Zirkus in Kambodscha

Ich war heute angenehm überrascht, als wir im Circus of Cambodia waren. Tolle Choreographie, wunderbare Artisten, unterhaktsame Zusammenstellung. Während der erste Teil aus klassischen Zirkuseinlagen bestand (Akrobatik, Zauberei, Clown), wurde im zweiten Teil die Geschichte vom König Hanuman erzählt, der die Prinzessin Sita retten soll. Das Ganze aber tänzerisch dargestellt, mit hervorragenden Akrobatikeinlagen.
Hier ein kleiner Eindruck:

Regen in Phnom Penh

So, die Regenzeit bricht an, hier mal ein kleines Video, das zeigen soll, wie das anfängt. Ein Nachbar hatte Weihnachten ein Restaurant eröffnet – jetzt weiß er warum die Miete so gering war. Es liegt unterhalb des Straßenniveaus und schupps, hatte er beim ersten Regenguss die Soße nicht im Topf sondern kniehoch im Gastraum. Unsere Wohnung ist Gott sei Dank weiter oben, aber in der Firma mussten wir eine Mauer ziehen im Warehouse, weil auch da das Wasser reinschwappte. Wird die nächsten Monate so sein.

Jaques Verges: Frecher geht’s nimmer

Man muss schon eine Mange Arroganz in sich tragen, wenn man nur die schlimmsten der Schlimmen verteidigt und sich dabei auch gerne als des Teufels Advokat bezeichnen laesst. Aber Jaques Verges, bislang Anwalt eines der Angeklagten vor dem Khmer Rouge Tribunal, scheint irgendwie in der Vergangenheit seiner bisherigen Klienten (Klaus Barbie, Milosevic) stehengeblieben zu sein. Er machte ein Riesenfass auf gestern vor dem Gericht, weil nicht alle Dokumente ins Franzoesische uebersetzt worden seien. Nicht nur, dass er einen Mitarbeiter hat, der genau dafuer eingestellt wurde, ihm bei Aktenstudium mit Uebersetzen zu helfen, Nein, er ist auch durchaus der englischen Sprache maechtig.
Es ist genau jene Arroganz einiger Franzosen hier, die sie bei den Khmer so unbeliebt macht (und bei mir auch). Was fuer ein Arschloch muss man eigentlich sein, sich in Kambodscha hinzustellen und zu verlangen, dass Dokumente in der persoenlichen Landessprache verfasst sind.
Nicht nur, dass das ECCC Millionen Dollar verschwendet fuer voellig ueberhoehte Gehaelter und einen Riesen Verwaltungswasserkopf, Herr Verges beschwerte sich auch noch ueber die Kleidung der Verteidiger, die er zu tragen hat. Ich trage die Robe die schon von den Verteidigern getragen wurde, die einst Napoelon verteidigten”, sagte er gestern. Er nannte es “disrespectful both to him and the french language.”
Tja, lieber Anwalt, jetzt hast Du wieder genug Zeit das Franzoesische zu sprechen, denn das Gericht hat Dich kurzerhand rausgeschmissen als Verteidiger von Khieu Sampam. Und tschuess, Paco!

Alltag in Kambodscha

Meine Frau wollte gerade aus dem Büro, als sie sah, dass ein alter Mann gleich neben der Tür draußen lag. Sie fragte einen ihrer Angestellten, was mit dem Mann los sei, er sehe so schwach aus. “Er kam rein und fragte, ob er sich hier kurz vor der Tür hinlegen kann, er sei so müde.”

Alltag in Kambodscha.

