Die Proteste in Kambodscha, Thailand und Taiwan

Filed under: Asien,Kambodscha,Thailand — Thomaswanhoff at 4:27 am on Tuesday, April 8, 2014

Nicht nur in der Ukraine und in Venezuela gibt es derzeit Proteste, sonder auch in Taiwan, Thailand und Kambodscha. Die Frage stellt sich, ob es da Gemeinsamkeiten gibt.

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In der Ukraine und Venezuela sind es vor allem Menschen aus der Mittelklasse, die letztlich politische Macht haben wollen. Während man in der Ukraine das Übel aus dem Land gejagt hat, steht man in Venezuela noch am Anfang. Die Frage stellt sich allerdings, ob nach den Protesten die Situation für die Menschen besser wird. Der Arab Spring hat gezeigt, dass oft nur eine Elite durch die andere ausgewechselt wird.

In Taiwan sind es vor allem Studenten, die die Proteste anführen. Die Sonneblumenbewegung ist keineswegs neu und viele Protestler sind schon seit länger im Geschäft. Was wollen sie? Vor allem weniger Einfluss aus China, und weniger Anlehnung an China. Sie wollen aber auch brechen mit vielen taiwanesischen Strukturen und Traditionen. Es ist das Aufbegehren einer jungen Generation gegen die Alten. Dass viele Studenten natürlich keine armene Menschen sind, sondern meist einen Mittelklasse-Hintergrund haben, könnte eine Rolle spiele, wenn die handelnden Personen später einmal an die Macht kommen. Werden sie dann immer noch so offen, radikal und basisorientiert sein? (Der verzinkte Artikel gibt noch mehr Einsichten in die Sonnenblumenbewegung).

In Kambodscha protestieren seit einigen Monaten vor allem die Arbeiter der Textilfabriken für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Nachdem die Opposition die Wahl verloren hat, versucht deren Führer Sam Rainsy die Proteste zu politisieren und für sich zu nutzen. Das macht ihn zwar zu einer Protestfigur, aber die meisten wissen in Kambodscha, dass es ihm nur darum geht, den Machthaber Hun Sen abzulösen. Rainsy ist keinen Deut besser als die CPP-Minister die jetzt das Land regieren, wenn ich nicht ganz so schlimm wie Hun Sen. Besonders gefährlich ist sein Hass gegenüber Vietnamesen – er ruft offen zur Diskriminierung auf. Am Ende werden die Arbeiter in den Fabriken Opfer gebracht haben, aber kaum eine Besserung sehen.

In Thailand protestiert vor allem die alte Elite. Es geht dabei – anders als in den obigen Beispielen – darum, ein autokratisches System zu stürzen, sondern eins zu installieren. Die jetzige Regierung ist frei gewählt, aber die tatsächliche Macht in Thailand liegt in den Händen der Armee und der sogenannten Amaart – jene elitären Familien mit Geld und Nähe zum Palast. Und diese – ihr politischer Arm ist die Demokratische Partei – haben bislang alle Wahlen verloren. Weil ihnen das nicht gefällt, rufen sie quasi zum Putsch auf. Bislang hat das die Armee erledigt, nach den Toten der Redshirt-Proteste ist die Militärführung aber ein gebrannten Kind und überlässt den Putsch lieber den Institutionen. Der so genannte Judical Coup soll sicherstellen, dass die sogenannten unabhängigen Agenturen – Election Commission, National Anti-Corruption Commission – und der Constitutional Court Premierministerin Yingluck Shinawatra aus dem Amt heben. Die Menschen die hier auf die Straße gehen sind in der Regel aus dem Süden herangeschaffte Protestier – im Süden sind die Demokraten stark. Hinzu kommt, dass es in Thailand eine ausgeprägte Führerkultur gibt – man folgt blind allen möglichen Führern, bis hin zu radikalen Mönchen.

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Thai-Küche: Tom Ka Ti Jot Liang

Filed under: Asien,Thailand — Thomaswanhoff at 10:18 am on Wednesday, April 2, 2014

Tom Ka Ti Yot Liang
Es ist schwer thailändische Gerichte ins Englische zu übersetzen, und noch schwieriger ins Deutsche. Die Suppe, die ich heute beschreibe, heisst auf Thai ยอดเหลียงต้มกะทิ und lässt sich als Kokosnusssuppe mit Liang-Gemüse. Der lateinische Name ist Gnetumgnemon Lonn.Var.Tenerum wem das weiterhilft. Die Blätter sind grün, manchmal auch leicht bräunlich und haben irgendwie einen leicht nussigen Geschmack, meine Frau meint aber es erinnere sie an Wirsing.

Wer also dieses Gemüse bekommt (vielleicht im Asia Laden), der sollte folgende Zutaten gleich mitbesorgen:

- Krabben (Stückzahl nach Belieben)
- ein Esslöffel Trockenfleisch (optional)
- 1 Tasse Kokosnussmilch
- 1 1/3 Tassen Milch
- 3 Schalotten
- Shrimp-Paste (1 TL, vorsichtig dosieren)
- Weisser Pfeffer
- Salz
- Zucker

Die Liangblätter waschen und klein schneiden (etwa 4 cm Stücke). Kokosmilch aufkochen, Shrimppaste, Zucker, Pfeffer, Salz und Milch dazu geben, dann die Blätter, Warten bis sie weich sind und dann Krabben und Schalotten dazugeben und gar kochen. Fertig. Wohl bekommt’s.

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Warum Coffeeshops so gute Büros sind

Filed under: Allgemein,Asien,Mein Leben — Thomaswanhoff at 4:38 am on Tuesday, April 1, 2014

Coffeeshop
Mein Buch über soziale Online-Netzwerke und wie sie unsere Beziehungen verändern habe ich weitgehend in der Skandinavian Bakery in Vientiane/Laos geschrieben. Jeden Morgen bin ich dorthin, habe mich im ersten Stock an einen Tisch in der Ecke gesetzt und mindestens drei Seiten geschrieben.

Das Script für den Kurzfilm, mit dem ich einen Preis bei der Vientianale gewonnen habe, ist im Joma entstanden, ein anderes Cafe in Laos.

Meinen Job in Vietnam (Projectmanager Intranet für Vinacapital) habe ich im Highland Coffee bekommen – dort fand ein Open Coffee Meeting statt.

