Der Westen oder wie er die Welt sah

Seit ich in Asien lebe, bekomme ich naturgemäß ein anderes Bild von den Verhältnissen hier. Zum Beispiel von der Facebookblockaden in Vietnam und was dahintersteckt. Oder von NGOs und wie sie Geld verschwenden. Oder IT-Communitys, die so gar nichts in Bild passen.
Viele Westler, die in Asien leben, machen diese Erfahrung: Vor allem in westlichen Medien gibt es Klischess, die nicht verändert werden dürfen. Kambodscha wird auf Angkor Wat und Rote Khmer reduziert, Vietnam auf Reis, Krieg und Kommunisten. Laos (wenn überhaupt wer weiß wo das ist) auf Eco-Tourismus (der einen verschwindend kleinen Teil ausmacht) und Burma auf ein Militärregime, dass das Land abschottet (warum ich dann Facebookfreunde aus Burma haben und meine burmesischen Freunde in Laos Skype-Calls nach Hause machen ist eine andere Geschichte).

Eigentlich wollte ich über Birma in den deutschen Medien was schreiben, aber weder bei Spiegel noch bei Welt.de fand ich zunächst einen aktuellen Artikel. (UPDATE: Jetzt steht doch was dort). Bei CNN das übliche: Keine fairen Wahlen, das wissen wir, die Militär-Freundlichen Parteien versuchen zu betrügen (was ein Wunder) und dann wieder Aung San Suu Ky, die gar nicht mitmacht und die Amis, die die Wahlen als nicht frei bezeichnen. Das übliche politische Bla Bla. Wenn man sich anschaut, was Quellen wie die DVB, die Democratic Voice of Burma dagegen über die Wahlen berichten, bekommt man ein anderes Bild. Oder selbst nach Quellen sucht. Aber das dürfte in einer durchschnittlichen deutschen Zeitungsredaktion schon zuviel verlangt sein.

Der Welt-Artikel sagt zumindest, dass Autorin Sophie Mühlmann (sitzt in Singapur) offenbar Leute aus der regierungsnahen Partei USDP gesprochen hat, die ihr auch noch Geheimisse verrieten. Die Welt bestätigte mir gerade via Twitter die guten Kontakte der Autorin. The Irrawaddy hat wohl die gleichen guten Kontakte. (Es gab übrigens auch das Angebot der Regierung, so genannter Embedded Journalist zu sein und auf eine Tour geschickt zu werden durch Wahllokale. )

Um es mal genauer zu sagen: Die Welt berichtet am 7. November, also am Tag der Wahlen, so als habe man mit USDP-Leuten gesprochen. Komisch dass The Irrawaddy diese Geschichte schon am 3. November veröffentlicht hat.
UPDATE: Nachdem ich die Welt darauf hingewiesen habe, fügte man wenigstens ein “(dazu HIER die örtliche unabhängige Nachrichtenseite Irrawady).” ein

Der Spiegel steht eindeutig besser da

Die Blogger, Facebooker und Computer-Fans in Burma wollen die Generäle auf anderen, friedlicheren Wegen in die Bredouille bringen: Für den Wahlsonntag haben sie ein illegales Netzwerk von Wahlbeobachtern gebildet. “Wir werden uns gegenseitig aus den Wahllokalen per Handy anrufen und uns über den Ablauf informieren. Wir werden uns SMS schicken, twittern und unsere Informationen ins Ausland bringen”, kündigt “Timpler” an, ein 30-jähriger IT-Fan, dessen Identität die Machthaber trotz strengster Zensur und Internetkontrolle bisher nicht haben knacken können.

Nun gut, ich habe viele Wahlberichte ganz offen lesen können. Aber dennoch hat der Korrespondent in Bangkok bessere Kontakte.

Das Leben der Burmesen und der Alltag dort ist so völlig verschieden von dem was vor allem in den westlichen Medien geschrieben wird. Natürlich gibt es Repressionen, natürlich ist das eine Militärdikatur. aber sollen die Menschen deshalb aufhören zu leben? Sie haben andere Sorgen, auf dem Land haben sie schlichts oftmals nichts zu essen, in den Städten hingegen versucht die neue Generation das Land wirtschaftlich nach vorne zu bringen. Dabei erweisen sich Sanktionen als willkommene Hilfe für asiatische Nachbarländer: Wenn man nicht aus den USA importieren darf, dann eben aus China. Eine Burmesin sagte mir heute morgen: “Ich bin es so leid, immer nur Bilder von protestierenden Mönchen zu sehen, wenn über Birma berichtet wird.”

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