Toilettenpapier in Kambodscha

Manche Dinge verwundern einen auch nach sieben Monaten noch. Zum Beispiel, wie man in Kambodscha mit Klopapier umgeht. Zunaechst dachte ich, man benutzt keins. Bei den Maennern scheint das auch wirklich so zu sein, man hat dafuer einen Wasserschlauch (ich schaetze das eher weniger).
Dann aber fand ich heraus, dass die Frauen sehr wohl welches benutzen, denn sie werfen es nicht ins Klo, sondern in einen meist offenen Eimer. Nur woher kommt es dann? Sie habe es bei sich. Offensichtlich wird in Klos das Papier entweder geklaut im Klo oder exzessiv benutzt oder was auch immer. Deshlab haben die Frauen hier eine Klorolle im schreibtisch und wenn sie aufs Klo gehen, nehmen sie sich ein paar Blatt mit. Sehr merkwuerdig, finde ich.

Unfall in Kambodscha

Nein, die Zahl ist kein Fehler:

Singer Sok Pisey was hurt when her car overturned at 3:30 PM on 14 April 2008, along National Road No. 4, when she was traveling to a concert in Sihanoukville. The report indicated that Sok Pisey was driving a black Lexus car filled with 10 people, including her mother and niece

Reiche Menschen glauben sie könnten alles hier. Wie man sieht können sie nicht mal Auto fahren (sorry, aber für das Mädel habe ich kein Mitleid).

In Kambodscha ist manches anders

Eine Firma vermietet Autos bisweilen an Kunden. Mit Fahrer. Die Autos sind etwa 20 Jahre alt – und deshalb manchmal kaputt. Jetzt hat man herausgefunden, dass in manchen Monaten die Reparaturkosten das uebersteigen, was reinkommt. Loesung in Kambodscha: Man repariert die Autos nicht mehr, und schon stimmt die Rechnung wieder.

Reisejournalisten die schnorren..

… habe ich je besonders gerne. Vor allem wenn es dreist wird. Ich habe selbst einst von T-Mobile Geraete zum Testen bekommen, das hatte aber keinen Einfluss auf meine Artikel, wie man sicherlich noch im Archiv der FNP nachlesen kann. Aber ich habe nicht dreist gesagt, schickt mir das gefaelligst mal zu. Man kann sich auch eine innere Unabhaengigkeit schaffen.

Auf der anderen Seite erfahre ich aber immer wieder mit welcher Unverschaemtheit manche Reisejournalisten sich durchschnorren (oder es versuchen). Gerade wieder von einem Fall erfahren: Da behauptet einer, Auftraege von zwei Tageszeitungen zu haben (was meistens ja so laeuft, dass der Journalist das anbietet und die Zeitungen sagen, er soll dann mal schicken).

Dann fragt er Reiseveranstalter an, ob sie ihm das BEZAHLEN. Alles: Hotels, Transfers, Reisefuehrer. Und beschwert sich auch noch als ihm gesagt wird, das sei schwierig, weil die Hotels ausgebucht seien und dann kostenlose Zimmer (im Jargon FOC – Free of charge) schwer zu bekommen seien. Und noch besser: Er regt sich auf, wie ein normaler Reisender behandelt zu werden.

Eigentlich sollte ich ihn machen lassen und wenn der Artikel erschienen ist, mal oeffentlich machen, wie der gute Mensch das so gemacht hat.

Werbung im redaktionellen Umfeld

Wenn ich hier in Kambodscha in der beliebtesten Kindersendung im TV Werbung machen will, ist das recht einfach. ICh werde Co-Sponsor der Sendung.

Benefits include:
– 5 x TVC ( 30Sec )
– 8 minutes segment in the program for introduction of your product
– MC thanks
– Product Placement such as providing toys as gifts to participants is negotiable

Ein Alptraum für die Medienwächter in Deutschland 🙂

Sprachverlust

Komisch, da suche ich nach ein paar Webseiten zu einem bestimmten Thema in Google und finde irgwndwie nicht das richtige. Nach einer Weile stelle ich fest, dass ich nur mit englischen Begriffen suche, obwohl das Thema international ist. So sehr denke ich schon in der anderen Sprache. Faellt mir oefter jetzt auf, dass mir manchmal deutsche Woerter nicht einfallen. Und wie man sieht, habe ich auch keine Umlaute auf der Tastatur.

