Spiele machen keine Killer – Eltern schon

Eben bei Spiegel gelesen:

Die Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG) fordert ein “gesetzliches Verbot gewaltverherrlichender Spiele”. “Killerspiele” seien “Landminen für die Seele”, sagte die Sozialpädagogin Elke Ostbomk-Fischer der Nachrichtenagentur dpa. Durch solche Spiele verlören Kinder ihr natürliches Mitgefühl.

Das natürliche Mitgefühl müssen Kinder erst mal bekommen – und da bedarf es Eltern, die so etwas und vor allem auch Werte vermitteln. Dann werden Kinder auch nicht zu Killern. Ich möchte da mal auf “Cowboy und Indianer”, “Räuber und Gendarm”, Plastiksoldaten und ich weiß nicht was hinweisen. Das alles hat Kinder nicht mehr oder weniger zu Killern gemacht.

Sicher, wer zu Hause nicht lernt, sich sinnvoll zu beschäftigen, wer emotional abstumpft, der wird solche Spiele anders nutzen als jemand, bei dem das nicht so ist. Ich selbst ballere gerne mal, spiele Halo, habe auch ne Menge Wesen in DAOC und in WOW auf dem Gewissen und sicher auch bei Quake nicht nur um Frieden gerungen.

Aber mir geht das gegen den Strich, wenn so gerne äußere Faktoren herangezogen werden, wenn es innerhalb der sozialen Beziehungssysteme nicht stimmt. Ich erinner mich an eine Mutter, die in Sachen Drogen kämpfte.

5 thoughts

  1. Das ist die alte Leier. Es scheint unvorstellbar, dass auch Computerspiele eine soziale Beschäftigung mit Menschen ist. Letztens hab ich über Tetris geschwärmt und was das doch für ein tolles Spiel war, vor allem, wenn man es per Link-Kabel gespielt hat und eine Freundin von mir meinte nur: „Also ICH hab in dem Alter noch mit anderen Kindern gespielt.“

    Ich bin kein Fan von Shootern, das gewalttätigste Spiel, das ich in den letzten wei Jahren gespielt habe, ist Wii-Boxen. 😀 Aber ich kenne viele Leute, die Ballerspiele spielen und normal sind, ganz viele, die keine Ballerspiele spielen und nicht ganz normal sind. Und dann gibts noch diese WOW-Abhängigen, mit zwei von denen musste ich mir hier im Studentenwohnheim (nacheinander) ein Zimmer teilen. Da ist das Zurückziehen in die virtuelle Welt aber ein Ausdruck dafür, dass etwas nicht stimmt und nicht die Ursache, imho.

  2. Genauso wie Haschisch nicht jeden abhängig macht und nicht jeder an dieser Stelle seine Drogenkarriere fortsetzt, so wird es auch so sein, dass nicht jeder Fan von Ballerspielen anschließend zum Killer wird. Die Zahl der amoklaufenden Jugendlichen und Erwachsenen in Beziehung gesetzt zur Zahl der Killerspiel-“Spielenden” spricht dafür. Was nicht von der Hand zu weisen ist, dass Medienkonsum die Fantasie von Kindern beeinflusst, im Zweifel negativ. Klar sind die Eltern gefordert: Den Medienkonsum von Kindern zu beschränken bzw. zu begleiten. Fakt ist, dass das viele nicht tun oder dazu nicht in der Lage sind und ihre Kinder so der Verrohung aussetzen. Aber bitte wer soll das ausbaden? Die Lehrer und Mitschüler des “Einzelfalls”, der sich Knarren besorgt und Amok läuft? Sicher nicht, und genau deshalb gehören Killerspiele verboten.

  3. Wer das “ausbaden” soll? Wir. Das ist das Risiko einer freien Gesellschaft. So, wie wir Autos nicht verbieten und Alkohol nicht auch auch (noch) nicht Zigaretten. Mit Verboten erreicht man das genaue Gegenteil. Und was die Fantasie von Kindern angeht: Klar wird die beeinflusst, von elektronischen Medien ebenso wie von anderen, nur bezweifel ich, dass es “im Zweifel” negativ sein muss. Das klingt nämlich stark nach “Wenn die Spiele mal verboten sind, ist alles gut”. Und dann läuft wieder ein Schüler Amok, und wir alles sind fürchterlich betroffen, wie das passieren konnte. Und dann?

  4. Es ist immer einfacher, die Schuld über Dinge, die man nicht kontrollieren kann, auf andere zu schieben.
    Ich kann Eric (s.o.) nur recht geben mit der “Abhängigkeit” und stelle fest, dass mit unserer Gesellschaft eine Menge nicht stimmen kann, wenn SO VIELE Leute sich in Spiele verkriechen.
    Außerdem merke ich, dass es endlich an der Zeit ist, meine Ergebnisse zu veröffentlichen. Nur weil die Medien (der Mainstream) so denkt darf man nicht gleich kapitulieren, sondern muss zu seinen Ergebnissen stehen und kann sogar hoffen, dass die eigene Arbeit das ganze Thema vllt. mal weiterbringen kann.
    /me gnadenlos optimistisch

  5. Wenn Verrohung mit freundlicher Unterstützung der Killerspiele-Industrie und deren Folgen zu den Risiken einer freien Gesellschaft gehören, fordere ich umgehend die Freigabe des Waffenverkaufs. Die Mehrheit wird wohl demnach verantwortungsbewusst damit umgehen. Und der Rest… naja, Pech gehabt.

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