Was früher das Cafehaus war ist heute der Coffeeshop. Anderer Name, aber auch andere Funktion. Cafehäuser haben etwas behäbiges an sich, für mich zumindest. Dort geht man hin um nichts zu tun. Nur einen Kaffee trinken und ein Stück Torte essen. Der Coffeeshop hingegen ist ein Büro, eine andauerende Konferenz, ein Meetingraum, ein sozialer Raum.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass Starbucks und Co. durchaus gut für Ideen sind – und zwar Ideen die die Kunden bekommen. an anderer Stelle hatte ich gelesen, das wenn es um Ideen geht, viele Angestellte diese nicht am Schreibtisch im Büro bekommen, sondern zu Hause, im Auto oder eben im Coffeeshop.

Was ist nun das Geheimnis dieser öffentlichen Arbeitsräume? Ich denke es ist schlicht die andere Umgebung. Während wir im Büro (oder auch zu Hause) permanent unserer Umgebung Aufmerksamkeit schenken müssen, ist das Treiben im Cafe Hintergrundrauschen.

Ich spüre weniger Ablenkung, wenn ich inmitten vieler unbekannter Leute sitze, als wenn ich zu Hause bin. Dort kommen Nachbarn, meine Hunde wollen raus und wieder rein, die Waschmaschine ist fertig und die Blumen müssen gegossen werden. Im Cafe habe ich meinen Tisch,, meinen Computer und das war es (ich schalte alle Messenger und Notifications aus).

In Phnom Penh habe ich vor einer Woche Ian Masters getroffen, der Film und TV Scripts schreibt. Seine Routine: Nachdem er die Kinder in der Schule abgegeben hat, geht er ins Cafe schreiben. Er sagte dass sei schon so sehr Routine dass er seinen bevorzugten Tisch habe.

Natürlich hat das Cafe auch Nachteile. Das WLAN dort ist leicht zu hacken, und wer alleine ist, muss immer Angst haben, irgendwer klaut den Laptop wenn man mal aus Klo geht. Plus, die Getränke gehen ins Geld. Letzteres kann man schlicht durch Effektivität kompensieren. Ich zum Beispiel arbeite schneller im Cafe als zu Hause.

Und hier in Thailand (siehe Foto oben) bezahle ich 55 Baht für einen Kaffee, das ist etwa ein Euro. Dafür kann ich mir hier kein Büro mieten.

Nur um es klarzustellen: Ich sage hier nicht “Löst die Büros auf und geht ins Cafe!” Ich meine nur, dass es manchmal einfach besser ist, an einem anderen Ort zu arbeiten als gewohnt. So, und jetzt habe ich meinen Mokka ausgetrunken. Schönen Tag noch.

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Blogs sind tot – es leben die Foren

Filed under: Asien,Thailand — Thomaswanhoff at 5:27 am on Friday, March 28, 2014

Es ist sicher eine Generationsfrage, wenn man über Blogs spricht. Hier in Asien ist Bloggen eher unpopulär – die meisten sind schon mit 140 Twitter Zeichen überfordert. Facebook wird meistens zum share und Liken benutzt, dazu braucht es nur einen Klick. Instagram ist toll weil man viele hashtags nutzen kann, die einem vorgeschlagen werden – auch da muss man nichts tippen. Und bei Line schickt man Sticker – ein Bild sagte mehr als tausend Worte.

Nun ist das aber so eine Sache mit Sharen: Denn irgendwoher muss ja das Zeugs kommen ,mit dem man den anderen die TL vollmüllt. Es kommt meistens nicht aus SE-Asien. Sehr viel von dem was hier geteilt wird, kommt aus westlichen Medien – Websiten eingeschlossen. Es scheint mir manchmal als ob es keine Schreibkultur gibt hier.

Doch dann folge ich mal wieder einem Link in die dunkle Welt der thailändischen Foren, und siehe da, dort wird geschrieben was das Zeug hält. Panthip ist die wohl hässlichste Website die es in die Top 10 schafft in einem Land, aber hier zu Lande ist sie eine der erfolgreichsten.

Sanook.com ist auch nicht viel schöner, aber ebenso erfolgreich. Auch hier wird massig Content produziert.

Es scheint mir so dass hier in Asien Medien weniger Gatekeeper als Contentlieferanten sind. Während wir im Westen darauf stolz sind, dass wir jetzt alle selbst den nächsten Skandal aufdecken oder aber öffentlich die Kanzlerin beschimpfen können, ist man hier eher froh überhaupt Zugang zu haben und vor allem eine gewisse Vielfalt. Zeitungen kosten Geld und Bücher Zeit, TV ist immer noch stationär, aber das mobile Internet macht Information und Unterhaltung überall möglich. Hier mal ein Ranking der Top 10 Webseiten in Thailand. Auf Platz 1 ist da Hao123, das Baidu gehört, einem chinesischem Anbieter, was mich jetzt etwas überrascht. aber es geht mir gar nicht so sehr um die Hits und Pageviews, sondern was Leute machen und wie sie Inhalte schaffen.

Und da in Thailand zumindest nichts so lange hält wie ein Provisorium, werden Foren noch sehr lange sehr erfolgreich sein.

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Deutschland: Reiseziel im Herbst

Filed under: Allgemein — Thomaswanhoff at 3:08 pm on Wednesday, March 26, 2014

So, ich habe entschieden, ich muss mal wieder die Verwandtschaft sehen, zumindest einen Teil, und meine Mutter wird 70, also geht es im August nach Deutschland. Meine Audienzen gebe ich in Königstein.

Ich werde mit Lufthansa fliegen, weil die in der Tat die günstigsten sind. Irgendwie ist es krass zu sehen, wie stark Preisunterschiede sein können. Und da rede ich nicht mal von temporären Vergünstigungen, die ich zusätzlich meist noch in Anspruch nehme, sondern tatsächlich vom Basispreis für den gleichen Zeitraum zum selben Zeitpunkt herausgesucht. Die Thai Airways ist 10.000 Baht teurer, und Quatar und Ethihad liegen in der Mitte.