So einfach geht das in Kambodscha mit der Zensur

Gefunden bei Vutha

I used to listen to all above three song titles sung by women but I clearly did not remember all its meanings, as I remembered its meanings are describing over the women loving the married man. The title of three songs “Love Another’s Husband”; “May I have a Piece of Your Heart Too”; “If I can’t be First Can I be Second”. All three have been banned from broadcasting in public.

All three songs have been prohibited from playing in the public after Prime minister’s wife called on the authorities of Phnom Penh along with all municipal and provincial authorities to review all night entertainment clubs, which she said that they have been affecting security and social order as well as national culture and customs.

Bauboom in Kambodscha

Ich habe ja an verschiedenen Stellen schon meine Bedenken angebracht, was den Boom in Kambodscha betrifft. Ich glaube, es ist mehr spekulatives denn fundamentales im Markt. Soll heissen: Es werden zwar gerade neue schicke Gebaeude gebaut, aber noch fehlt es dem Land an einer wirklich florierenden eigenen Wirtschaft. Es gibt ausser in Textilien kaum produzierendes Gewerbe, es fehlt vor allem ausgebildeten und qualifizierten Arbeitskraeften. Der Hotelboom in Siem Reap duerfte auch bald vorbei sein, wenn nicht das Wasser- und Stromproblem geloest wird. In Sihanoukville fehlt es dagegen an allem: Gerade mal zwei Hotels, die einem groesseren Publikum genuegen koennen, und auch wenn Sokha jetzt noch ein neues bauen will, so fehlt es dennoch an Infrastruktur. Die Stadt ist immer noch ein Backpackerdorf.

Noch groesser durfte das Problem aber durch die Landflucht werden. Immer mehr Bauern verkaufen ihre Reisfelder, wenn sie Glueck haben an eine Textilfabrik, in der sie dann Arbeit finden. Oft genug wird das Geld aber in ein neues Auto gesteckt, oder es werden Schulden getilgt, die die naechste Generation schon gemacht hat. Oder es wird verspielt. Und dann wollen alle ihr Glueck in der Stadt suchen. Auf dem Land geschieht nichts. Keine Industrie. Nur ein paar NGO-Projekte.

Das viele Geld, dass hier tatsaechlich in bar vorhanden ist, wird mehr oder weniger sinnlos verbraten. In Luxusartikel, in Projekte von Freunden, selten aber in Fonds oder aehnlichem. Was uebrigens auch daran liegt, dass es hier kaum Finanzberater gibt.

Leider haben die NGO hier ganze Arbeit geleistet: Statt eine Idee zu haben, wie die Leute demnaechst leben sollen, hat man nur das Ueberleben gesichert. Heerscharen von Lehrern vermitteln Lesen und Schreiben, aber beim Rechnen hoert es schon auf.

Dass nur als ergaezende Anmerkungen zu einem wirklich guten Artikel, der auf n-tv erschienen ist.

Podcasts hoeren ohne zu wissen was es ist

Mal wieder ein Erfolgserlebnis: Ich habe gestern einem deutschen Freund aus Muenchen, der jetzt auch in Phnom Penh ist, erklaert, was ein Podcast ist. Er wusste das vorher nicht. Dann fragte er, wie man als Podcaster denn gefunden wird, und ich erklaerte sowohl Itunes als auch Google. “Wenn Du zum Beispiel nach “leben in phnom penh” googelst, wirst Du unseren Reisepodcast finden. Da sagte er: “Hey, jetzt erinnere ich mich wieder, woher ich die Stimme kenne. Das habe ich damals in Muenchen angehoert, als ich nach Infos suchte.”

Yeah!

