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Thaipad – auch in Thailand kann man ordentliche iPad Magazine machen

Thaipad Cover Issue 1
Auch wenn in interessierten Kreisen meist die letzten News aus Amerika diskutiert werden und jedes iPad Magazin in Deutschland gefeiert wird wie die Landung auf dem Mond, bringt die Bangkok Post ganz still und heimlich ein recht gut gelungenes Magazin heraus.

Das Thaipad ist eine eigenständige Publikation, und die erste 191 MB grosse Ausgabe ist gratis. Die Navigation ist wie bei anderen iPad Magazinen gehalten, Artikel lassen herunterscrollen, geblättert wird durch Wischen nach rechts und links. Manche Artikel haben Videos (so der über Flutopfer) und Bilderserien. Vor allem Multimedia ist (wie bei wired auch) eingebunden wo es Sinn macht und nicht, weil es halt technisch möglich ist.
Thaipad Tutorial
iPad Magazine sind nichts für die schnelle Infos zwischendurch und das haben die Macher von Thaipad beherzigt. Das Magazin liest sich am besten im Coffeeshop oder am Wochenende auf der Veranda, sprich wo man Muße hat. Journalistisch durchaus auf hohem Niveau, auch wenn der Artikel über den ehemaligen Premier Thaksin doch sehr an der Oberfläche bleibt.

Alles in allem eine sehr gelungene App für die ich gerne bereit bin zu bezahlen. Was nur fehlt ist aus der App heraus zu twittern oder eine Artikel auf Facebook zu sharen.

Iconist: Eine iPad-Zeitschrift in der Kritik

Mein ehemaliger Arbeitgeber Axel Springer hat mir einen Gutscheincode geschickt, mit dem ich das neue ICONIST Magazin testen kann. Das ist nett, wer mag schon einen Rabatt Gutschein ablehnen. Ich wollte das Magazin mir anschauen, keine Frage. Ich schreibe das also nicht, weil Springer mich drum bittet. Das mal vorab.
Iconist ist ein rein fürs iPad gemachten Hochglanzmagazin. Mir ist die Zielgruppe nicht so ganz klar, aber es dürften wohlhabende Geschäftsleute um die 50 sein, die auch etwas technikaffin sind. Nicht dass man Technik braucht um das Magazin zu bedienen. Das geht recht einfach, wenn auch Neugier hilfreich ist um die Funktionen zu entdecken – scrollen zum Beispiel. Apropos Technik: an der Performance muss noch gearbeitet werden. Die Wartezeit beim Aufrufen von Artikel nervt und geht gar nicht. ansonsten stand eindeutig das Wired Magazin Pate. Man hat sich um interaktive Elemente bemüht, kleine Filmchen eingebunden, hat eine Portrait und eine Landscape Version (in der ich übrigens nicht in der Lage war die Prada Story aufzurufen).
Dennoch hat man ein wenig den Eindruck, das Multimedia eingebunden wurde, weil man es kann, nicht weil es sinnvoll ist (bei Wired sind die interaktiven Grafiken hervorragend). Keine Frage, Iconist ist mangels Konkurrenz die Nummer 1 der iPad Magazine in Deutschland. Aber es muss noch einiges getan werden.
Das betrifft vor allem den Inhalt. Man hätte auch einige Artikel mit Blindtext füllen können, so belanglos sind sie. Warum Natalia Avalon und David Garrett Modepüppchen spielen, ist mir schleierhaft. Die Rolls Rolls Story ist recht nett gemacht, aber ein 360 Grad Panorama wäre noch schöner gewesen.
Ich denke nicht dass es ausreicht, sinnleere Geschichten (Virtual Lookbook) um große Markennamen zu stricken, um mit Iconist Erfolg zu haben. Da geht noch mehr.

Im Übrigen stürzt Iconist gerne mal ab, vor allem beim Weiterblättern, auch noch etwas was behoben werden sollte.

Springer hätte besser daran getan, Iconist gratis oder deutlich günstiger rauszugeben. Ich hätte mich geärgert, für ein solches Testexemplar Geld auszugeben. Aber vielleicht bin ich auch nicht die Zielgruppe, was die Inhalte angeht.