Jetzt denken wahrscheinlich wieder einige, dass Fliegen an sich ja gar nicht gut ist, wegen der Umwelt und so. “Eine einzige Flugreise nach New York belastet die Erdatmosphäre so stark wie ein Jahr Autofahren” habe ich mal im Greenpeace-Magazin gelesen, und das war der Stand 1997. Nun ist das so eine Sache mit den Zahlen: Wie Ex-Lufthansa-Chef Mayrhuber mal vorgerechnet hat, ist das Flugzeug mit 4,4 Liter Kerosin auf 100 Kilometer eigentlich ganz gut dabei.

Nun produzieren aber Flugzeuge auch Kohlenmonoxid und Kondensstreifen: Letztere wiederum reflektieren die Wärme und tragen so auch zum Treibhauseffekt bei. Bei Atmosfair kann man das nachrechnen lassen. Für meinen Flug sieht das so aus:

CO₂ emissions: 1,960 kg CO₂
Contrails, ozone formation and other effects: 3,810 kg CO₂

Ich bin mir bewusst, dass Fliegen einen negativen Effekt auf die Umwelt hat. Aber das haben andere Dinge auch. Ich fahre kaum Auto hier, sondern Moped und S-Bahn. Ich benutze keine Heizung und die Aircondition nur in einem Zimmer nachts, und tagsüber etwa 4 Stunden im Wohnzimmer. Wir essen weitgehend vegetarisch, und wenn es Fleisch gibt, dann nicht aus Argentinien sondern Huhn aus Thailand. Es ist also nicht dass ich keine Bewusstsein habe was die Umwelt angeht.

Ich halte Fliegen innerhalb Deutschlands für komplett überflüssig, und wünschte innerhalb Europas würde man mehr Geld ins Bahnsystem investieren.

Langstreckenflüge haben keine Alternative. Man fährt nicht mit dem Schiff nach New York. Und ich kann Leute nur dazu ermuntern, zu Reisen. Es bildet ungemein. Deutsche Haushalte wären ohne Produkte aus Asien leer, aber wer war schon mal hier? Die Deutschen bleiben am liebsten im Land oder in Europa. Nur 7 Prozent der Reisen sind Fernreisen, und da stehen die USA und Kanada ganz oben, und dann kommen Pauschalreisen in die DomRep oder auf die Malediven.

Meine Empfehlung: Mehr Bahnfahren, und dafür mal ne Fernreise nach Asien machen. Wer den Kindern gezeigt hat, wo die Milch herkommt, kann ihnen dann zeigen, woher der Rest im Haus herkommt.

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Filmcamp in Phnom Penh

Filed under: Asien,Kambodscha,Mein Leben,video — Thomaswanhoff at 4:15 am on Saturday, March 15, 2014

Auch wenn ich nur ein Jahr in Kambodscha gelebt habe, ist eine besondere Liebe zu Land und Leuten geblieben. Ich habe viele Freunde dort, und versuche so oft es geht nach Phnom Penh zu kommen. In der Regel sind das die Barcamps, aber nächstes Wochenende fliege ich zum Filmcamp nach Kambodscha. Ich werde dort über die Probleme sprechen, gute Schauspieler zu bekommen, und warum ich glaube, dass Amateure manchmal die bessere Wahl sind. Es gibt nicht wirklich eine Schauspiel-Ausbildung in Kambodscha, und die meisten die in Filmen mitspielen sind eigentlich Sänger und Models, die sich oft in einen Film einkaufen – Papa bezahlt die Produktion.
Screenshot Filmcamp

In 2012 hatte ich in Laos ein Filmcamp organisiert, inspiriert von einer ähnlichen Veranstaltung in Singapur. Es kamen zwar “nur” 60 Leute, das aber waren die Mover und Shakers in der TV- und Filmindustrie in Laos, und es war eine sehr entspannte Atmosphäre, in der junge Filmemacher mit Regierungsvertretern über Zensur und Filmemacher sprechen konnten. Zwei Teilnehmer Waren Rithea und Suthen, zwei Kambodschaner, die dort in der Filmkooperative 4K tätig sind. Ihnen gefiel das Konzept, und sie trugen es mit nach Hause. Neben dem Filmcamp organisieren sie Mini-Filmcamps, schauen sich zusammen Filme an und veranstalten Workshops.

Mehr dann vom Filmcamp direkt.

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Warum ist der Süd-Sudan plötzlich so sexy?

Filed under: politik — Thomaswanhoff at 9:29 am on Tuesday, February 25, 2014

Schaue gerade BBC und einen Report über die Säuglingssterblichkeit in Süd-Sudan, und bei einem Meetup heute habe ich jemanden getroffen, der auf dem Weg in den Süd-Sudan ist. Es sieht so aus als ob das junge Land The Next Big Thing für NGOs ist und die Medien spielen munter mit. Geht es um die Ölfelder? Darum Chinas Einfluss etwas einzuschränken? Entwicklungshilfe ist immer Aussenpolitik, nach dem Motto “Ich rette Deine Kinder und Du gibst mir Deine Rohstoffe”.

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Geschichten aus Asien – in Kurzfilmen

Filed under: Asien,video — Thomaswanhoff at 1:17 pm on Sunday, February 23, 2014

Ich habe mich seit ich in Laos lebte den Kurzfilmen angenommen, habe drei gemacht und mit einem – Forever - sogar einen Preis gewonnen. Derzeit arbeite ich an einem Projekt in Bangkok, in dem die Leute zu Wort kommen, an denen die Leute jeden Tag vorbeigehen – Straßenhändler.

Vor allem aber schaue ich gerne Kurzfilme, weil sie sehr kompakt wunderbare Geschichten erzählen. Es gibt eine Menge Festivals in Asien und auch eine große Menge solcher Filme. Einen davon habe ich hier eingebettet, und es ist eine dieser Geschichte, die – so glaube ich – eben nur in Asien erzählt werden kann. Viel Spaß beim Schauen.