Alle Schweine sind gleich

.. aber manche sind eben gleicher. Heute habe ich hier in der Zeitung gelesen, dass die Tochter eines Ministers heiratet, und zwar jemanden aus der Regierung. In Deutschland koennte alleine diese Meldung schon eine Klage wegen Verletzung irgendwelcher Persoehnlichkeitsrechte nach sich ziehen. Hier ist das anders: In der Meldung steht nicht nur, dass die Hochzeit 3 Tage dauern wird, sondern dass Polizei und Feuerwehr bereit stehene. Nun muss man wissen, dass Phnom Penh nur 2 grosse Feuerwehr -Trucks hat. Einer wird am Haus der Braut stehen, der andere am Ort der Hochzeit. Strassen werden gesperrt, ein massives Polizeiaufgebot ist angekuendigt.

Wohlgemerkt, es gibt weder Hinweise auf einen Anschlag noch tatsaechliche Sicherheitsbedenken. Es ist schlicht die Demonstration von Macht. Die Regierung hier versteht sich nicht als Volksvertreter, als ausfuehrende eines Parlamentswillens, sondern als jene, denen quasi dieses Land gehoert. Es ist eine Mischung aus kommunistischen Machtdenken und dem nach wie vor bestehenden Einfluss des Koenigshauses.
So wurde gerade das Independence Monument (ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt) gesperrt, weil ein Film gedreht wurde. mag man an sich verstehen, nur ist der Filmemacher der Koenigsvater und den Film macht er nur fuer seine Kinder.

Und gleich noch ein Beispiel: Vor einigen Tagen wollten die Jugendorganisation der oppositionellen SRP in Battambang eine Strassenreinigung machen. Wir kennen das aus Deutschland, wenn Freiwillige mal an einem Samstag den Muell antlang der Strassen wegraeumen und nachher spendiert der Buergermeister Erbsensuppe. Hier hatte der Prinzchef die Aktion verboten, weil sie not appropriate sei, ausserdem seien die Strassen nicht schmutzig und junge Leute sollten besser was anderes machen als Werbung fuer eine Partei beim Dreck wegraeumen. So laueft das sehr oft hier in den Provinzen, es gibt entweder keine Gesetze oder Verordnungen oder aber die Provinzchefs sind kleine Koenige, die nach Gutduenken entscheiden.

Ich mach mir die Welt, wiedewiedewie sie mir gefällt

Transparency International sagt in seinem neuesetn Korruptionsreport dieses:

The countries with the highest level of petty bribery are Albania, Cambodia, Cameroon, FYR Macedonia, Kosovo, Nigeria, Pakistan, Philippines, Romania and Senegal, where at least 30 per cent of respondents reported having paid bribes….Respondents who paid a bribe to obtain services: Cambodia 72%

Der stellvertretende Parlamentspräsident in Kanbodscha sagt:
“I agree that there is a small percentage of corruption… I don’t agree with a report that puts Cambodia at number two of 60ß countries.”

Alles klar.

Neulich sagte der Ministerpräsident, er lasse sich hier nichts von ausländischen Organisationen sagen, als ein paar Umweltschützer mit ihm wegen der Waldvernichtung in den Cardamom-Bergen sprechen wollten. Davon, dass ohne ausländische Organisationen die Hälfte der Bevölkerung wahrscheinlich an Hunger, Bürgerkrieg und Krankheiten sterben würden, sagte er nichts.

Sanitäres in Kambodscha

Neulich gab es mal wieder eine Statistik nach der die Sanitärausstatting in Kambodscha eher zu wünschen lässt. Tatsächlich ist die Toilettenlage außerhalb von Städten prekär. Selbst wenn man Kloschüsseln verwendet, sind sie meist in einem desaströsen Zustand. Dazu passt eine nette Geschichte, die ich gefunden habe:

The other day after doing my presentation about the foibles of organic rice projects in Cambodia, a woman came up to me who had worked in the NGO sector helping to put toilets in villages.

She reported to me that the villagers at first said they wanted toilets but when they discovered how much maintainance they required and how dirty they got, they decided it was cleaner to go outside in nature.