Review: iPhone App der Frankfurter Neuen Presse

Ich habe mir vor einigen Tagen die iPhone App der Frankfurter Neuen Presse heruntergeladen, auf mein iPad, weil ich Texte gerne damit lese. Zunächst einmal ist die App nicht wirklich von der FNP, sondern ein Angebot der Agentur AFP für ihre Kunden. Im wesentlich funktioniert das wie iSites: Der Kunde bekommt ein Gerüst, dass er anpassen kann. Farben, Logos können selbst bestimmt werden, ebenfalls die Kategorien. Gut, dass Nachrichtenagenturen solche Dienstleistungen anbiieten! Gefüttert wird das Ganze dann mit RSS Feeds.
iphone app frankfurte neue presse
Im wesentlichen eine ganz hübsche Sache, auch wenn ich nicht weiss wieviele der FNP Leser ein iPhone haben. Ist aber Wurscht, immerhin ist es a) ein Lernprozess und b) wohl mit der AFP-App billiger als selbst etwas zu entwickeln. Insofern ein mutiger und richtiger Schritt.

Was gefällt: Die einzelnen Lokalausgaben haben eine eigene App, dass heisst ich kann mir aus meinem Heimatort Königstein die neuesten Nachrichten anschauen, und, was besonders gut gelungen ist, mit vielen Fotos. Weiter als die Regionalsausgabe läßt sich der Content nicht herunterbrechen, aber das wäre zuviel des Guten.
Eintrachtfans kommen ebenfalls mit einem eigenen Button auf ihre Kosten: Ein Klick und die neuesten Nachrichten sind da. Gleiches gilt für den Button “Topthemen”, hier sind es allerdings die Weltnachrichten und nicht die Lokalen News.
Auch Hessen hat eine eigene Rubrik erhalten, hier fehlen leider die Fotos, was wohl eher an der Struktur der Redaktion liegt. Vielleicht auch, weil fürs Lokale die FNP die eigenen Bilder liefert, für die Welt AFP. Für Hessen hat AFP nicht wirkich viele Bilder im Angebot. Überhaupt ist die Frage, ob neben eigenen Artikeln etwa nur AFP Content einfliessen darf?
Im “More” Menu sind die Leserbewertungen zu finden, bei mir lädt da allerdings nichts. Gleiches gilt für “Am besten bewertet”. Das kann aber auch daran liegen, dass zum Zeitpunkt des Tests (Montag nacht deutscher Zeit) schlicht keine Bewertungen vorlagen.
Im “More-Menü finden sich dann auch die restlichen Rubriken wie Panorama, Politik, Wirtschaft und die Bilder des Tages.
Die Settings sind noch auf Englisch, einstellen lassen sich Sortierung, nach Importance, Update und Created – für mich ein Muss bei einer Tageszeitungsapps. Gleiches gilt, vor allem für mich hier in Laos, dass Images wahlweise voll oder als Thumbnail geladen wreden können – das spart Downloadzeit.
Das gilt auch für Download to Go. Man hat eben nicht immer eine Internetverbindung. Mt der FNP App kann ich auswählen, welche Rubriken ich offline lesen möchte. Großartiges Feature.
Die Suche ist äußerst schnell, gesucht wird aber wohl nur im schon heruntergeladenen Content, reicht aber aus, um zum Beispiel das Lokale auf eine Stadt herunterzubrechen.

Was nicht gefällt: Durchs automatische Reinlaufen der Artikel fehlt ein wenig die Gewichtung. Ich wünschte mir echte Aufmacher und nicht das Kinoprogramm in Kronberg auf Platz 3. Ob man wirklich die Ressorts des Mantels in einer Lokalzeitungs-App braucht ist eine Glaubensfrage, es schadet nicht wirklich, leider aber ist es aber auch nur Agenturkram und offenbart die große Diskrepanz zwischen den Inhalten, die lokal selbst erstellt werden und denen, die aus den Tickern kopiert werden. (Positiv gesprochen zeigt es den Fleiss der Lokalredation)
Was ein wenig nervt ist das Copyrightzeichen selbst in der Schlagzeilenansicht über jeden einzelnen Artikel und nochmal drunter mit einem völlig sinnlosen Link (mal abgesehen davon dass es in Deutschland noch immer kein Copyright gibt, man sich das Zeichen also auch sparen kann).
Soweit ich es beurteilen kann bekomme ich auch online immer die Lokalsausgabe des Vortages, weil die Lokalredaktionen wohl immer noch – bis auf wenige hochaktuelle Ereignisse – fürs tote Holz produzieren. Da wünsche ich mir auch aktuelle Infos.
Völlig vermisst habe ich eine Breaking-News-Funktion, die wohl AFP nicht mitliefert. Wäre aber sehr sinnvoll, gerade bei Kommunalwahlen oder ählnlichen wichtigen hochaktuellen Ereignissen.
Was auch nicht zu finden ist, ist jede Werbung. Technisch sollte auch RSS-Werbung einfließen können, wenn diese bei der FNP vorhanden wäre. Noch immer scheint der lokale Werbemarkt Probleme mit neuen Medien zu haben.
Videos fehlen völlig, ebenso Links.
Was etwas merkwürdig war: Auf dem iPad scheint die Vergrößerung zu spinnen. Der Faktor 2 zeigt mir die iPhone Größe an, der Faktor 1x verkleinert es nochmal. Im übrigen wünsche ich mir natürlich auch eine iPad Version.

