Gema, Podcasting und neue Medien

Christian Spließ hat einen sehr schönen Artikel geschrieben zum Thema Gema und Podcasting. Er geht dabei davon aus, dass in USA Künstler ihre Songs für Podcasts frei geben können und ihnen die ASCAP das auch erlaubt. Nur: Hier vertritt die Gema die ASCAP – und zwar nach deutschen Gema-Recht, was durchaus problematisch ist. Denn nach ASCAP darf man Alice Cooper spielen, nach Gema nicht. Das werden wohl nur Juristen klären können, weil die Gema bekanntlich keine Lust hat, sich mit sowas zu beschäftigen. Was interessiert es ein Inkassounternehmen auch, was Kunden wollen.

So, deshalb hier auch auch ein paar Worte (Gerrit hat da drüben auch was geschrieben):

1. Es scheint, als ob Podcasting untrennbar mit Musik verbunden ist. Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Podcasts sind Wortbeiträge, und ab und an spielt da mal Musik.

2. Podcasting ist nicht Formatradio: es geht nicht darum, die Charts rauf und runter zu spielen.

3. Podcasting bietet vielmehr die selbstbestimmte Veröffentlichung von Inhalten an. Wer aber Alternativen im Medienbereich bieten will, sollte dies eigentlich auch im Bereich Musik tun.

4. Deshalb ist es sinnvoll, Druck auch auf Künstler auszuüben und gleichzeitig solche Künstler zu fördern, die eben nicht bei der Gema sind.

5. Der Gema hinterherzurennen bringt nichts. Sie wird sich nicht ändern. Mit einzelnen Plattenfirmen kann man eher reden.

6. Ob – wie von Gerrit vorgeschlagen – eine Firma nötig ist, glaube ich nicht. Es geht um Vernetzung von Inhalten. es geht um möglichst viele Hörer. Nur wenn Podcasts viele Hörer haben, erreichen sie eine Öffentlichkeit.

7. Deshalb sollten diejenigen, die Musik spielen wollen, vor allem mit Künstlern in den Dialog treten. Sie haben die Inhalte.

8. Eine Lösung ist Creative Commons. Denn es geht um Lizenzen. Wenn Künstler endlich solche Lizenzen verwenden würden – und dann noch a la Magnatune Bezahlmodelle anbieten – dann braucht es weder Plattenfirmen noch Gema.

9. Ich halte deshalb auch mehr von Blogbeiträgen wie den von Gerrit, Artikeln wie der bei Telepolis als die unendliche langweilige Diskussion in Foren. Das sind abgeschlossene Räume, die jedem Fremden den Zutritt schwer machen.

10. Alles wird gut.

One thought

  1. 11. Amen! 🙂

    Ansonsten: Zu Punkt 2:
    Es waere schoen, wenn “man” (also Podcaster/in) die Moeglichkeit haette, die Charts spielen zu koennen (rein theoretisch), aber gerade diese Charts nicht spielen zu muessen, denn fuer irgendetwas muss der “Dudelfunk” ja weiterhin gut sein (mit “gut” ist auch “gut” gemeint!). Es geht gerade um diese Nischen, die ausgefuellt werden koennen, womit wir wieder bei meinem alten Beispiel der seltenen B-Seiten, Live-Aufnahmen, Demos, Coverversionen, Regionalbands etc. waeren.
    Das Dumme ist aber, dass viele Gruppierungen, Plattenfirmen, Portale oder auch sonstige Leute, die Musik vermarkten, ja insgeheim nur darauf warten, dass ihnen jemand schoene Ideen liefert, damit sie das wieder fuer ihre Belange umsetzen und nutzen koennen. Beispiele nicht positiver Art gibt es dafuer mittlerweile leider zuhauf. Irgendwie ist das ein Teufelskreis…. Ich haette -zig Ideen fuer eventuell gute Konzepte (und viele andere Leute wohl auch), aber in diesem Fall ist es mal wieder schade, dass man der deutschen Gesetzgebung untersteht. Sehr hinderlich…
    Gruss Norman …und Gruss nach “Bald-Berlin” 🙂

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