So no one in the villages used the donor provided toilets

However, the villages did say they wanted to keep the toilets because they were useful to have esepcially when aid envoys came to visit and needed to use the loo. The villagers felt the more amenities they could provide barangs(foreigners), the more likely they were to recieve aid assistance.

Talk about immanent effects of aid!

Der Mercedes von Pol Pot

.. wird gerade auf Ebay versteigert. Aber ist es wirklich das Auto des Khmer-Rouge-Fuehrers?
Pol Pot Mercedes
Heute aeusserten sich in der Cambodia Daily Experten dazu, unter anderem ein angblich ehemaliger Fahrer. Er sagte, Pol Pot haette niemals eine Strechlimo wie sie jetzt angeboten wird gefahren. Ein Sprecher des DC-Cam-Centers sagt, auf alten Fotos habe man verschiedene Mercedes gesehen, bis zu zehn, ohne diese aber einer Person zuordnen zu koennen. Man koenne nicht sicher sagen, ob Pol Pot den Mercedes genuzt habe oder nicht.

Die Verkaeufer sagen, Originaldokumente seien nach dem Sturz des Khmer-Rouge-Regimes zerstoert worden.
Und auch Ly Kim Seng, die Frau des Bruder Nummer 2 Nuon Chea, sagte, das gezeigte Auto (wird hier in Phnom Penh im Renaxe Hotel ausgestellt) sei keines dass sie aus der Zeit Pol Pots kenne.

Tatsaechlich kenne ich hier nur einen Besitzer eines solchen Mercedes: Das Amansara-Hotel in Siem Reap holt mit einem solchen seine Gaeste (auch angeline Jolie und Brad Pitt) vom Flughafen ab.

Norbert Klein: Er brachte Kambodscha die E-Mail und die Computerschrift

Ich poste hier mal den gleichen Beitrag, den ich fürs JEP-Blog geschrieben habe:
Es kann schon kaum einer mehr zählen, wieviele Nichtregierungsorganisationen in Phnom Penh ansässig sind. Eines haben sie alle gemeinsam: Ausländisches Personal, das selten die Landessprache spricht. Und hier kommt Norbert Klein ins Spiel: Er übersetzt seit 1997 zunächst wöchentlich, dann täglich, die großen Geschichten der kambodschanischen Zeitungen ins englische. “Es geht darum, zu zeigen, wie bestimmte Geschehnisse hier in der hiesigen Presse gesehen und dargestellt werden”, sagt der 73jährige Deutsche, der schon seit 17 Jahren in Kambodscha lebt. Adressaten sind Entwicklungshelfer, Regierungsstellen, Botschaften.

Der “Mirror” hatte lange Zeit auch einen kambodschanischen Ableger. Darin sammelte Klein die wichtigsten Stories der Zeitungslandschaft und schickte sie, in praktisches DIN A 4 Format gepackt, in die Provinzen. “Damals war der englische Dienst kostenpflichtig und finanzierte damit auch die Khmer-Ausgabe”, sagt Klein. Doch schließlich reichte die Finanzierung nicht mehr, Klein musste den kambodschanischen “Spiegel der Gesellschaft” aufgeben und den englischen Dienst auf eine Internetausgabe umstellen. Unter cambodiamirror.wordpress.com gibt es täglich einen Aufmacher kambodschanischer Zeitungen und einige Überschriften übersetzt.