Zusammenfassung: Wenn man Aufwand und Kosten anschaut, ist die App genau das richtige für eine Lokalzeitung. Die Kompromisse die man machen muss sind vertretbar, dafür kann man günstig Mitschwimmen auf der iPhone-Welle und zeigen, wie modern man ist. Ob man genügend Leser hat sei einmal dahingestellt. Das ganze Projekt läuft noch als Beta.

In einigen Wochen wird mit einem Update die endgültige Version der Apps veröffentlicht. Diese kann vier Wochen lang kostenfrei genutzt werden, danach fallen 79 Cent pro Monat pro App an. Sie werden monatlich gebeten, die Abbuchung der Nutzungsgebühr mit Ihrem iTunes-Passwort zu bestätigen. Der Preis ist absolut fair.

iTunes Direktdownload

Deutsche Verlage und das iPad

Es wäre ja fast noch zu verstehen wenn da jetzt eine neue Technologie daherkäme. aber wir hatten das doch alles schon mal mit der Musik: Da mussten erst Heerscharen von Downloadern quasi mit Mausklicks abstimmen, bis die Musikindustrie verstand, dass die Leute sehr wohl Musik kaufen, nur eben so wie sie es wollen und nicht wie die Musikindustrie es gerne hätte.
iBooks shelf
Nun kommen dank iPad, Kindle und Co. also die Inhalte neu in den Fokus der Öffentlichkeit, die eigentlich schon abgeschrieben waren: Bücher, Zeitungen und Magazine. Ich selbst sehe das iPad als hervorragendes Lesegerät. Ich habe schon einige Testberichte vom iPad gelesen und bin beeindruckt von diesem Gerät. Andere schwören auf den Kindle. Andere Pads werden kommen. Kunden wollen Inhalte zu lesen, und was machen deutsche Verlage? Abwarten. Auf DRM (Digital Rights Management, vulgo Kopierschutz) bestehen. Libri hat mir wenigstens mein Geld erstattet, weil deren ePub-Format DRM-geschwängert ist und auf meinem iPad nicht läuft – und damit wahrscheinlich auch auf anderen Geräten.

In der Süddeutschen steht am Ende des Artikels:

Die Buchbranche ist unsicher, welche Bedingungen Apple den Verlagen abpresst, und ob das iPad als Lesegerät für komplette E-Bücher überhaupt einen nennenswerten Marktanteil erlangen wird.

Erinnert mich an

Die BuchMusikbranche ist unsicher, welche Bedingungen Apple den VerlagenPublishern abpresst, und ob das iPadder iPod als LesegerätAbspielgerät für komplette E-Bücherkomplette Alben überhaupt einen nennenswerten Marktanteil erlangen wird.

Ich kann Autoren nur empfehlen genau darüber nachzudenken, ob sie wirklich DRM brauchen. Wie in der Musik wird es nur einigen Großen helfen, die Kleinen haben das Nachsehen. Lulu bietet an, Bücher im Ibookstore zu veröffentlichen. Der Deal ist so schlecht nicht:

On a $9.99 book, for example, you will receive $5.60 .

Ja, das muss dann noch versteuert werden. Aber schon mal keine Printkosten und ein Listing im iBookstore.