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Auf dem Moped durch Bangkok

Filed under: Asien,Thailand — Thomaswanhoff at 6:46 am on Tuesday, February 4, 2014

Ich habe mal die Go Pro Hero 3+ Cam aufgesetzt und meinen morgendlichen Trip zur Bahnstation gefilmt. Ich bringe morgens Nataly zur Bahn und fahre dann wieder heim. Es sind nur 10 Minuten Fahrt (das Video ist in doppelter Geschwindigkeit) und für uns die einfachste Möglichkeit in die Stadt zu kommen. Fahren in Thailand ist weniger gefährlich als es aussieht im Video, vor allem wenn man ein paar Grundregeln befolgt: Nicht betrunken fahren, nichts nachts fahren, sehr umsichtig sein und niemals auf sein Recht beharren. Im Zweifel den anderen fahren lassen.

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Demo-Zelt

Filed under: Allgemein — Thomaswanhoff at 3:54 am on Sunday, February 2, 2014
Protest Tent by thomaswanhoff
Protest Tent, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

Thailand ist in einer tiefen Krise, tiefer als viele Thais meinen. Das Land ist nicht nur gespalten in solche die die Regierungspartei unterstützen und solche, die sich dem Oppositionsführer Suthep angeschlossen haben. Die Proteste haben gezeigt, dass es keine stabilen Institutionen gibt in Thailand. Keine Polizei verhindert Straßenblockaden oder schützt Wahllokale. Das Militär macht klar dass es unabhängig ist von jeder Regierung. Beamte legen die Arbeit nieder und gehen demonstrieren. Protestler und Gegner werden erschossen oder angeschossen und es gibt keine Verhaftungen von Tätern. Bewaffnete erscheinen bei Demos und schießen um sich, und die Polizei vor Ort zieht sich zurück.
Thailand hat niemals den Gesellschaftsvertrag geschlossen, das Übereinkommen einer Gesellschaft von Bürgern, in dem geregelt ist, wie man sich das Zusammenleben vorstellt. Das Land des Lächelns ist noch immer autokratisch geprägt, die Elite steht über dem Gesetz und ist unantastbar. Es gibt außer einem nationalistischen und eher nach außen gerichteten Gehabe kein Verständnis eines geeinten Thailands aller Thais. Es geht in politischen Auseinandersetzungen deshalb auch nicht um Ideen, sondern Personen. Dies übrigens auch in einer Sprache, die weit unter der Gürtellinie ist.
Solange die fundamentalen Probleme nicht gelöst sind und sowohl die Elite versteht, dass sie keine gott gegebene Macht hat als auch die jetzige Regierungspartei, dass sie Kompromisse machen muss und nicht nur eigene Wähler bedienen kann, wird sich nichts ändern.

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Der Shutdown in Bangkok: Ich berichte (fast) live…

Filed under: Asien,politik,Thailand — Thomaswanhoff at 2:25 pm on Sunday, January 12, 2014

So, in Bangkok geht es heute nach los: Die Protestbewegung um den ehemaligen Abgeordneten Suthep Thaugsuban hat bereits einige Kreuzungen in der Stadt besetzt und begonnen, Bühnen und Zelte aufzubauen. Morgen früh dann soll der Verkehr, zumindest in der Innenstadt, komplett zum Erliegen gebracht werden. Lediglich Ambulanzen und Taxis dürfen passieren. Es ist auch versprochen worden, dass die Flughäfen und Bahnstationen, inkusive der Skytrain (MTS) und U-Bahn (MRT) nicht betroffen sein werden.

Mit dem Shutdown will Suthep Premierministerin Yingluk Shinawatra zum Rücktritt zwingen. Sie ist zwar schon zurückgetreten, deshalb gibt es auch am 2. Februar Neuwahlen, aber Suthep will sie nicht mal als kommissarische Regierungschefin haben. (Er will sogar ihr Vermögen beschlagnahmen).

Bisher waren die Demonstrationen weitgehend friedlich, vor allem tagsüber. Am Government House hatte es ein paar Tränengaseinsätze gegeben, und vor allem, nachts gab es Schießereien mit Toten, aber da ist nicht geklärt, was wirklich passiert ist.

Die Schmierfinken von Spiegel Online müssen natürlich Panik machen:

“Bürgerkriegsszenario in Thailand
Bangkok rüstet sich für Massenproteste”

Zwar ist Bürgerkrieg eine mögliche, wenn auch sehr ferne und eher theoretische Option, im Moment sind aber alle Parteien sehr darauf bedacht, jedwede Eskalation zu vermeiden. Gewalt würde vor allem der Armee in die Hand spielen, die dann einen Grund für einen Coup hätte. Es scheint, dass vor allem ausländische Journalisten und so genannte Experten wie Marc Saxer von der Friedrich-Ebert-Stiftung gerne Gewalt sehen wollen – weil damit natürlich mehr Geld zu verdienen ist.

Die Leute in Bangkok haben Zeit genug gehabt, sich auf den Shutdown vorzubereiten. Viele werden wohl zu Hause bleiben und soweit möglich von dort arbeiten. Über hundert Schulen sind geschlossen, was die kInder zu Opfern von machthungrigen Politikern macht.

Ich werde hier ein wenig berichten, was sich in Bangkok so zuträgt. Ich bin nicht besonders betroffen, weil wir etwas ausserhalb wohnen, werde mir die Situation in der Innenstadt aber vor Ort anschauen. Wir rechnen tagsüber zumindest in den ersten Tagen mit einem friedlichen Verlauf, nachts wird es aber sicherlich Gewaltausbrüche geben. Ich rechne damit, dass radikale Protester und ebenso radikale Regierungsanhänger sich Schießereien liefern werden.

Richard Barrow lebt schon lange in Bangkok und ist eine Art Infostelle für Expats und Touristen geworden, vor allem auf Twitter (@richardbarrow).

Er hat aber auch in seinem Blog eine Menge Infos, vor allem auch eine Karte, welche Straßen und Kreuzungen gesperrt sind.

Zu sind auf jeden Fall:

1. Victory Monument
2. Siam Square
3. Ladprao 5-Way Intersection
4. Ratchaprasong Intersection
5. Lumpini Park
6. Asoke Intersection

Alles wird gut!

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Der St. Martin-Skandal: Wenn sie halt vorher nicht so laut geschrien hätten

Filed under: Journalismus — Thomaswanhoff at 1:34 am on Wednesday, November 13, 2013

Es ist schon schlimm anzusehen, was ein kleiner Artikel in einer Lokal-Zeitung für Wellen schlagen kann. Jene, die sonst die Kollegen in den Lokalredaktionen belächeln, bekommen den üblichen Schaum vor dem Mund und schreiben ihre Leitartikel über etwas, von dem sie kaum wissen wo es geschieht. Die Taunus-Zeitung hat einen Fehler gemacht, nämlich eine alte Regel zu ernst genommen, nachdem man eine Geschichte nicht totrecherchieren sollte.