Klein selbst war bisher weniger den Ausländern zugeneigt, sondern den Einheimischen. Er war es, der die erste Internetverbindung aufbaute, und gemeinsam mit dem Open Forum und dem Open Institut und einigen Kollegen schuf er fast unglaubliches: Khmer-Versionen von Programm wie dem Mozilla-Browser, dem Emailprogram Thunderbird, eine Linux-Version und ein komplettes Open-Office. Voraussetzung war der Khmer-Unicode. “Damit es eine einheitliche Definition von Schriftzeichen in der Computerwelt gibt, wurde der Unicode geschaffen, eigentlich ein Industriestandard. Wer weist jedem Buchstaben einen Code zu.” Damit bekamen die Computernutzer in Kambodscha zunächst ihre Schrift, dann ihre Programme. Für sein Engagement wurde Klein vor wenigen Tagen vom kambodschanischen Ministerpräsidenten Hun Sen ausgezeichnet.
Norbert Klein
Norbert Klein mit der Urkunde, die er vom kambodschanischen
Ministerpräsidenten erhalten hat. (Foto: Wanhoff)

Die Presselandschaft in Kambodscha ist vielfältiger als man meinen mag. Etwa 4 Tageszeitungen in Khmer, dazu 15 Wochenzeitungen. “Insgesamt sprechen wir von 200 registrierten Publikationen”, sagt Klein. Darunter auch solche, die Parteien gehören oder die Regierung täglich bejubeln. Im englischsprachigen Bereich gibt es Cambodia Daily, eine NGO-basierte Tageszeitung und die Phnom Penh Post, die ebenso wöchentlich erscheint wie die französischsprachige Cambodge Soir – alle übrigens nicht im Internet zu lesen. Da ist Klein Vorreiter mit dem Mirror: Den gibt es gratis, und man kann ihn auch als Feed abonnieren. “Das spart mir Kosten und ich kann – da ich zurzeit alleine bin und kaum Einnahmen vorhanden sind – so den Mirror aufrecht erhalten.” Klein behält das Prinzip der reinen Übersetzung (übrigens mit Einverständnis der Zeitungen) bei. Damit macht er sich auch unangreifbar – schließlich gibt er nur weiter, was andere schon gesagt oder geschrieben haben. “Wobei aus allen Zeitungen täglich die eine große Geschichte auszuwählen schon schwierig ist”, sagt Klein.

Dennoch: Der Spiegel ist eine Art Lebensaufgabe für ihn – und deshalb macht er weiter.

Nachtrag:
Wie schnell es mit der Lizenz für eine Zeitung zu Ende sein kann, zeigte jetzt die Regierung am Beispiel von Khmer Amatak. Die hatten berichtet, ein Vertreter einer der Regierungsparteien hätte an einer Schule ein Schild ausgestauscht, auf dem der Name eines Schul-Unterstützers der Opposition gestanden hatte und dann ein Schild mit seinem Namen aufgehängt. Der Beschuldigte widersprach und verlangte eine Gegendarstellung. Das fordert auch das Informationsministerium. Die Zeitung selbst verwies auf das Pressegesetz und den Gerichtsweg. Das schien das Ministerium wenig zu interessieren und sie entzog der Zeitung zunächst fuer 30 Tage die Lizenz. Lizenzen und Betriebsgenehmigungen sind in Kambodscha ein beliebtes Mittel für die Regierung, formal dort einzugreifen, wo sie es inhaltlich eigentlich nicht dürfte.

Liebe Zeitungen: Gerne dürft ihr diesen Artikel veröffentlichen: Gegen Honorar!

Proteste vor der burmesischen Botschaft in Phnom Penh

Heute versammelten sich vor der burmesischen Botschaft in Phnom Penh “ein paar hundert” Leute, um gegen die Junta und ihr Verhalten gegenüber der Bevölkerung zu demonstrieren. Ein paar Fotos gibt es auch.
Interessant ist, welche Rolle Blogger und Mobiltelefone bei der Berichterstattung spielen- ohne die geht wohl gar nichts mehr. Interessant ist auch, das Burma wohl das Land sein dürfte, das am stärksten das Internet und seine Nutzung einschränkt. Und dennoch kommen eine Menge Informationen raus. Nicht nur als SD-Karten in Socken, sondern auch via Mail zum Beispiel.
Protests against Burma
Foto von Meanlux