Dies nur als Warnung: Mit digitalen Lesegeräten kommt eine erhöhte Nachfrage. Wird die nicht schnellstens von Verlagen befriedigt, werden die Kunden andere Wege suchen – Tauschbörsen. Schon heute gibt es Skripts die das DRM aus den ePub-Formaten rausziehen – soviel also zum Thema Kopierschutz.

FNP hat ge-relaunscht

Die Frankfurter Neue Presse hat sich nun auch ein neues Internet-Gesicht gegeben. Nach einigen Monaten Arbeit ist seit heute das Ergebnis des Relaunches zu sehen. Erster Eindruck: Klassen besser als zuvor, moderner, auf einem iPhone sehr gut zu lesen.
fnp_shot
Ein paar Details:
Die Navigation ist jetzt wie bei den meisten Newsportalen oben horizontal, die Klicks bringende Bildergalerie gleich darunter und in netter Ajax-Darbietung.
Beim Reload kommt als Aufmacherbild ein wahrer Klotz, dann Text, dann Wechsel in einen zweispaltigen Block, dann geht es einspaltig weiter. Sehr aufgelockert, ich verstehe allerdings nicht, warum im einspaltigen der Text nicht um die (immer noch sehr kleinen) Bilder umläuft.

Richtig aufgeräumt ist die Seitenleiste. Grafisch alles aus einem Guß, schöne Tagcloud, Fußball, Podcasts.

Was mir gefällt ist der Verweis aufs Kommentieren schon auf der Startseite im Teasertext. Artikel können auch bewertet werden, ein Feature, dess Sinn ich schon bei anderen Portalen nicht verstanden habe, die sich hauptsächlich mit Agenturenmeldungen füttern. Aber es kann die Leser etwas binden.

Ausserdem ist eine Menge Inhalt auf der Startseite, zumindest was Headlines angeht, das ist eine gute Idee: Gerade mobile Nutzer wollen Wichtiges auf einem Blick haben und sich nicht endlos durch Rubriken klicken.

Während der selbst produzierte Podcastbereich erfreulich groß ist, werden bei den Videos immer noch eingekaufte und selbst produzierte gemixt. Zoomin TV ist halt immer noch die einfachste Art Masse zu bekommen.

Neu ist eine Kochvideo-Kolumne,
Reporterinnen besuchen Leser und kochen gemeinsam. Vielleicht liegt es an meinem Mac und Firefox, aber ich finde die Navigation im Video etwas spärlich: Play und Pause, kein “Share” oder “Volume” oder größeres Bild. Warum um alles in der Welt tun sich Portale so schwer, ihre Videos auch zum Download anzubieten? Gerade wenn die Gefahr eines ruckeligen Players vorhanden ist, sollte das doch kein Problem sein. Da mir der Filename ohnehin angesagt ist, könnte ich das FLV sogar so runterladen. Dann doch bitte gleich mit Link und gängigen Formaten.

Fazit: Die FNP ist nicht für Innovationen und Experimente bekannt, sondern für Solides. Das schätzen die Leser und deshab bekommen sie jetzt online, was gängige Praxis bei Newsportalen ist. Die neue Seite ist aufgeräumter als die alte, die Seitenleiste grafisch wesentlich besser gestaltet und auch inhaltlich gut bestückt.

Sehr cool ist die Map, die man bekommt, wenn man Nachrichten zu bestmmten Orten sucht. allerdings werden dann kleine Pins zu allen Orten engezeigt und zwar soviele, dass man teilweise die Ortsnamen nicht mehr lesen kann.

Eines hat man leider versäumt bisher: Den eigenen Content online großzügig einzubringen. Wenn wie in diesem Artikel eine Reporterin eine Schaustellerfamilie besucht, dann erwarte ich auch eine Menge Bilder (meintewegen in einer Galerie). Diese sind garantiert vorhanden, und deshalb der Vorschlag, hier die eigenen Bilder doch reinzuhauen was geht!

Lernen Tageszeitungen oder sterben sie?

Das fragt Christie Hefner in einem ihrer Blogs: Will Newspapers Learn? Or Die? – Personalities Blog – Playas – Portfolio.com

So when people say to me that “newspapers are dead, they just don’t know it yet,” because they look at the statistics regarding the fall off (the cliff) of younger readers, I wonder if the issue is less a diminishing interest in news and opinion, and more the failure (to date) to find a business model online to substitute for the business model in print that relied on basic monopolies, two revenue streams (circulation and advertising), and healthy ad rates.