Der Autor, ein alter Hase, der etwa zur gleichen Zeit bei der TZ angefangen hat wie ich, hat dabei alle anderen Regeln vergessen: Nämlich zu schauen, ob die Geschichte stimmt, und ob sie trägt. Dass man in Lokalredaktionen nicht ahnt, welche Wellen so etwas schlagen kann ist verständlich. Wer immer wieder von oben gesagt bekommt, wie unwichtig man sei, denkt nicht mehr global (wobei viel Geld aus den Lokalredaktionen kommt, und vor allem die Leser Lokales lesen wollen und nicht den Agenturbrei der Zentralredaktion).

Fehler können passieren, und ich mache der TZ keinen Vorwurf. Ich nehme an dass man sich der Brisanz bewusst war, nicht aber der Tragweite. Man hätte auch eine Entschuldigung schreiben können (ich habe zumindest keine gefunden, nur einen Kommentar indem der Autor sich selbst noch feiert). Man beharrt auf der Richtigkeit, kann aber keine Erklärung geben, warum man den Skandal seit 1998 nicht als solchen gesehen hat. Vielleicht wollte man sich auch mal wieder dem rechten Klientel anbiedern.

Was schlimm ist, ist die Art und Weise wie jene, die Zwangsabgaben für ihr Geschreibsel haben wollen, mit dieser Geschichte umgegangen sind. Ganz vorne natürlich die Bild, die niederste Form des Schreibens, nichtmal das Wort Journalismus wert. Wer dort arbeitet, hat kaum eine Schulbildung gehabt und wenn, dann wohl nicht verstanden. Bild ist Hetze, das wissen wir. Aber auch andere, deren Verleger so laut das Wort Qualität gerufen haben, interessieren sich einen Dreck dafür.

Ich meine mich erinnern zu können dass die TZ schon einmal Eltern zu viel Gewicht gegeben hat. Damals ging es im sexuelle Belästigung in Kitas. Nichts war dran. Aber es machte halt Auflage. (Allerdings hatte auch die Staatsanwaltschaft mehr den Eltern zugehört als nach Fakten zu suchen).

Das Problem von Zeitungen ist immer noch, dass sie sich gottgleich sehen. Journalisten machen keine Fehler, Redaktionsleiter schon gar nicht, und Chefredakteure und Verleger sehen sich als unfehlbar an.

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Wieder Demonstrationen in Thailand

Filed under: Asien,Thailand — Thomaswanhoff at 2:56 am on Monday, November 4, 2013

Ich habe mal bewusst diese Überschrift gewählt weil ich ja möchte, dass der Artikel Interesse weckt. Es wird wieder demonstriert in Thailand, vor allem in Bangkok. Demos sind an sich nichts Besonderes hier, irgendwer hat immer was auszusetzen. Doch die kommenden Tage werden wohl etwas anders werden: es geht um das Amnestie-Gesetz. Damit sollen eine große Zahl möglicher Straftäter straffrei werden, die in den Tumulten seit 2004 beteiligt waren. Das betrifft die so genannten Red-Shirts die Kaufhäuser angezündet haben und der jetzigen Regierung nahe stehen, aber auch die Yellow-Shirts, die der Oppositon angehören und sowohl den Flughafen besetzt haben als auch die Redshirt-Proteste brutal niedergeschlagen haben. Man könnte meinen, alle kommen dabei gut weg, wenn nicht ein Teil des Gesetzes sich mit dem früheren Premierminister Thaksin beschäftigen würde. Der ist wegen Korruption und dubiose Landgeschäfte verurteilt worden und sitzt im selbstgewählten Exil in Dubai. Kritiker sagen, das Gesetz habe vor allem das Ziel, Thaksin die Rückkehr nach Thailand zu ermögliche und ihm das Geld zurückzugeben, dass die Gerichte beschlagnahmt haben. Hilfreich ist dass die jetzige Premierministerin Yingluck die Schwester Thaksins ist.

Wie sind die kommenden Proteste einzuordnen? In Thailand ist was die Politik angeht nur eines sicher: Man weiß nie was noch kommt. Sicher ist dass das Land tief gespalten ist. Die regierende Pad Theu Partei setzt vor allem auf die Bauern der ländlichen Regionen und stimmt sie mit großzügigen Geschenken milde – unter anderem Festpreise für Reis und Steuererleichterungen für Autos und Landkauf. Die Opposition hat ihre Wähler vor allem in der Mittelschicht der Städte.

Was man wissen muss, ist dass Thailands Politik der verlängerte Arm der Wirtschaft ist. Die meisten Politiker gehören den wenigen einflussreichen Familien an, denen die meisten und größten Firmen in Thailand gehören. Das ist übrigens auch das Rezept, warum Thailand trotz aller Widrigkeiten wie Coups, Tsunami und Proteste schnell wieder hochkam: Die Politik hatte ein Interesse die Geschäfte wieder in Gang zu bringen.

Noch ist die Basis auf der die Regierung steht, breit genug. Die Proteste der Opposition dürften die Reihen der Redshirts wieder schließen und Einigkeit herstellen, um gemeinsam den Gegner zu bekämpfen. Die Opposition hingegen hat es noch nicht geschafft, genügend Leute auf die Straße zu bringen. Zwar lehnen die meisten Thais ein Thaksin-Amnestie-Gesetz ab, das reicht aber noch nicht, um dafür auch zu demonstrieren.

Sorge machen könnte die übliche Strategie der Opposition, Druck auf die Regierung zu machen in dem man die Infrastruktur in Bangkok lahmlegt. Das ist schon mal gelungen mit der Blockade des Flughafens. Jetzt will man die Straßen der Innenstadt besetzen. Mal sehen, wie weit die Demonstranten gehen und ob die Geschäftsleute das lange mitmachen. Denn wenn das Geld ausgeht, um die Protester mit Lebensmitteln zu versorgen, dann sind die auch schnell wieder zu Hause.

