage an der Riverside nun auch nicht gerade eine ruhige Ecke &#8211; das ist Phnom Penhs Kneipenmeile!<\/p>\n<blockquote><p>Nebenbei beraten sie Touristen, wenn die nicht wissen, wo die n\u00c3\u00a4chste Apotheke ist oder ein Arzt. Schlie\u00c3\u0178lich w\u00c3\u00bctet in Kambodscha die Malaria. &#8220;Ein hohes Risiko besteht in den meisten Landesteilen&#8221;, warnt das Ausw\u00c3\u00a4rtige Amt, extrem hoch sei die Gefahr im Norden und Westen <\/p><\/blockquote>\n<p>Jetzt wird&#8217;s aber gef\u00c3\u00a4hrlich. In Kambodscha &#8220;w\u00c3\u00bctet&#8221; keine Malaria. Es gibt Malariagebiete, aber dort kommt kaum ein Tourist hin. Wenn es eine Krankheit gibt, die man sich hier f\u00c3\u00a4ngt, ist es Denguefieber. Und die n\u00c3\u00a4chste Apotheke ist beim FCC um die Ecke (U-Care). Da geht eigentlich jeder Tourist einmal vorbei, auf dem Weg zum Nationalmuseum.<\/p>\n<blockquote><p>Drau\u00c3\u0178en beginnt langsam der allabendliche Trubel. Auf Phnom Penhs Partymeile \u00c3\u00b6ffnen die Kneipen. Touristenstr\u00c3\u00b6me ziehen palavernd vorbei. Vom legend\u00c3\u00a4ren &#8220;Foreign Correspondents&#8217; Club&#8221;, gleich nebenan, schallt Gel\u00c3\u00a4chter her\u00c3\u00bcber. Tuk-Tuks hupen. Der L\u00c3\u00a4rm mischt sich mit deutscher Volksmusik. Die Globalisierung ist in Kambodscha angekommen. <\/p><\/blockquote>\n<p>Die Globalisierung ist in Kambodscha sicher nicht mit einem deutschen Restaurant angekommen. Sie ist mit 2 Apple-Stores angekommen, mit WIFI in jedem Cafe, mit einem schicken Adidas Shop am Norodom Boulevard oder Barbie bei Monument Toys (das ist der Laden in dem ich gearbeitet habe)  und Nokia Telefonen und schlicht mit einem Flughafen. Wie in jedem anderen Land der Welt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da gibt einen Menschen namens Thilo Thielke, der offensichtlich in Asien herumreist und f\u00c3\u00bcr SpOn Geschichten schreibt. Jetzt war er in Phnom Penh und hat etwas entdeckt, das er wohl f\u00c3\u00bcr so aussergew\u00c3\u00b6hnlich h\u00c3\u00a4lt, dass eine eine Geschichte dr\u00c3\u00bcber schreiben muss: Einen Deutschen, der ein deutsches Restaurant aufgemacht hat. Was ein Br\u00c3\u00bcller. 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