Dasmit hat sie recht. Es fehlt nicht am Interesse an Nachrichten, es fehlt am Zugang zum Medium Tageszeitung. Und, wie schon an andere Stelle moniert, an der Unfähigkeit Pagevies in Geld zu verwandeln. Sagt auch Christie Hefner:

If true, then rather than seemingly focusing on cost-cutting their way out of their problems, perhaps newspaper owners should be focused on first, how to make their online content and the online experience on their sites as compelling as possible, including (buckle your seat belts here!) marketing their sites; second, how to consider offering some of that content or some of those experiences in a disaggregated (i.e., not needing a subscription) manner with simple à la carte pricing–the iTunes model; and finally, how to educate advertisers about how to effectively deploy their online budgets, and why consumers online are worth a lot more than advertisers think.

Online First und wie ernst das Internet genommen wird

Eben im Jepblog dieses Zitat gefunden:

Eine aussagekräfte Umfrage des World Editors Forum: 80 Prozent der befragten Medienmanager sehen die Online-Medien als wertvolle Ergänzung zu den etablierten Medien. Hm. Schön, dass sich diese Erkenntnis so breit Bahn bricht. Andererseits: Wieder mal zu kurz gesprungen. “Wertvolle Ergänzung” klingt doch sehr nach: “Wir machen jetzt auch Internet.” Dabei sind die Warnzeichen doch recht einfach zu deuten.

Gestern war ich im Presseclub Frankfurt und habe Professor Haller (Leipzig) und Paul-Josef Raue (Chefredakteur Braunschweiger Zeitung) zugehört, was sie zum Thema “Vom Scheiber zum Communitymanager” zu sagen haben. Nichts Aufsehen erregendes Neues, Haller hat in akademischer Manier Charts rausgehauen in denen er – oh Wunder – feststellte, das Journalisten einen immer mehr akademischen Background haben.
Da ein Hochschulstudium in der Regel Voraussetzung für ein Volontariat ist, wundert das nicht wirklich.

Spannender schon Raue, der das Hohelied des Lokalen und Regionalen sang, sein Steckenpferd, und auch das des Newsdesk, den er einführte. Beides in der Tat Maßnahmen, die Print helfen können. Sorgen machte mir eher das Publikum, das über jeden noch so schlechten Second Life Witz lachte (nicht wissend, dass es Journalisten sind, die das hochschreiben), und vor allem jammerte, dass alles noch mehr Zeit kostet und überhaupt.

Noch immer sehen viele Journalisten das Internet als Bedrohung, Kanibalisierung, technische Belastung. Ihre Chefs auch. Haben sie jetzt verstanden, wenigstens eine Onlineausgabe zu haben, dann passieren im Bereich Multimedia die gleichen Fehler: Naja, machen wir auch mal ein Video oder ein Audio.

Nochmal zum Nachlesen: Medienunternehmen müssen in Medien denken. Eine Geschichte muss darauf analysiert werden, welche Kanäle wie bedient werden müssen – wie kann ich sie Online, Print, Audio, Video und oder in Bilderstrecke umsetzen.

Welt.de ist WELT ONLINE

Logio Welt.de
So, jetzt darfs auch raus – wir sind online.Wir haben die Welt verändert, verbessert, bunt angemalt, bewegt und hörbar gemacht. Sechs Monate lang.

Mein Teil war der im Bereich Videos und Audio.

Eine spannende Aufgabe, in einem Konzern wie Springer Podcasts zu etablieren und für die Welt die Videoformate zu entwickeln.

Geschafft. Mission accomplished.

“Will we print the NY Times in five years? I don’t care”

Große Worte:

“Will we print the NY Times in five years? I don’t care,” says the NY Times publisher

Despite his personal fortune and impressive lineage, Arthur Sulzberger, owner, chairman and publisher of the most respected newspaper in the world, is a stressed man.
Why would the man behind the New York Times be stressed? Well, profits from the paper have been declining for four years now, and the Times company’s market cap has been shrinking, too. Its share lags far behind the benchmark and just last week, the group Sulzberger leads admitted to a loss of $570 million because of writeoffs and losses at the Boston Globe….Will it be free?
It will not, Sulzberger avers: if you want to read the New York Times online, you will have to pay.
In the age of bloggers, what is the future of online newspapers and the profession in general?
There are millions of bloggers out there and if the Times forgets who and what it is, it will lose the war, and rightly so, re Sulzberger. “We are curators,” he explains: curators of news. People don’t click onto the New York Times to read blogs: they want reliable news that they can trust.