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Lao-Airlines-Flugzeug stürzt in Pakse ab

Filed under: Asien,Laos — Thomaswanhoff at 5:06 am on Thursday, October 17, 2013

In Laos ist gestern eine ATR der Lao Airlines beim Anflug in Pakse abgestürzt. Alle 44 Passagiere und Crewmitglieder sind ums Leben gekommen. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte Sturm, die Ausläufer des Tropischen Sturms NARI waren auch in Laos zu spüren (sogar hier in Thailand).

Wir sind auch mit der ATR nach Pakse geflogen, die Maschine ist weltweit im Einsatz und ich fliege gerne damit. Was in Laos wirklich passiert ist wird hoffentlich eine Ermittlung zeigen, die internationalen Standards genügt. Leider nimmt die laotische Regierung (Eigentümer der Airline) zwar gerne viel Geld von der internationalen Gemeinschaft, kümmert sich aber einen Dreck um internationale Regeln. So ist die Airline nicht IATA safetey zertifiziert.

In Entwicklungsländern hat man immer das Risiko, geringere Standards anzutreffen als in Industrieländern. Bislang hatte Lao Airlines keine Abstürze gehabt, aber mit der ansteigenden Zahl der Flüge war das wohl eine Frage der Zeit. Mein Kandidat war eigentlich Lao Central Airlines, eine neue Airline mit alten russischen 737.

Es ist sehr wahrscheinlich dass das Wetter eine große Rolle beim Absturz spielte, auch wenn solche Stürme üblich sind.

Die Tochter eines guten Freundes aus Laos, gerade mal 18 Jahre alt und auf dem Weg nach Vietnam, wo sie ein Stipendium bekommen hat, war auf dem Flug. Andere Passagiere kannten wir vom sehen – die Expatgemeinde in Laos ist klein.

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Pepe

Filed under: Allgemein — Thomaswanhoff at 3:02 am on Monday, October 14, 2013
Pepe by thomaswanhoff
Pepe, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

It is now 2 years since Pepe died. He was my first dog and he changed my life. He was born on the street of Teneriffa and we got him when he was not even 2 years old. Pepe moved with us to Cambodia, Vietnam and Laos. He was an extraordinary dog and will never be forgotten.

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Sonnenuntergang in Krabi

Filed under: Allgemein — Thomaswanhoff at 10:03 am on Friday, October 4, 2013
Krabi trip by thomaswanhoff
Krabi trip, a photo by thomaswanhoff on Flickr.

Das Leben ist so schlecht nicht in Thailand, auch wenn es am nächsten Tag die ganze Zeit geregnet hat. Krabi ist eine Flugstunde von Bangkok entfernt, ein klassisches Wochenend-Ziel für uns Bangkoker.

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Barcamp Blogparade: Von Frankfurt nach Phnom Penh

Filed under: Asien,barcamp,Mein Leben — Thomaswanhoff at 9:03 am on Friday, September 13, 2013

Drüben bei Cortex Digital wird zur Barcamp Blogparade aufgerufen, und eine der Fragen ist, was mein erstes Barcamp war. Weil ich denke dass meine Barcampgeschichte eine vielleicht etwas andere ist, dachte ich, ich mache mal mit.

Es war im Frühjahr 2007, also ich von einem Barcamp in Frankfurt hörte. Genauer gesagt war es in Eschborn, ein Vorort, der auch die GIZ und Teile der Deutschen Bank beherbergt. Das Barcamp war in den Räumen von Cisco, was schon deshalb Geschichte schrieb, weil es wohl einmalig war was die Netzanbindung anging. Wenn nicht da wo sonst?

Wir haben auf der damals neu erschienene Nintendo Wii Tennis gespielt, ich habe Mario kennengelernt, der eigentlich kocht, aber auch bloggt und Videos macht. Und eine Menge andere Leute. Viel wichtiger aber war, dass ich einen Monat später Deutschland verließ und nach Kambodscha ging.
Barcamp Phnom Penh 2008

Im August 2007 gab es in Phnom Penh den Cloggersummit (steht für Cambodian Blogger) und ich sprach dort über Podcasting. Als alles vorbei war, lud man mich zum Orgatreffen ein und wir berieten, was man im nächsten Jahr machen kann. Und da brachte ich ins Spiel, was ich in Frankfurt gelernt hatte: Die Idee des Barcamps. Das würde Kambodascha in eine internationale Bewegung einbinden, und vor allem organisiert es sich selbst. Wir waren zwei Ausländer im Team, alle anderen waren Kambodschaner.

Für Asien sind Barcamps wichtig, weil sie mit der traditionellen Art und Weise der Wissensvermittlung brechen. In Asien wird frontal unterrichtet, und Fragen werden vom Lehrer gestellt. aber nicht von den Schülern. Ein Barcamp bot die Möglichkeit, Wissen so zu vermitteln, dass es verstanden wird – auf Augenhöhe, von den eigenen Leute, und im Diskurs.

Nun warnte man mich, dass die Art und Weise wie Barcamps organisiert werden, nicht gerade populär sei in Asien. Einige hatten Bedenken, dass Kambodschaner eben nicht an die Tafel gehen und sich für eine Session melden. Pustekuchen: Recht schnell war der Sessionplan gefüllt. Am Ende zeigte sich sogar ein Ministeriumssprecher begeistert.

Ich bin dann nach Vietnam gezogen und habe das erste und zweite Barcamp Saigon organisiert. Dann ging es weiter nach Laos, wo ich auch zwei Barcamps organisiert habe. Fürs Barcamp in Phnom Penh hatten wir Spenden gesammelt, um ein paar Geeks aus Myanmar einfliegen zu können, die das Konzept interessant fanden. Das war lange vor der politischen Öffnung. 2010 kamen bereits 1700 Leute nach Yangon, die (Militär)-Regierung hatte fette Bandbreiten bereitgestellt, ohne Proxies. Es gab keine Verhaftungen oder Repressalien. 2012 kam Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zum Barcamp. Und 2013 brach das Barcamp Yangon mit über 6000 Teilnehmern alle Rekorde: Es ist das größte Barcamp der Welt.

Ich bin immer wieder zu anderen Barcamps gefahren, nach Singapur, nach Bangkok, Can Tho in Vietnam und natürlich immer wieder nach Phnom Penh (das nächste dort ist vom 20-12. Oktober 2013).

