define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1851,"date":"2009-09-10T03:47:24","date_gmt":"2009-09-10T02:47:24","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.wanhoff.de\/?p=1851"},"modified":"2009-09-10T03:47:24","modified_gmt":"2009-09-10T02:47:24","slug":"ein-vietnamesisches-madchen-namens-quyen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/?p=1851","title":{"rendered":"Ein vietnamesisches M\u00c3\u00a4dchen namens Quyen"},"content":{"rendered":"<p>Sie ist ein junges aufgewecktes M\u00c3\u00a4dchen, gerade mal 19 Jahre alt. Seit 10 Jahren, sagt sie, hat sie in der Schule englisch. Sprechen kann nur ein wenig, schreiben gar nicht. Sie geht wieder in die Schule und lernt Englisch, um sp\u00c3\u00a4ter dann Accounting zu studieren, weil Zahlen ihr Spass machen. Daf\u00c3\u00bcr braucht sie Geld, und das muss sie erst mal verdienen.<\/p>\n<p>Quyen ist ein gutes Beispiel, in welcher Lage sich M\u00c3\u00a4dchen in Vietnam, aber auch anderen s\u00c3\u00bcdostasiatischen L\u00c3\u00a4ndern befinden. Morgens von 8 bis 9 hat sie Englischunterricht. Dann muss sie nach Hause, das Haus putzen, einkaufen, kochen. Sie ist die Tochter, also fallen hauswirtschaftliche Arbeiten auf sie zur\u00c3\u00bcck. Ihre Mutter ist sich zu fein daf\u00c3\u00bcr, obwohl sie keinen Job hat. Ihr Vater ist oft weg, eigentlich kaum zu Hause. Wenn er mal heimkommt, schl\u00c3\u00a4gt er seine Frau. Deswegen fl\u00c3\u00bcchtet das M\u00c3\u00a4dchen oft zu ihrem Gro\u00c3\u0178vater: Sie hilft ihm im Haushalt, daf\u00c3\u00bcr bietet er einen sicheren Platz.<\/p>\n<p>Wenn sie mit ihrer Hausarbeit fertig ist, macht sie sich auf den Weg zu dem Job, der ihr etwas Geld einbringt: Sie verkauft Aufkleber, Sticker. Von 17 Uhr bis 22 Uhr abends sitzt sie vor einem Supermarkt im Chinesenviertel Cholon. Auf dem Boden, einen Tisch hat sich nicht. Das hat einen schlichten Grund: Ihr kleines Gesch\u00c3\u00a4ft mit Aufklebern ist illegal, und ohne Tisch kann sie schneller fl\u00c3\u00bcchten, wenn die Polizei kommt. Neulich war sie nicht schnell genug und die Polizei konfiszierte ihre Aufkleber und sie musste 500.000 Dong Strafe zahlen. Das ist eine Menge, sie macht etwa 200.000-300.000 Umsatz. Der Profit ist etwa 25 Prozent, also 50.000 Dong am Tag. Das reicht f\u00c3\u00bcr zwei Mahlzeiten, und einen Kaffee. Sparen kann sie kaum, deswegen muss sie sich Geld leihen, wenn sie studieren will. Ihr Vater brauchte neulich Geld und hat ihr Motobike verkauft. Jetzt muss sie Bus fahren, was zwar g\u00c3\u00bcnstig ist, in einer Stadt die t\u00c3\u00a4glich unter dem Verkehr zusammenbricht aber ein nicht zu kalkulierender Zeitfaktor.<\/p>\n<p>Ist sie gl\u00c3\u00bccklich? &#8220;Ja&#8221;, sagt sie, &#8220;ich mag meine Arbeit, Es macht mir Spa\u00c3\u0178 zu verkaufen.&#8221; Deshalb will sie sp\u00c3\u00a4ter auch Buchhaltung studieren. Nach deutschen Ma\u00c3\u0178st\u00c3\u00a4ben ist das ein Crashkurs, der hier aber drei Jahre dauert und 200 Dollar pro Jahr kostet (etwa 4 Millionen Dong). <\/p>\n<p>Junge Menschen in Saigon sind in einer Falle, aus der sie kaum herauskommen. Hat die Familie nicht gen\u00c3\u00bcgend Geld, bleibt von Verdienst kaum etwas \u00c3\u00bcbrig, um die Kinder weiterzubilden. Dazu kommen die strengen Familienregeln: M\u00c3\u00a4dchen d\u00c3\u00bcrfen nicht alleine weg gehen, aber auch den 20-j\u00c3\u00a4hrigen M\u00c3\u00a4nnern wird schon mal untersagt nach 22 Uhr heimzukommen. Die Familie ist alles, weil sie im traditionellen Vietnam auch das soziale Netz darstellt. Eine Freundin von Quyen entliess sich selbst neulich aus dem Krankenhaus, weil sie schlicht kein Geld mehr hatte. Eine andere Freudin musste ihr Moped verkaufen, um die Krankenhausrechnung zu bezahlen, was bedeutete dass sie ihren Job verlor, weil sie nicht mehr den weiten Weg zur Arbeitsst\u00c3\u00a4tte zur\u00c3\u00bccklegen konnte (eine Busverbindung gibt es dort nicht).<\/p>\n<p>Wenn Quyen in eine Polizeikontrolle kommt, wirft das ihr Business um Wochen zur\u00c3\u00bcck. Ein richtiges Gesch\u00c3\u00a4ft kann sie sich nicht leisten. Die Stadtverwaltung in Ho Chi Minh City hatte gerade beschlossen, Stra\u00c3\u0178enst\u00c3\u00a4nde, die Lebensmittel verkaufen, zu verbieten, um die Lebensmittelsicheriet zu erh\u00c3\u00b6hen. Das Problem: Auch diese H\u00c3\u00a4ndler k\u00c3\u00b6nnen sich einen Stand in einem der M\u00c3\u00a4rkte nicht leisten und &#8211; ebenso wichtig &#8211; sie verkaufen ihre Waren zu einem Preis, den sich arme Menschen leisten k\u00c3\u00b6nnen. Sind die Stra\u00c3\u0178enh\u00c3\u00a4ndler weg, haben die Armen nichtz zu kaufen. Und so lebt Quyen zusammen mit tausenden Stra\u00c3\u0178enh\u00c3\u00a4ndlern immer in der Ungewissheit was der n\u00c3\u00a4chste Tag bringt. Und der Gewissheit, dass ihre Chancen sehr gering sind, da herauszukommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist ein junges aufgewecktes M\u00c3\u00a4dchen, gerade mal 19 Jahre alt. Seit 10 Jahren, sagt sie, hat sie in der Schule englisch. Sprechen kann nur ein wenig, schreiben gar nicht. Sie geht wieder in die Schule und lernt Englisch, um sp\u00c3\u00a4ter dann Accounting zu studieren, weil Zahlen ihr Spass machen. Daf\u00c3\u00bcr braucht sie Geld, und &hellip; <a href=\"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/?p=1851\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Ein vietnamesisches M\u00c3\u00a4dchen namens Quyen<\/span> <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[69],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1851"}],"collection":[{"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1851"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1852,"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1851\/revisions\/1852"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weblog.wanhoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}