Readers Edition “feuert” Moderatoren

las ich bei einem einer der solchen. Schade auch, aber ich habe das kommen sehen. Wer weiß mehr?

UPDATE: Hier mal ein Auszug aus dem RE-Blog, was Hugo E. Martin geschrieben hat.
“Die Verstärkung macht auch eine neue Ausrichtung bei den “Moderatoren” notwendig

– wer zukünftig als Moderator im Bereich Moderation mitarbeiten will, braucht natürlich die entsprechende Ausbildung, Qualifikation, Erfahrung, Talent, einen RE-kompatiblen Themenschwerpunkt und ein planbares Zeitbudget

– wer seine Moderatoren-Tätigkeit in der Entwicklung der Community und der Umsetzung von neuen Ideen rund um Citizen Journalismus & Social Media einbringen will und Interesse, Ideen und ein Zeitbudget mitbringt, wird sich als Community Moderator einbringen

– und wer als Frau oder Mann der ersten Stunde, als Alt-Moderator, oder als Begleiter, Kritiker, Sponsor, etc. in die ‘Hall of Fame’ einziehen möchte, ebenfalls herzlich willkommen!”

Leider kein Wort zur Auseinandersetzung. Als ob es sie nicht gäbe.

Der Blogsdorfer Anzeiger hat auch noch was geschrieben

Ich habe mal das feuert in Anführungen gesetzt, weil es ja eher als Zitat gemeint ist.

Disclaimer: Mit Hugo E. Martin habe ich zusammen das Projekt “zeitung.Crispynews” betrieben.

Weihnachtsschmuck beim alten Arbeitgeber Frankfurter Neue Presse

Kurzbesuch bei der FNP, wo ich 9 Jahre lang arbeitete und dafür statt das Jubiläumsgeld zu bekommen eine Aufforderung erhielt, 3 Euro nachzuzahlen.

Warum ich zurückkam? Um ein paar lieben Ex-Kollegen Guten Tag zu sagen. Auch in der FNP denkt man über Newsrooms nach, weiß ich schon und hörte, man verfolge das weiter.

Nun bin ich gespannt, weil wesentlicher Erfolgsfaktor eines Newsrooms Grundbedingungen der Unternehmenskultur sind, vor allem aber Kommunikation untereinander. Die ist bei der FNP aber nun wirkich nicht besonders ausgeprägt. Konferenzen laufen dort eher einseitig in Richtung Chefredaktion ab, man versucht gute Geschichten nicht zu gut zu verkaufen, weil sie sonst auf der Seite 1 landen und man sich dann einen neuen Aufmacher suchen muss. Dass diese Denke falsch ist gilt es zunächst mal darzulegen, mal abgesehen von einer Internetstrategie und solchen, die die formulieren können. Im April kommt der neue Geschäftsführer und kann sich die Ecken aussuchen in denen er kehren muss. Und schließlich sollte man sich als regionale Tageszeitung überlegen, ob man überhaupt einen Newsroom braucht, wenn das Gros der Meldungen ohnehin von der Agentur kommt und die Stärke im Lokalen liegt.

Das alles im ürbrigen pars pro toto, ob FNP oder Die Glocke ist dabei unerheblich. Bin gespannt, was da rauskommt.

“…going away from a print-centric approach”

“The fundamental thing is going away from a print-centric approach with a few digital add-ons round the edges into having something which is print, mobile, web, with video journalism and podcasting thrown in as well, where print is still at the middle and probably will be for quite a while yet. Although, the emphasis is shifting, it’s becoming a much more evenly mixed approach”.

Sag ich’s nicht immer?

Via Journalism.co.uk

Washington Post goes mashup

Die Washington Post versucht es mit Video-Mashups: Wer möchte, kann sich einen Clip herunterladen, der Fragen des Politikreporters Dana Milbank enthält. Die Antworten kann man dann selbst dazuschneiden. Bei mir ist die Webseite ein wenig langsam, der Download mag nicht so wirklich.