Überall zeigte sich, dass vor allem die Selbstorganisation, vor allem aber der Austausch auf Augenhöhe genau das sind, was die (jungen) Menschen in Südostasien wollen und brauchen. Wir haben Barcamps mit Budgets von 2000 Dollar organisiert, und hatten zwischen 70-90 Prozent lokale Teilnehmer, die überwiegend in der Landessprache vortrugen. In Phnom Penh baute ein Team den ersten Ballon, der in die Stratosphäre aufstieg, um Videos und Bilder aus der Luft zu machen. (Ich habe in Laos auch das Filmcamp organisiert, bei dem alle wichtigen Leute der Filmbranche zusammenkamen, auch aus der Regierung, und noch nie gesehen Diskussionen hatten. Ein Grund war das Umfeld: Kleine Klassenräume, in denen der Vizechef des Filmdepartments auf dem Tisch sitzen musste, weil alle Stühle belegt waren. Er ist gewohnt einen Prunksessel in der ersten Reihe zu haben)

Vergleichbare Konferenzen von internationalen Organisationen kosten 5-6 stellige Dollarbeträge, sind limitiert was die Teilnehmer und die Vorträge betrifft und werden in der Regel von Expats besucht, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Mein lieber Freund Chantra aus Kambodscha trägt die Barcampidee ins ganze Land, und hat Barcamps in Siem Reap (d ist Angkor Wat), in Battambong, in Sihanoukville und in Kampong Cham organisiert – mit großen Erfolg.

Wenn ich nicht auf dem Barcamp in Frankfurt gewesen wäre und wenn nicht bald drauf der Cloggersummit in Kambodscha gewesen wäre….

Heute gibt es eine Gruppe in Südostasien, die sich Barcampnomads nennt. Das sind Organisatoren von Barcamps und solche, die auf andere Barcamps gehen. Wir treffen uns immer wieder auf einem der Barcamps in der Region. Ich frage mich, ob das auch in Europa so passiert.

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Was uns verbindet: Leben im asiatischen Umfeld

Filed under: Asien,Mein Leben — Thomaswanhoff at 10:35 am on Friday, August 30, 2013

Ich lebe zur Zeit in einem Compound in Bangkok, in Deutschland würde man das Reihenhaussiedlung nennen oder Wohnsiedlung. Wir haben in Vietnam in einem Hochaus gelebt, in Phnom Penh in einem kleinen Apartmenthaus und in Laos in einem – unserem ersten – freistehenden Haus. Was wir überall hatten waren einheimische Nachbarn (im Englischen Locals genannt, was mir immer nach Eingeborenen klingt, aber wohl nicht so gemeint ist).

Nun kennen wir aus Deutschland die Dynamiken, die sich in Nachbarschaften bilden. Jeder hat nette und weniger nette Nachbarn, solche mit denen man auch mal feiert und solche die man nicht mal grüßt. Und man gibt jedem seiner Nachbarn Beschreibungen, die mal mehr, mal weniger abhängig sind von persönlichen Neigungen.

Das ist in Asien nicht anders. In der kleinen Seitenstraße in der unser Haus steht, sind vier weitere Häuser auf unserer Seite. Gleich neben uns wohnen Chinesen die selten überhaupt da sind. Daneben eine Wohngemeinschaft aus 3 Thais – wo die Frau immer die Hausarbeit macht und die Männer sich ums Essen kümmern, meist in Form von Delivery Pizza. Deren Nachbarn sind eine Thaifamilie mit zwei Kindern, Eltern und zwei Großmüttern, und der letzte in der Reihe ist eine Familie mit zwei Kindern, er ist Australier und sie ist Thai (plus die Nichte, die als Maid arbeitet).

Dann sind da noch die beiden alten Frauen auf der anderen Straßenseite, die so nett sind dass sie mir manchmal Desserts bringen und mir eine Bananenstaude geschenkt haben. Und die Familie deren Vater peinlichst genau darauf achtet dass beide Autos immer tiptop sauber sind. Und die andere Familie die morgens früh raus muss weil sie ein Restaurant haben (was so gegen 6.30 Uhr öffnet).

Wo immer ich gelebt habe war es so: Nachbarn und Nachbarschaften sind immer gleich. Ein Mikrokosmos mit bestimmten, fast universellen Dynamiken. Natürlich auch lokale Besonderheiten, sonst wäre das ja langweilig. Aber die Menschen, die ähneln sich doch viel mehr als man meinem mag. Sooo groß sind kulturelle Unterschiede gar nicht, zumindest was das Zusammenleben hier angeht.

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Fleisch aus dem Labor: Immer her damit

Filed under: Mein Leben — Thomaswanhoff at 3:32 am on Wednesday, August 7, 2013

Pig SlaughterDie Deutschen sind ja ein Volk von Fleischessern. 13kg/person/year Rind ist schon eine Menge, wobei die Amis mit 42 noch weit drüber liegen (wir führen aber beim Schwein). Aber egal, die Frage ist, wie lange können wir uns Fleischkonsum noch leisten? Und was essen wir da eigentlich?

Weltweit reden wir über 63 Millionen Tonnen Rindfleisch, 99 Millionen Tonnen Schwein, 12 Milionen Tonnen Ziege, und 83 Millionen Tonnen Huhn. China allein hat in den letzten 20 Jahren seinen Rindfleischkonsum von 2 auf über 10 kg pro Person und Jahr gesteigert. Man kann sich leicht vorstellen, wie das aussieht wenn Brasilien., Indien und Afrika noch weiter wachsen, plus Südostasien.