Was die Post macht, ist weder neu noch wirklich ein Aufreger, aber konsequent. Aber: Wer einmal angefangen hat, sich mit dem Social Web zu beschäftigen und dies in seine Webpräsenz zu integrieren, muss solche Angebote machen. Denn die ersten Leser kommen noch wegen des Neu-Effekts, diejenigen die bleiben, bleiben aber nur, wenn die Ankündigungen auch der Realität über einen längeren Zeitraum entsprechen.

Mit den Videopodcasts hat die Post schon eine gute Arbeit abgeliefert, da sind die führend.

Sun-Artikel mit Video-Beweis – DIE Chance für Print

Die Sun machts vor, wie Zeitungen demnächst Multimedia nutzen: ein Bericht über einen korrupten Einwanderungsbeamten wird im Internet mit einem Video erweitert, das die von SUN-Mitarbeitern investigative Berichterstattung darlegt.

Es ist heute technisch kein Problem mehr, solche Videos aufzunehmen und zu zeigen. Zietungen sollten verstehen, dass hier eine gewaltige Chance für sie liegt. gerade auch im Lokalen kann Content geliefert werden, den sonst keiner liefert. Jedes Blättchen hat zum Beispiel seinen Polizeireporter, der oft vor der Polizei am Ort ist. Bislnag wurd brav unterschiedne zwischen Foto und Text. Jetzt kann er sogar Video liefern. So kann Print echte Mehrwerte liefern.

Videos werden für kurze Berichte DAS Medium im Internet sein. Wer bewegte Bilder liefert, hat einen Vorteil. Ebenso wie Audio neben Print DAS Medium für Hintergründe sein wird.

Guardian bringt es auf den Punkt

Der Guardian beschäftigt sich mit der Wirkung der New Media auf Zeitungen.

The need to be the first blog on the block to spread a bit of regurgitated news, complete with your own spin, isn’t obviously a way to become a trusted brand. Speed is the enemy of depth. Newspapers still have a vital role in generating trusted content. Whether it then appears on printed paper, on a portable screen, on a website complete with video (making it converge with television) or a mobile device (where the potential has only been scratched) remains to be seen. At least newspapers, unlike the music industry, aren’t trying to deny that a revolution is taking place.

Dazu passend auch ein Zitat von Roy Greenslade, ehemnaliger Mirror-Chef:
“What we do in newspapers is tell people what we think, it’s a top-down process. What blogs have done is to make a conversation.”

Eben bei W&V: Holtzbrink startet germanblogs.de

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck startet Germanblogs.de, das sich als themenorientiertes Experten-Blognetzwerk etablieren soll. Für die Konzeption und Umsetzung zeichnet das Medien- und Consulting-Unternehmen Boogie Medien verantwortlich. Zum Start verzeichnet das Medienangebot 30 Weblogs aus den Bereichen Gesellschaft, Leben, Unterhaltung, Metropolen, Sport und Technik.

Hmm, die hatten wir doch schon mal..

Damals schrieb ich:
Im Bereich Reise finde ich dort folgendes Expertenposting schön (es ging um einen Piloten,der den falschen Flugplatz anflog):
“Warum eigentlich gleich ein Drama darum gemacht wird ist mir nicht klar. Auch ein Pilot darf sich mal irren, wenn die äußeren Bedingungen schlecht sind. Man hört schließlich auch immer wieder, dass ein Flugzeug auf der Autobahn (Not-)gelandet ist. Da hat es dieser Pilot doch besser gemacht, immerhin landete er auf einem Flughafen. “

Nun, man will Qualität von Experten bieten. Ich habe einfach mal den ersten Artikel im Bereich Politik rausgenommen und poste ihn hier quasi als synaptische Vergleichsmöglichkeit im Sinne eines Zitats:

Ranglisten sind in. Doch nicht nur Hitparaden, Sportler, Universitäten und Schulen müssen bzw. wollen sich einem Ranking unterziehen, auch die dunkle Seite der Macht sucht den internationalen Vergleich – die Top Ten der Diktatoren.

And the winner is … Omar al-Bashir (im Bild). Der Titelverteidiger aus dem Sudan setzte sich auch in diesem Jahr im Ranking der Parade, einer Sonntagsbeilage vieler englischsprachiger Zeitungen, durch. Auch auf den Plätzen zwei (Kim Jong Il) und drei (Than Shwe) gab es keine Veränderungen zum Vorjahr. „Gewinner“ dieses Jahres ist Islam Karimov, der sich vom 15. auf den 5. Platz verbessern konnte. Auch Ayatollah Khamenei stieg neun Plätze und landete auf Platz neun der Rangliste, die sich auf die Berichte von Menschenrechtorganisationen, dem Freedom House Index, Reportern ohne Grenzen und ai stützt.

In diesem Jahr tauchen allerdings zwei Diktatoren nicht mehr in der Liste auf: Muammar al-Gaddafi und Pervez Musharraf. Der Grund hierfür ist aber nicht die wieder entdeckte Liebe zum Menschen, sondern dass die anderen Diktatoren einfach noch eins draufzusetzen wussten, was Brutalität und Unterdrückung betrifft.

Und das ist der Artikel, auf dem der Expertenbeitrag beruht:

Immer wieder erfrischend: Die Titelgeschichte “Die Top Ten der schlimmsten Diktatoren der Welt”, jährlich veröffentlicht in der Zeitungs-Sonntagsbeilage “Parade”. Schon ein paar Tage alt, aber nicht minder interessant.

Platz 01: Omar al-Bashir (62), Sudan, seit 1989 an der Macht
Platz 02: Kim Jong-il (63), Nordkorea, seit 1994 an der Macht
Platz 03: Than Shwe (72), Birma, seit 1992 an der Macht
Platz 04: Robert Mugabe (81), Simbabwe, seit 1980 an der Macht
Platz 05: Islam Karimov (67), Usbekistan, seit 1990 an der Macht
Platz 06: Hu Jintao (63), China, seit 2002 an der Macht
Platz 07: König Abdullah (82), Saudi-Arabien, seit 1995 an der Macht
Platz 08: Saparmurat Niyazov (65), Turkmenistan, seit 1990 an der Macht
Platz 09: Seyed Ali Khamenei (66), Iran, seit 1989 an der Macht
Platz 10: Teodoro Obiang Nguema (63), Äquatorial-Guinea, seit 1979 an der Macht

Geradezu mutig für das eher konservative Blatt sind die Plätze 06 und 07. Immerhin sind China und Saudi-Arabien geschätzte Handelspartner der USA. Der bizarrste Diktator herrscht in Turkmenistan: Saparmurat Niyazovs “Regierung” betreibt einen absurden Personenkult und verbietet unter anderem Autoradios, die Synchronisierung von Filmen und Fernsehsendungen und das Spielen von zuvor aufgenommener Musik im Fernsehen und auf Hochzeiten. Außerdem ließ Niyazov alle Nationalparks und Büchereien in ländlichen Gebieten schließen, feuerte 15.000 Angestellte des Gesundheitswesens und ersetzte sie mit unausgebildeten Militärschergen. Dazu verkündete er die Schließung aller Krankenhäuser außerhalb der Hauptstadt und ließ die Ärzte statt des hippokratischen Eids einen Eid auf seine eigene Person schwören. Mehr Details gefällig? Hier entlang, bitte.

Der Originalartikel bei Parade.com widmet jedem Diktator einen eigenen Absatz.

Was lernen wir daraus? Offensichtlich ist das Stille-Post-Spiel Qualitätsbloggen (oder Experen-Blogging). Den vom Original ausgehend nehmen die Informationen ab, bei Germansblogs bleibt nur noch die Aufzählung.

Nichts gegen flappsigen Schreibstil, aber ein wenig Gehalt muss dann schon sein (damit es auch Gehalt gibt, was ein Wortspiel…)

Besser ist da der Beitrag über die deutsche Flagge

Und gar köstlich und ein wunderbares Beispiel, wie Blogs besser sein können, ist der Fußballbericht vom Italienspiel.

Und am Artikel übers Podcasting konnte ich naturgemäß nicht vorbei. Den möge sich ein jeder selbst zu Gemüte fühen,ich bin da etwas befangen…

Fazit: Wenn wir auch noch erfahren, was Holtzbrinck an Honoraren zahlt (und wann), dann könnte das Konzept greifen. Ich glaube eh, dass es zu wenige Blogs gibt, die Themen wie Reise etc. haben.