Um es auf den Punkt zu bringen: So viele Rinder und Schweine kann es gar nicht geben, um den Bedarf zu stillen. Und selbst wenn, werden die Folgen kaum zu ertragen sein. Einmal ist es das Methan, das von Rindern ausgestoßen wird und einen erheblichen Anteil am Klimawandel hat. Zum anderen aber auch indirekte Folgen, wie eine Studie aus Östtereich zeigt:

A major leverage point for the reduction of greenhouse gas emissions of pork production is the facilitation of European animal feed. The majority of vital protein plants such as soybean are currently produced in and imported from areas where de-forestation leads to major climatic and environmental impacts. For this reason the soybean production makes up to 80% of the greenhouse gas emissions of Austrian AMA pork meat. – See more at: http://seri.at/en/projects/completed-projects/spar-pork-meat/#sthash.aLuwVGdB.dpuf

Soja ist auch nicht das Allheilmittel. Ein vegetarischer Tag, wie ihn die Grünen fordern, ist in der Tat hilfreich, wenn auch nicht in Gesetzesform (wobei ich den Aufschrei schon witzig finde, gründen sich doch erhebliche Teile Deutschland auf den Katholizismus, der einen fleischlosen Tag den Gläubigen sehr ans Herz legt).

Die Lösung ist zwar noch nicht in den Supermarktregalen, aber machbar. Kein anderer als Sergej Brin hat es finanziert, und Professor Mark Post hat es verwirklicht: Das erste Fleisch aus dem Labor.

Jetzt nölen natürlich echte Männer rum, das sei kein echtes Fleisch. Na gut, dann wollen wir mal schauen:

Wenn echtes Fleisch nur von echten Tieren kommt, dann sollten echte Männer die auch töten können. Wer hat schon mal ein Schwein, Rind oder Huhn geschlachtet? Wer wäre bereit, dies zur Nahrungsversorgung regelmäßig zu tun?

“Das Labor-Fleisch ist nicht hochwertig”. Was zu beweisen wäre, weil man im Labor sehr gut steuern kann, welche “guten” Inhaltsstoffe in welcher Konzentration vorhanden sind. Vielmehr aber stellt sich die Frage, wie hochwertig das Fleisch ist das wir jetzt essen. 50 Prozent sind Hackfleisch, was in der Nahrungsmittelindustrie aus Pink Slime aka Fleischabfällen hergestellt wird. Das Billigfleisch vom Aldi und Co. kommt aus Massentierhaltung. Wurst wird NICHT aus Rinderfilet gemacht, und IKEAs Meatballs auch nicht.

Laborfleisch ist die einzige Lösung die wir haben. Man sollte alles Geld das für den Militäretat gebraucht wird unverzüglich in diese Forschung stecken. Damit kann man nämlich künftige (Nahrungs-)kriege verhinden.

Es geht mir übrigens nicht darum, dass ein handgefüttertes argentinisches Angusrind nicht gutes Fleisch produziert. Das ist klar. Es geht um die Masse an Fleisch, die produziert wird und die Schaden verursacht.

Es ist wohl eine Haltungsfrage, ob man das Fleisch essen würde oder nicht. Solche, die im Geiste nie wirkliche die Höhle verlassen haben, werden wohl immer wieder Argumente dagegen finden. Bis, wie von Professor Post vorgeschlagen, Laborfleisch wesentlich billiger ist, weil das andere Fleisch mit einer Umweltabgabe versehen ist.

Jamie Oliver hat es in seiner Show mal gezeigt, wie es geht. Das Töten eines Huhns heutzutage.

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Persönliches und Nachdenkliches

Filed under: Asien,Mein Leben — Thomaswanhoff at 2:36 am on Thursday, August 1, 2013

Mein Vater wäre heute 74 Jahre alt geworden. Er ist vor 23 Jahren an Krebs gestorben. Mittlerweile lebe ich fast genauso lange ohne ihn wie mit ihm.

Was mich so nachdenklich macht ist, wie schnell die Zeit vergeht. 23 Jahre sind eine lange Zeit, aber es kommt mir gar nicht so lange vor. Ich habe auch nicht das Gefühl, schon 47 Jahre auf diesem Planeten zu sein. Man sagt ja dass Mittvierziger ohnehin eine verzerrte Realität haben was ihr gefühltes Alter angeht.

Wenn ich in Erinnerungen schwelge, dann ist es immer schwierig, mein Alter in den Erinnerungen zu bestimmen. Oder anders gesagt: In meinen Erinnerungen bin ich zeitlos. Sicher, als Kind war ich ein Kind, aber das Gefühl ist nicht das eines Kindes, sondern einfach nur mein Ich.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in der Tat wesentlich jünger fühle als ich aussehe und bin. Ein Freund von mir, Benjamin aus Sydney, hat neulich ganz schön beschrieben wie man das Kind in sich finden und bewahren soll. Vielleicht liegt es auch an meinem Lebensumfeld: In Asien sind um die 60 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt. Das heisst, ich bin nur von jungen Menschen umgeben. Vielleicht färbt das ab und hat Einfluss auf Selbstreflektion.

Ich habe mir ein Skateboard gekauft. Nicht weil ich wieder jung sein will oder jetzt in Rapperklamotten rumlaufe. Es hat einen simplen Grund: Damit kann ich mit meinen Hunden hier ein wenig Sport machen. Die können mich ziehen und es ist einfacher als mit dem Fahrrad – da laufen sie mir permanent vor’s Rad. Weil ich früher immer mit dem Skateboard zur Schule bin, ist das für mich eher ein Fortbewegungsmittel denn modisches Gadget. Mag aber von aussen anders aussehen. Gleiches gilt fürs Moped. Mag sein dass bäuchige Mittvierziger komisch aussehen auf einer Honda Scoopy-I, aber es ist halt praktisch: Man kommt durch jeden Stau und findet immer einen Parkplatz.

Ich überlege wie man Vater war als er 47 Jahre alt war. Er war anders sozialisiert, im streng katholischen Bayern aufgewachsen, als ältester Sohn mit viel Verantwortung im autoritären Elternhaus ausgestattet – an der er auch oft scheiterte. Wäre er Skateboard gefahren? Nein. Ich glaube Jeans tragen war so ziemlich das modernste, soweit ich mich erinnere. Ich weiß er war intellektuell fähig, outside the box zu denken. Aber ich glaube das Kind in ihm durfte nicht raus.

Da stellt sich die Frage, ob das an seiner Persönlichkeit lag, oder ein Zeichen seiner Generation. Natürlich hatte meine Elterngeneration weniger Freiheiten und wurde auch so sozialisiert. Natürlich sind die Eltern immer Spießer. Und natürlich gibt es Ausnahmen.

Wie schaut es bei Euch aus, liebe Leser ? Seht ihr euch alterslos? Seht ihr Euch als weise Alte?

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